„Hamlet“ in Bludenz: Der Prinz beliebt zu spaßen

Kultur / 26.07.2019 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Ensemble Shakespeare am Berg spielt heuer in der Stadt Bludenz. Oliver Lerch
Das Ensemble Shakespeare am Berg spielt heuer in der Stadt Bludenz. Oliver Lerch

Bei Shakespeare am Berg versucht sich der berühmte Dänenprinz Hamlet im komischen Fach.

bludenz Man kann eine Tragödie durchaus als Komödie verkleiden. Soll die eine der anderen dann in nichts nachstehen, braucht es eine große Extra-Portion an gewieften Kunstgriffen. So richtig knifflig wird es aber erst, wenn man sich als Vorlage etwas aus der Kategorie Shakespeare-Tragödien aussucht. Denn Shakespeare hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, seine Texte sind aber einfach das, was man als eine „ziemlich große Nummer“ bezeichnen könnte.

Das merkt man zum Beispiel auch in der Reorganisation der Shakespeare-Tragödie „Hamlet“ beim Bludenzer Open-Air-Theater Shakespeare am Berg. Denn wenn Hamlet, Ophelia, Laertes und Co. sich hauptsächlich durch Klamauk auszeichnen, dann geschieht ihnen an manchen Stellen einfach ein bisschen Unrecht. Würde man das Tragische einfach streichen, dann wäre der Fall klar. Dann ist Shakespeare am Berg heuer eine humorvolle Parodie – von fein bis derb – des dänischen Prinzen Hamlet, der mit allen Mitteln versucht, den Mörder seines Vaters zu überführen.

Dabei kommt Shakespeare am Berg, das Ensemble, hinter dem als Mastermind der Vorarlberger Autor Thomas A. Welte steckt, der übrigens in Bludenz auch Regie führte, heuer mit ganz neuen Rahmenbedingungen daher. Zum einen ist man weniger am Berg als im Tal, genauer gesagt im Park der Volkschule Bludenz Mitte mit Berg in Sichtweite. Zum anderen komplettieren Puppen das schauspielerische Ensemble. Das hat seinen ganz besonderen Reiz und verlangt den Akteuren einiges an schauspielerischem Tempo und Wandelbarkeit ab. Keiner der vier – Rebecca Selle als Hamlet, Guylaine Hemmer als Laertes, Philip Butz als Königin Gertrud und Julia Sewig als Polonius – kommt da ohne Doppelrolle aus. Wobei es natürlich gilt, auch den Puppen, die übrigens vom Vorarlberger Künstler Roland Adlassnigg gefertigt wurden, ihren großen Auftritt zuzuerkennen. Das gelingt durch die Bank einwandfrei. Großes Kompliment. Auch dass Philip Butz als Königin Gertrud und puppenspielend auch als König Claudius in Rebecca Selle den Königssohn Hamlet findet, ist ein amüsantes Wechselspiel der Geschlechter.

Überraschend gelöst

Natürlich ist das Spiel bei Shakespeare am Berg manchmal etwas überzeichnet. Das stört aber im Rahmen einer parodierenden Komödie nicht, womit man sich bei „Hamlet“ auf ein gut aufgestelltes Schauspiel-Quartett einstellen darf. Auch die Bühne von Roland Adlassnigg und Paul Bianchini ist klug durchdacht, witzig und überraschend gelöst und gleichzeitig möglichst einfach gehalten. So befindet man sich gleichzeitig auf einem regnerischen Friedhof und in einem düsteren Thronsaal. Auch die Musik (Nikolaus Herdieckerhoff) und die Kostüme (Simona Obholzer und Kerstin Köck, die die Helden in Regenponchos und Gummistiefel stecken) haben absolut ein „Daumen hoch“ verdient.

Der Bludenzer „Hamlet“ ist eine Sommerkomödie geworden, in der die großen Zitate wie „Sein oder Nichtsein“ oder der Rest, der Schweigen ist, natürlich nicht fehlen. Manchmal würde eine Spur weniger Klamauk nicht schaden, wobei sich die Schauspielerinnen und Schauspieler in ihren Doppel- und Dreifachrollen den Applaus wirklich und ausnahmslos beeindruckend erarbeitet haben. Veronika Fehle

Nächste Aufführung von „Hamlet“ im Plettenberg-Park bei der Volksschule Markt in Bludenz am 27. Juli, 21.15 Uhr, weitere bis 17. August: www.shakespeareamberg.at