Eine Achterbahnfahrt, die Spaß macht

09.08.2019 • 18:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zum Auftakt fanden sich rund 200 Besucher in der Remise des Wälderbähnles in Bezau ein. VN/Steurer
Zum Auftakt fanden sich rund 200 Besucher in der Remise des Wälderbähnles in Bezau ein. VN/Steurer

Das Festival Bezau Beatz ist mit spannenden Konzerten gestartet.

Bezau Man muss kein Chartstürmer sein, um gute Musik zu machen. Bezau Beatz steht für Konzerte fernab des Mainstreams. „Bei diesem Festival treffen improvisierte, komponierte und populäre Spielweisen aufeinander. Das Programm ist speziell, die Besucher werden auch mit experimenteller Musik konfrontiert“, sagt Veranstalter Alfred Vogel (47).

Sehr gewagt, aber gut

Eröffnet wurde das Festival mit einem Konzert der Band Mostly Other People Do the Killing im Hotel Post in Bezau. Das US-amerikanische Trio hat sich dem Creative Jazz verschrieben. Am Donnerstagabend stand das Peter Evans Ensemble in der Remise des Wälderbähnles auf der Bühne. Wenn sich einer über Grenzen hinwegsetzt, dann ist es der Trompeter Peter Evans. Mit seinen gewagten musikalischen Experimenten hat er sich bereits weltweit einen Namen gemacht. Mit dem Schlagzeuger Jim Black und dem Kontrabassspieler Tom Blancarte hat er die passenden Mitstreiter gefunden. Auf sensible Art und Weise verknüpften sie Jazz, neue Musik und Klassik. Ihre Stücke waren ungewöhnlich, kamen aber beim Publikum gut an.

Sag niemals nie

Wer an den Bregenzerwald denkt, der denkt an Traditionen, romantische Dörfer und Natur. Gleich neben der Lokomotive des Wälderbähnles trat in einer Konzertpause die Trachten- und Schuhplattlergruppe Mellau auf und begeisterte die Besucher mit ihrer eindrucksvollen Aufführung.

Bei Bezau Beatz stehen Gegensätze auf der Tagesordnung. Als nächstes forderte die schlagkräftige Band Sudden Infant die Zuhörer heraus. „Die heftigen Proteste gegen das neue Auslieferungsgesetz in Hongkong lassen uns nicht kalt. Diese angespannte Lage sollte nicht unerwähnt bleiben,“ sagte Sänger Joke Lanz und kündigte das Lied „Hongkong Nursey“ an. Ihre Musik kann als Mix zwischen Dada-Punk und Noise Rock bezeichnet werden. Sie waren mal laut, mal leise, aber vor allem sehr kreativ. Eine Metallkette wurde kurzerhand zu einem Musikinstrument umfunktioniert, um den passenden Sound zu kreieren. Es war faszinierend anzusehen, wie die drei Musiker mit vollem Körpereinsatz ihre tiefgründigen Botschaften an die Zuhörer übermittelten.

Das südkoreanische Quartett Near East, das schon beim London Jazz Festival aufgetreten ist, konnte mit einem facettenreichen Mix aus traditioneller Musik und abstrakten Klängen überzeugen. Ein gelungener Auftakt, der die Besucher auf eine aufregende musikalische Achterbahnfahrt mitnahm. „Für mich war es spannend, mit international hochkarätiger Improvisationsmusik in Berührung zu kommen. In Zukunft möchte ich meine Hörgewohnheiten erweitern“, sagt Hermine Schmid (46) aus München, die ihren Urlaub im Bregenzerwald verbringt. „Es wird eine markante Mischung geboten, die mich auch herausgefordert hat“, betont Bernhard Hartmann (39) aus Bregenz.

Kollektiver Genuss

Am Samstag, 10. August, stehen noch vielversprechende Konzerte von Santos Silva, Leni Stern 3, Alabaster De Plume und Vula Viel auf dem Programm. Wer gerne Kässpätzle isst und dazu Jazz hören möchte, ist bei der Veranstaltung „Jazzspätzle“ im Panoramarestaurant Baumgarten richtig aufgehoben. Das Trio Mani Nude wird bewegende, überraschende und sinnlich improvisierte Musik präsentieren. VN-MIR

„Es treffen improvisierte, komponierte und populäre Spielweisen aufeinander.“

Veranstalter Alfred Vogel möchte mehrdimensionale Musik zugänglich machen.
Veranstalter Alfred Vogel möchte mehrdimensionale Musik zugänglich machen.

Bezau Beatz am Samstag: Jazzbruch mit XY Quartett (Bezau Beatz Cafe), Santos Silva/Zetterberg/Lindwall (Kirche St. Jodok) weitere Programmpunkte: www.bezaubeatz.at