Festspielexport geplant: Spiderman darf weitersingen

31.07.2019 • 08:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Aufführungsserie der Oper "Don Quichotte" von Massenet in Bregenz ist beendet. Die Aufführungen waren zu 99 Prozent ausgelastet. Stiplovsek
Die Aufführungsserie der Oper „Don Quichotte“ von Massenet in Bregenz ist beendet. Die Aufführungen waren zu 99 Prozent ausgelastet. Stiplovsek

Auch die Festspieloper „Don Quichotte“ entwickelt sich zum Vorarlberger Exportartikel.

Christa Dietrich

Bregenz Jeder Akt spielt in einer anderen Zeit bzw. entspricht einer anderen Bühnenästhetik und im letzten wird man auch noch an die Uraufführung der Oper „Don Quichotte“ von Massenet im Jahr 1910 in Monte Carlo erinnert. „Das sind vier bis fünf Opern in einer“, meinte Mariame Clément scherzhaft zu ihrer Inszenierung bzw. Auseinandersetzung mit prägenden Männer- und Heldenbildern in Literatur, Musik, Kunst und Alltag, die sie für die Bregenzer Festspiele ablieferte. Gábor Bretz legte sich als Titelheld ebenso ins Zeug wie die Bühnenbildnerin Julia Hansen, um das eher selten gespielte Werk nach dem berühmten Roman von Miguel de Cervantes zur kraftvollen und farbenreichen Erzählung werden zu lassen. Das Publikum zeigte entsprechendes Interesse, die Bregenzer Aufführungsserie im großen Saal des Festspielhauses wurde nun mit einer Auslastung von 99 Prozent beendet.

War es das schon für Spiderman, der im dritten Akt, das heißt, nach dem furiosen Kampf gegen die Windmühlen in einem Badezimmer, im Comicoutfit die Banditen besänftigt? Höchstwahrscheinlich nicht, Spiderman darf wohl ebenso weitersingen wie der schüchterne Büroangestellte, der hier Dulcinée gegenübertritt, oder der Mann in der kuriosen Ritterrüstung. Gegenüber den VN konnten die Festspiele bestätigen, dass es ein sehr großes Interesse an der Übernahme der Produktion seitens eines deutschen Staatstheaters gibt. Sobald die Verträge unterschrieben sind, steht somit auch dieser „Don Quichotte“ auf der Liste der Vorarlberger Exportartikel, die im Musiktheaterbereich von der Oper „Die Passagierin“ angeführt wird. Das Werk von Mieczysław Weinberg wurde unter dem Intendanten David Pountney für die Bühne wiederentdeckt und jüngst nach Stationen in den USA sowie in Polen und England in Tel Aviv gezeigt.

Koproduktion mit der Neuen Oper

Produktionen von zeitgenössischen Opern unter Intendantin Elisabeth Sobotka konnten bereits weitergeleitet werden. So lief etwa das Auftragswerk „Das Jagdgewehr“ von Thomas Larcher in der Inszenierung von Karl Markovics gerade beim Aldeburgh Festival. „Die Staatsoperette“ von Novotny und Zykan, die in Bregenz uraufgeführt wurde, kam an die Neue Oper Wien. Dasselbe gilt für die Österreich-Premiere der Oper „Der Reigen“ von Bernhard Lang. Die Inszenierung von Alexandra Liedtke, die am Dienstagabend im Rahmen der Bregenzer Festspiele erstmals gezeigt wurde und am Mittwoch erneut auf dem Programm steht, kommt im November nach Wien. Apropos Mariame Clément: Die französische Regisseurin ist mitverantwortlich für die grandiose Entdeckung der Oper „Barkouf oder ein Hund an der Macht“ von Jacques Offenbach. Die Premiere fand im Dezember 2018 in Straßburg steht. Diese wunderbare Produktion hat die Oper Köln übernommen, wo man sie ab dem 12. Oktober zeigt.