Neue Galerie setzt auf Fenstergucker

Kultur / 26.07.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Künstler Hannes Ludescher mit Mirjam Steinbock, Initiatorin der Galerie Vor-Ort. CHRISTINE LEDERER

Galerie Vor-Ort geht als Zeichen engagierter Kunstvermittlung an den Start.

Christa Dietrich

Altach Was im Allgemeinen nicht statthaft ist oder durch Gardinen verhindert wird, ist in Altach nun erlaubt oder sogar ausdrücklich erwünscht, gemeint ist der Blick ins Fenster. Neben den bestehenden Museen, Kunsthäusern und -räumen in Vorarlberg einen Ort für die bildende Kunst zu etablieren, der aus der üblichen Reihe ausschert, war das Ziel von Verena Leija, Mirjam Steinbock und Roland Adlassnig. Die unter anderem in der Kunstvermittlung tätigen, bekannten Experten wurden in Altach fündig. Am Alteichweg/Ecke Mühlbachstraße 5 gibt es nun eine Galerie mit dem Namen Vor-Ort. Das Besondere an diesem Container ist, dass er 365 Tage im Jahr quasi rund um die Uhr zugänglich ist. Wobei man den Begriff zugänglich nicht grundsätzlich wörtlich nehmen darf, denn zu betreten braucht man die Galerie auf der Suche nach Kunstgenuss nicht, als Präsentationsfläche fungieren die Fenster.

„Sie müssen sich das einmal bei oder nach der Dämmerung ansehen“, schürt Mirjam Steinbock die Neugier. Weder sie noch die zwei weiteren Initiatoren und Verantwortlichen haben Scheu, auf den Effekt zu setzen, der sich durch die Beleuchtung ergibt. Wesentlich ist, dass sich auch jene Personen, die kaum einmal eine Galerie oder ein Kunsthaus betreten, angezogen fühlen. Dass das funktionieren kann, wurde in Vorarlberg beispielweise mit dem milk-ressort in Göfis bewiesen, wo Harald Gfader in einer ehemaligen Milchsammelstelle seit Jahren schon sehr erfolgreich Künstlerinnen und Künstler mit dem Publikum zusammenführt.

„Das Projekt ist längerfristig angelegt. Vier Ausstellungen pro Jahr sind geplant.“

Mirjam Steinbock, Initiatorin

Im Unterschied dazu ist Vor-Ort sozusagen immer zugänglich. Steinbock: „Uns geht es auch darum, Kunst dort zu platzieren, wo niemand damit rechnet.“ Kunst dringe somit in den Alltag vor, vielleicht auch einmal als Irritation. Und ab und an werden auch die Türen geöffnet, dann nämlich, wenn Leija, Steinbock und Adlassnigg Veranstaltungen ausrichten. Das kann ein Vortrag sein, ein Workshop oder ein Künstlergespräch.

Bezüge zur Region

Die Realisierung von vier Projekten pro Jahr ist geplant. Präsentieren will man Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die in Vorarlberg leben oder einen Bezug zum Land haben. Beim Startprojekt mit Hannes Ludescher (geb. 1946 in Feldkirch) lässt sich auch eine Anknüpfung zum Ort ausmachen. In seinem Werk bilden der beständige Stein und das veränderliche Wasser ein Grundgerüst. Mit den Steinskulpturen betreibt der Künstler auch ein Spiel mit der Wahrnehmung, sie sind nämlich aus Papier und federleicht. Vorbilder der neuen Arbeiten sind Steinfunde aus dem Rhein, quasi in Wurfweite zu Altach. In unmittelbarer Nähe hat der Rhein übrigens das Fundament für so manches Haus freigegeben. Ein interessanter Aspekt. In der Galerie Vor-Ort werden spannende Geschichten erzählt. Wie lange noch? „So lange wie möglich“, meint Mirjam Steinbock. Das Projekt wird vom Land Vorarlberg und der Gemeinde unterstützt, aber freilich hofft man auf Mäzene, die den Erhalt sichern.

Die offizielle Eröffnung der Galerie Vor-Ort findet am 29. Juli, 18 Uhr, in Altach (Ecke Mühlbachstraße 5/Alteichweg) statt. Ausstellung Hannes Ludescher bis 30. September