Bezau Beatz: Musik im Dorf und überall

11.08.2019 • 13:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das gehört auch zum Festival Bezau Beatz: Brendan Adams gegen Freitagabend mit dem Vorarlberger Singer-Songwriter Harry Marte. VN/STEURER

Beim Bezau Beatz wird der Ort zur kleinen Metropole des gefeierten Musikgenusses.

Bezau Es ist Freitagnachmittag in Schönenbach, wohin sonst zum Wandern oder Käsknöpfle-Essen gepilgert wird, ist alles anders: Es ist Bezau Beatz. In der Hütte 345 steht das Konzert der portugiesischen Jazzformation Bode Wilson (übersetzt: Die Ziege Wilson). Das musikalische Programm wird am zweiten Tag des Festivals, nach einer fulminanten Performance von Joke Lanz und Christian Weber (CH) am Vormittag, jetzt nicht weniger spannend fortgesetzt. Bode Wilson, das sind João Pedro Brandão (Saxophon und Flöte), Demian Cabaud (Kontrabass), Marcos Cavaleiro (Schlagzeug). Während draußen der Bach rauscht, legen Bode Wilson in der urigen Hütte los. Der Versuch, ihre Musik in Worte zu fassen, kann nur scheitern. Bezeichnend ist, dass viele ihrer Kompositionen namenlos sind. Hier reichen Worte nicht, hier wird Musik gelebt, gespürt und sich in ihr verloren. Ein Stücktitel wäre auch nur eine unzulängliche Beschreibung. Die Musiker im Zentrum, das Publikum um sie herum, daraus ergibt sich eine einmalige Symbiose. Gemeinsam versinken Ensemble und Zuhörer in den ungewöhnlichen und nicht minder genialen Klang-, Geräusch- und Melodiewelten. Der argentinische Pianist Leo Genovese genießt zunächst die Musik seiner Kollegen, um dann selbst noch für eine Nummer Teil von Bode Wilson zu werden. In einem zufriedenen, leicht tranceartigen Zustand verlässt das Publikum nach einem gehörigen Applaus die Hütte.

Kein Platz für Schubladen

Hier ist die Musik vom Gewicht des großen Konzertsaals befreit und darf in der Wälderbähnle-Remise, in einer Säge, im Restaurant, im Café, in der Kirche und eben auch in der Hütte einfach so sein wie sie ist: von kreativ, zeitgenössisch über improvisiert zu poppig bis zu experimentell. Und dieses Sein-dürfen, wie man eben ist und sein möchte, überträgt sich auf die Festivalgänger. Durchwegs liegt eine positive Stimmung in der Bezauer Luft. Die Musik wird gemeinsam genossen und das ist in diesem Fall nicht nur eine Floskel, sondern tatsächlich so. Neben bekannten Namen wie dem Peter Evans Ensemble (USA) oder auch Größen der Vorarlberger Musikszene wie Singer-Songwriter Harry Marte, lässt Bezau Beatz auch genügend Raum für Bands wie Vula Viel (UK) oder das Near East Quartett (Südkorea), für Musikformationen, die in ihrer Heimat etabliert und gewürdigt, aber hier noch unbekannt sind. Was alle Bezau-Beatz-Bands und deren Musik vereint: Sie lassen sich nicht in Schubladen stecken. Gut so. Ursula Fehle