„Mit der Oma Semmeln in den Kaffee tunken, das war herrlich“

Kultur / 02.08.2019 • 20:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Alexandra Wacker vor einem ihrer Selbstporträts in der Bregenzer Sommerausstellung im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis. Sagmeister, paulitsch
Alexandra Wacker vor einem ihrer Selbstporträts in der Bregenzer Sommerausstellung im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis. Sagmeister, paulitsch

So eigenständig sie selbst Kunst schafft, an den Großvater erinnert sich Alexandra Wacker stets.

Christa Dietrich

Bregenz Es ist fröhlich zugegangen in ihrer Kindheit im Hause Wacker. Zu Ilse, der Ehefrau des 1939 verstorbenen Malers Rudolf Wacker, hatte sie eine sehr enge Beziehung: „Mit der Oma Semmeln in den Kaffee tunken, das war herrlich“, erzählt Alexandra Wacker. Von den vielen prägenden, herzlichen Szenen ist ihr der frühe Morgen am besten im Gedächtnis geblieben: „Ich bin immer zu ihr ins Bett geschlüpft, mein Bruder links, ich rechts, in der Mitte die Ilse, so sind wir noch eine Weile da gelegen, dann ging es zum Frühstück.“

Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stand die aus Deutschland stammende Ilse Wacker als Witwe mit einem kleinen Kind da. Der Maler, der bereits dem Erstarken der Rechten in Österreich mit großer Sorge entgegensah, erlitt nach einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo einen Herzanfall, an dessen Folgen er starb. Die Arbeiten des namhaften Vertreters der Neuen Sachlichkeit mussten zum Großteil veräußert werden, in Gesprächen war der Großvater oft präsent, schildert Alexandra Wacker. Dazu zählte auch die Anekdote, dass er seinen Dackel zum Pilzesuchen abrichten wollte, oder die Frau ins Kino schickte, wenn sich Modelle für die notwendigen Aktstudien angemeldet hatten. Obwohl in der Familie jeder wusste, dass das Künstlerdasein eine besondere Herausforderung darstellt und der Lebensunterhalt als Malerin schwer zu bestreiten ist, erfuhr Alexandra Wacker Unterstützung. Der Name Wacker sei einerseits eine Belastung gewesen, anderseits habe er ihr zu Beginn der Karriere aber auch Türen geöffnet.

Akt der Gelassenheit

In die aktuelle Sommerausstellung im Bregenzer Künstlerhaus, über die zur Eröffnung am 13. Juli berichtet wurde, ist auch eine jüngere Tuschearbeit von Alexandra Wacker aufgenommen worden. Sie ist einer Fotografie nachempfunden, die Rudolf Wacker an der Staffelei zeigt. Neben ihm steht Ilse mit dem kleinen Sohn auf dem Arm. Viele Meldungen haben Alexandra Wacker inzwischen gerade im Zusammenhang mit diesen Bildern erreicht. Einmal zeigt sie auch die Wacker-Villa in der Römerstraße oder ihre künstlerische Reaktion auf ein Selbstporträt des Großvaters. Selbstporträts findet man auch in ihrem OEuvre. „Die Arbeit ist für mich ein Akt der Vertiefung in die eigene Psyche“, erklärt sie, „vielleicht ist es auch ein Schauen auf sich selbst, eine Auseinandersetzung mit dem Körper, mit seinen Unzulänglichkeiten.“ Auf Schönheitsideale, die ohnehin nur in den jeweiligen Epochen gelten, hat Alexandra Wacker immer schon gepfiffen, abgesehen davon sei für sie ein glatter Körper nicht sonderlich inspirierend. Dass sie auf vielen Selbstporträts eine Sonnenbrille trägt, mag damit zu tun haben, dass diese wie eine Maske wirken kann. Dass sie raucht, wie an einigen mit intelligentem Witz aufgeladenen Bildern zu erkennen ist, dazu steht sie. „Ich habe diese Arbeiten gemacht, bevor das Rauchverbotsthema überall präsent war. Selbstverständlich nehme ich auf andere Rücksicht, aber für mich selbst sehe ich nicht ein, warum ich mir vorschreiben lassen soll, was ich zu tun habe. Es ist ein Akt der Gelassenheit, dieses Hinsitzen, Nachdenken, Rauchen und vielleicht noch ein Glas Wein trinken.“

Apropos Frauen: Auf der Akademie hat es Alexandra Wacker fast nur mit männlichen Lehrpersonen zu tun gehabt, dafür waren die Studentinnen in der Überzahl. Dass Arbeiten von Künstlerinnen weniger hoch dotiert sind als jene von Künstlern, will sie nicht einfach unterstreichen. „Erst einmal durchkämpfen müssen sich Männer wie Frauen, mir fehlt der Vergleich auf dem Kunstmarkt, aber freilich haben es Frauen schwerer, wobei ich feststelle, dass sie gerade dabei sind, mehr zu bewegen bzw. etwas vorwärts zu bringen.“

Ein Bild in ihrer Ausstellung zeigt den Vorarlberger Künstler Edmund Kalb (1900-1952), einen bis vor einigen Jahren fast Vergessenen. Solchen Tuschearbeiten, die von der Technik her auch in Verbindung mit ihren mystischen Landschaften stehen, will sich Alexandra Wacker verstärkt widmen. Die Arbeit habe etwas in ihr angestoßen.

„Die Arbeit am Selbstporträt ist für mich ein Akt der Vertiefung in die eigene Psyche.“

Arbeit nach einer Fotografie von Rudolf Wacker, seiner Frau und seinem Sohn.
Arbeit nach einer Fotografie von Rudolf Wacker, seiner Frau und seinem Sohn.

Zur Person

Alexandra Wacker

Geboren 1958 in Bregenz

Ausbildung Studium bei Josef Mikl an der Akademie der bildenden Künste
Tätigkeit freischaffende Künstlerin

Ausstellungen u. a. KUB-Billboards in Bregenz, Künstlerhaus Bregenz, Volkskundemuseum in Innsbruck, Künstlerhaus Wien, Kunstmuseum St. Gallen, Kunsthalle Wien, in zahlreichen Galerien

Auszeichnungen Hypo Kunstpreis

 

Geöffnet ist die Ausstellung im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz (Gallusstraße 10) bis 25. August, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So, 12 bis 18 Uhr.