Bregenzer Festspiele: Diversität, die viel Spaß macht

09.08.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Uraufführung der „Wunderwandelwelt“ von Francois Sarhan auf der Werkstattbühne in Bregenz versteht sich als musiktheatralische Installation. VN/PAULITSCH

Die Festspiele stehen vor der vierten Opernpremiere und einem besonderen Gesamtkunstwerk.

Christa Dietrich

Bregenz Mit dem Rasenstück im Rücken (nein, nicht jenes von Dürer) wurde erst einmal die Aussprache von Gatsch geübt. Nichtösterreichern ist sie kaum geläufig, dafür bekräftigte der aus Darmstadt stammende Regisseur Jan Eßinger seine Liebe zu den Bregenzer Festspielen, arbeitete er doch schon bei den Seebühnenproduktionen von „Tosca“ und „Turandot“ mit. Nun wurde er nicht nur als Regisseur engagiert, er ist auch mitverantwortlich dafür, dass die Wahl für das Stück im Opernstudio nach den drei Da-Ponte-Opern von Mozart und dem dazupassenden Werk von Rossini auf Tschaikowskis „Eugen Onegin“ fiel. Die 1879 uraufgeführten „Lyrischen Szenen“ wurden vom Komponisten explizit für junge Stimmen geschrieben, die Intendantin Elisabeth Sobotka seit ihrem Antritt im Jahr 2015 für diese Produktion nach Bregenz holt. Sie sei ein Kammerspiel, höre man über jede dritte Oper sagen, hier ist es wirklich eines, bekräftigt der Regisseur und ist sich mit dem russischen Dirigenten Valentin Uryupin absolut einig, der das Kornmarkttheater, wo „Eugen Onegin“ mit dem Symphonieorchester Vorarlberg zur Aufführung kommt, als idealen Raum bezeichnet. Apropos Rasenstück, die beiden jungen Frauen in dem Stück leben auf dem Land, wohin der Städter Onegin kommt. Die israelische Sopranistin Shira Patchornik debütiert als Tatjana und spricht davon, dem Publikum nun etwas von dem Wunderbaren, das sie bislang im Zuge der Proben erfahren konnte, zurückzugeben.

Die Absicht, Empathie zu vermitteln, hat noch jedes Bregenzer Künstlerteam geeint, wenn es, wie am Donnerstagnachmittag wieder geschehen, vor die Medienvertreter tritt. „Eugen Onegin“ jedenfalls wird in der Gegenwart spielen. Auf die Frauenfiguren bezogen ist es einleuchtend, wie Eßinger das mit den sich duellierenden Männern umsetzt, wird man ab dem 12. August sehen können.

Geist und Ironie

Diversität ist längst ein Markenzeichen bei den Festspielen, deren Programm seit Jahren Uraufführungen enthält. Nach dem „Reigen“ von Bernhard Lang bringt Sobotka die Vielfalt heuer mit einem weiteren Einblick in die nächstjährige Uraufführung von Alexander Moosbrugger zum Ausdruck sowie mit dem Projekt „Wunderwandelwelt“ von Francois Serhan. Was das nun ist, kann man selbst nach einem die Neugier schürenden Probeneinblick nur erahnen. Die musiktheatralische Installation mit Verweisen auf die europäische Geistesgeschichte wurde von diesem mit feiner Ironie begnadeten französischen Komponisten, Regisseur und bildenden Künstler so konzipiert, dass der Besucher die Freiheit hat, den Grad des Eintauchens ins Geschehen selbst festzulegen.

„Eugen Onegin“ ab 12. August im Bregenzer Kornmarkttheater, „Wunderwandelwelt“ ab 16. August auf der Werkstattbühne: www.bregenzerfestspiele.com