Poolbar-Festival: Ein Sprung ins kalte Wasser

Kultur / 30.07.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Vorarlberger Chris Comper alias Prinz Grizzley präsentierte im Rahmen des Poolbar-Festivals in der Reithalle des Sunnahof eingängige Country-Musik. MATTHIAS RHOMBERG

Beim Poolbar-Festival finden heuer Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten statt.

Feldkirch Die Poolbarbesucher tanzen, bis sie klatschnass sind, genießen gute Musik und entspannen auf der Terrasse unter freiem Himmel. „Wir sind bislang ausgesprochen zufrieden mit dem Verlauf. Heuer haben wir ein unfassbar gut eingespieltes und zähes Team, das die Herausforderungen souverän meistert. Die angepeilten 25.000 Festivalgäste werden wir heuer voraussichtlich erreichen“, erklärt Geschäftsführer Herwig Bauer und fügt hinzu: „Organisatorisch gab es extreme Herausforderungen, neben dem Aufbau der Architektur und der Umsetzung des Poolbar-Generators wickelten wir auch den Start des Raumfahrtprogramms ab.“ Im Rahmen dieser neuen, innovativen Schiene werden kulturell ungenützte Räume bespielt. Mit dem Raumfahrtprogramm wagten die Organisatoren einen Sprung ins kalte Wasser und erweiterten die Veranstaltungsvielfalt abseits des Alten Hallenbads. Bisher dienten unter anderem der Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch und das Freibad Felsenau als Veranstaltungsorte.

„Die angepeilten 25.000 Festivalgäste werden wir heuer voraussichtlich erreichen.“

Herwig Bauer, Geschäftsführer

In der Reithalle des Sunnahof in Göfis fanden am Sonntag zwei Konzerte statt. Der Bregenzerwälder Chris Comper alias Prinz Grizzley stand mit Mundharmonika und Saiteninstrumenten auf der Bühne und sang wie eine amerikanische Country-Legende. Als Support trat die Band Deadass Dobro auf, die ebenfalls einen gelungenen Auftritt hinlegte. Am Dienstag, dem 30. Juli, wird in Kooperation mit dem Land Vorarlberg unter dem Titel „Der Zukunft Raum geben“ in der Potentiale Base (Neustadt 14) der dänische Dokumentarfilm „The Human Scale“ gezeigt, anschließend diskutieren Experten über die Inhalte und die Querbezüge zum Raumbild Vorarlberg 2030.

Sofort ins Ohr

Österreichische Bands sind im Kommen. Nach Bilderbuch und Wanda kann die vierköpfige Musikgruppe Naked Cameo als nächster Geheimtipp gehandelt werden. In der Poolbar spielte sie Indiepop Songs, die so viel gute Laune versprühen, als würde man gerade in Zuckerwatte reinbeißen. Auftritte von Vorbands werden oftmals von Konzertbesuchern verschmäht, nicht so in der Poolbar, die Musiker zogen die Zuhörer sofort in ihren Bann, und das nicht grundlos. Die Songs verwandelten sich in hartnäckige Ohrwürmer und das Konzert nahm in kurzer Zeit richtig Fahrt auf. Der Mix aus Synthiepop, R&B und Indie hat Suchtpotenzial. So ist es auch wenig verwunderlich, dass ihr Song „Luddite“ bereits fast 100.000-mal auf YouTube aufgerufen wurde. Ihr Debütalbum „Of Two Minds“ veröffentlichten sie vor einem Jahr. Das Quartett besteht aus Lukas Maletzky (Gitarre, Gesang), Maria Solberger (Synthesizer), Patrick Pillichshammer (Schlagzeug) und Jakob Preßmair (Bass). Die Bandmitglieder stammen ursprünglich aus Oberösterreich, mittlerweile haben sie ihren Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt.

Die österreichische Band Naked Cameo trat beim Poolbar-Festival auf. Matthias Rhomberg
Die österreichische Band Naked Cameo trat beim Poolbar-Festival auf. Matthias Rhomberg

Gute Musik muss nicht immer laut sein. Wer Mighty Oaks hört, wird an romantische Lagerfeuerabende unter freiem Himmel erinnert. Die Indie-Folk Band aus Berlin trat als Hauptband auf und spielte ihr Konzert in einem intimen Akustik-Rahmen. Das Trio, bestehend aus dem US-Amerikaner Ian Hooper, dem Italiener Claudio Donzelli und dem Briten Craig Saunders, lief sich durch Zufall in Hamburg über den Weg. Vor neun Jahren schlossen sich die Musiker zu einer Band zusammen. „Wenn man ein Akustikkonzert spielt, steht man praktisch nackt auf der Bühne. Wir möchten zurück zu unseren Wurzeln und uns auf das Wesentliche konzentrieren“, sagt Frontmann Ian Hooper. Mit ihren Liedern greifen sie die Themen Liebe, Freundschaft, Freiheit und Wanderlust auf. Sie sorgten für Wohlfühlstimmung und heftigen Beifall.

Die Musikgruppe Mighty Oaks überzeugte mit ihrem Auftritt. Matthias Rhomberg
Die Musikgruppe Mighty Oaks überzeugte mit ihrem Auftritt. Matthias Rhomberg

Ohne Schwimmflügel

Der Pool im Erdgeschoß, in dem Bands und DJs auftreten, wurde heuer neu inszeniert. Am Beckenrand wurden zahlreiche Leinwände angebracht, auf denen wellenförmige Projektionen gezeigt werden, und der Beckengrund wurde mit schwarzen Trennlinien versehen. Obwohl das ehemalige Schwimmbecken schon seit vielen Jahren staubtrocken ist, fühlt es sich so an, als würde man gerade ins kühle Nass eintauchen. Drei lokale Bands werden am Mittwoch, dem 31. Juli, im Pool auftreten, unter anderem die Punkgruppe Traurig in Europa, die letztes Jahr von vier Feldkirchern gegründet wurde.

Film und Diskussion zum Thema „Zukunft Raum geben“ am 30. Juli in der Potentiale Base. Das Poolbar-Festival im Reichenfeld-Areal läuft noch bis 11. August: www.poolbar.at