Jazz in Lech: Weit mehr als eine Gipfelbesteigung

10.08.2019 • 13:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Optisch einen Perspektivenwechsel wert: Das akustische Erlebnis eines Konzerts von David Six. JAZZBÜHNE/MICHAEL MOOSBRUGGER

Die Jazzbühne Lech bietet Hochkarätiges, aber – keine Sorge – sie gibt sich nicht elitär.

Christa Dietrich

Lech „Was mir selbst gut gefällt, was Vielfalt repräsentiert und was höchsten Qualitätsansprüchen genügt“: So lautet das Konzept von Philip Waldhart für die Jazzbühne Lech, und was so einfach wie klar formuliert und auch berücksichtigt wird, lockt bereits seit einigen Jahren in den Ort am Arlberg. Gelegentlich nehmen die Fans auch einen weit längeren Anreiseweg auf sich als die Künstler.

Aus gutem Grund, denn die fünf Konzerte, die hier jeweils en suite Abend für Abend angeboten werden, würden jedes für sich eine Reihe krönen. Roman und Julian Wasserfuhr, der deutsche Trompeter und der Pianist, beide mit renommierten Preisen ausgezeichnet, haben das gerade bestätigt. Zum Start vertraten Klaus Paier und das Asja Valcic Quartett die österreichische Jazzszene. Das Finale gestaltet der schwedische Pianist Bobo Stenson, der vor wenigen Tagen seinen 75. Geburtstag feierte und zu den Stars des Labels ECM zählt.

Weltumspannend

Der Österreicher David Six bietet eine Art Gipfelbesteigung, wie seine künstlerische, aber auch die damit einhergehende physische Leistung gerne umschrieben wird. Die Berge, die der Pianist sozusagen erklimmt, befinden sich aber nicht nur im alpinen Bereich, Six hat die Traditionen Ostasiens und damit auch Indiens erkundet und lässt dies fern von jeglichem Eklektizismus durchhören. Dass er unterschiedliche Techniken anwendet, versteht sich von selbst. Obwohl seine Musik auch für ein kontemplatives Erlebnis steht, wirkt der Musiker auf sympathische Art geerdet. Ein Selbstverständnis, das sich auf seinen Klangkosmos überträgt, und das etwa in der Vorrede zu einem Dave Van Rock gewidmeten Stück zum Ausdruck kommt, in der er dem Publikum den Film „Inside Llewyn Davis“ der Coen-Brüder empfiehlt. Es ist ein Stück, das den Konzentrationswillen wie bei der Minimal Music, aber auch unterhaltende melodiöse Passagen auf einen Nenner bringt.

Übrigens: Dass die Alte Postgarage akustisch entspricht, würde man nicht von vornherein bestätigen, nach den ersten Tönen gelangt man jedoch zur Erkenntnis, dass auch die Tontechniker in Lech Großartiges leisten.

Weitere Konzerte: 10. August, Shahin Novrasli Trio; 11. August, Bobo Stenson Trio, jeweils 21 Uhr, Alte Postgarage in Lech: www. jazzbuehne-lech.at