Ausstellung Christoph Lissy: Wenn Künstler zu Vätern werden

Kultur / 28.07.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Bildhauer Christoph Lissy ist ohne Vater aufgewachsen und nennt Ludwig van Beethoven seinen „Vater Nummer eins“. VN/SORKO

Der Vorarlberger Bildhauer Christoph Lissy stellt im Vorarlberg Museum aus.

Bregenz In seinem Leben machte er schon viele Höhen und Tiefen mit. Mit der Ausstellung „Christoph Lissy – Meine acht Väter“ offenbart der Künstler seine Lebensgeschichte. Seinen acht Vätern ist in Form einer Installation mit Objekten und Collagen zu begegnen. Zusätzlich wurde jedem Werk ein Zitat gewidmet.

Nachhaltige Prägung

„Dadurch, dass ich ein vaterloses Kind bin, habe ich mir in den letzten 50 Jahren meine Wahlväter zusammengebaut. Ohne diese Väter wäre ich heute nicht derjenige, der ich bin“, sagt Lissy. Bei seinen Vätern handelt es sich um künstlerische Personen. Christoph Lissy erblickte am 28. Dezember 1957 in einer kleinen Dachwohnung in Hörbranz das Licht der Welt. Seinem biologischen Vater Egon Lissy, der zwölf Monate nach Christophs Geburt starb, widmete er das Werk „Elbe 1945“. Egon Lissy konnte 1945 aus der russischen Gefangenschaft flüchten und ist bei winterlichen Temperaturen durch die Elbe geschwommen, um wieder nach Hause zu gelangen. Sein silbernes Zigarettenetui wurde ihm als Objekt zugeordnet.

Als Achtjähriger befasste sich Lissy intensiv mit Ludwig van Beethoven. Der Komponist hat ihm geholfen, sein Leben zu bewältigen. „Beethoven ist für mich immer noch der Größte. Als Kind ist meine musikalische Begabung zutage getreten, damals beschloss ich, Musiker zu werden“, sagt der Bildhauer. Da der Karpfen zu den Lieblingsspeisen von Beethoven zählte, wurde vor dem Werk „Die Suppe ist schlecht“ ein ausgestopfter Karpfen aus der Stockerau positioniert.

Viele Einflüsse

Miles Davis, der 1979 in das Leben des Künstlers trat, war während der Studienzeit an der Kunstschule in Stuttgart für ihn sehr präsent. Dem Jazzmusiker wurde das Kunstwerk „So What“ gewidmet, Lissy ist als junger Mann mit Irokesenschnitt zu sehen. Während seines Studiums an der Akademie in Wien befasste er sich mit William S. Burroughs. Der Schriftsteller war ein großer Ägyptenkenner, deshalb platzierte Lissy vor der Collage „Soulkiller“ die Replik eines ägyptischen Katzenkopfs.

Ich bin ein Wiederauferstandener und möchte keine Sekunde zurück in mein früheres Leben.“

Christoph Lissy, Bildhauer

An der Akademie der Bildenden Künste studierte er sieben Jahre lang bei Professor Bruno Gironcoli Bildhauerei. „Im Jahre 1986 hatte ich eine schwere Krise, er bot mir eine Assistenzstelle an und rette damals meine Existenz. Ein Jahr später konnte ich mein Diplom mit Auszeichnung abschließen“, erklärt Lissy. Der Titel „Machen’s an Lärm Lissy“ geht auf seinen Professor zurück, der ihn bestärkt hat, nach dem Abschluss nach Vorarlberg zurückzukehren und die Künstlerszene in Bewegung zu versetzen. Vor dem Werk befinden sich getrocknete Trompetenbaumfiguren in den Farben Gold, Silber und Kupfer, in Erinnerung an Gironcoli, der sehr intensiv mit diesen Farben gearbeitet hat. Für Lissy verkörpert sein Sohn Ludwig, der nach dem Komponisten Ludwig van Beethoven benannt wurde, ebenfalls eine Vaterfigur. Die Werkbezeichnung „Amondia“ geht auf eine Wortschöpfung seines geliebten Sohns zurück. 

Lebenswandel

Nikolaus Harnoncourt wurde von Lissy ebenfalls als Vater auserwählt. Die Collage „Der Chor muß klingen wie Weihrauch“ und ein Weihrauchfass aus Messing wurden dem bekannten Dirigenten gewidmet. Sein achter Vater wird von einem Engel verkörpert. „Ich hatte 2006 eine schwere Hirnblutung, ich bin sofort ins Koma gefallen und hatte eine Nahtoderfahrung. Damals ist mir der Bote Gottes erschienen und hat mir die Leviten gelesen“, sagt Lissy und fügt hinzu: „Ich bin ein Bekehrter, ich habe mich sozusagen vom Saulus zum Paulus gewandelt.“ Als Vervollständigung des Werks „Anima mea Dominum“ baute Lissy einen Notenständer der Wiener Symphoniker aus Metall nach.

Das neunte Werk „Azul“ wurde seiner Frau gewidmet. „Sie hat mich mit ihrer ganzen Kraft und Liebe den Klauen des Todes entrissen. Ich bin einer Wiederauferstandener und möchte keine Sekunde zurück in mein früheres Leben. Alle Väter wären ohne das nährende und rettende Prinzip der Weiblichkeit nicht auf der Welt“, betont Lissy.

Die Ausstellung „Christoph Lissy: Meine acht Väter“ im Vorarlberg Museum läuft noch bis 1. September. Führungen mit Christoph Lissy am 1. und 15. August www.vorarlbergmuseum.at