Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Bewegend, bewegt und beweglich

Kultur / 17.08.2019 • 04:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Noch nie war eine Seeaufführung so bewegt wie dieser „Rigoletto“. Ein riesiger Clownskopf wird bis über das Kinn ins Wasser getaucht und erhebt sich quasi zu den Wolken, während sein Ballon in den Himmel steigt. So ist Verdis Werk nirgendwo zu erleben. Oper für alle, dieses Prinzip entspreche auch seiner Intention, erklärte Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl. Erfahrung, eine gute Hand bei der Besetzung und die Akustikanlage lassen es längst zu, dass die Spitzenwerke des Genres in Bregenz nicht zur Show verkommen.

„Rigoletto“ ist so beweglich, dass manch einer glaubte, Gerüchte über die Sprengung des Budgets in Umlauf bringen zu müssen. Zwischen 7 und 9 Millionen Euro kostet ein Seebühnenaufbau samt akustischer Einrichtung und Pipapo. Der Clownskopf blieb in diesem Rahmen, ein Großteil der Aufträge ging an Vorarlberger Firmen bzw. an jene in der Region. Bei 180.000 Besuchern kommt die Summe wieder herein, zudem ist es kein Risiko, der Wiederaufnahme der Produktion mit dem Gassenhauer „La donna è mobile“ im Jahr 2020 magnetische Wirkung zu verheißen.

Bewegend ist das Werk sowieso. Dasselbe gilt für „Don Quichotte“, die Oper, die man im Haus ansetzte, für „Der Reigen“ des Österreichers Bernhard Lang, den man erstmals im Heimatland des Komponisten zu sehen bekam, und für „Eugen Onegin“, die Produktion im Studio. Was etwas erstaunt, ist die begrenzte Beweglichkeit des regionalen Publikums. Die Thematik ist angesichts der zur Verfügung stehenden Räume zwar komplex, etwas fragwürdig ist es aber doch, wenn eine große Opernproduktion nur drei Mal angesetzt werden kann und die Projekte auf der Werkstattbühne nur zwei Mal laufen. Gut, „Der Reigen“ kommt nach Wien, und wenn man in Erfahrung bringen kann, dass „Don Quichotte“, diese großartige Inszenierung, an einem deutschen Haus – wahrscheinlich ist es Mannheim – weitergespielt werden kann, ist das zumindest beruhigend. Urlaubszeit hin oder her, es stimmt nachdenklich, wenn viele Vorarlberger meinen, die Festspiele besucht zu haben, wenn sie bei der Eröffnung waren, wo es Ausschnitte aus den Projekten zu sehen gibt. Nichtsdestotrotz bietet Elisabeth Sobotka im nächsten Jahr neben den großen Projekten gleich zwei Uraufführungen. Super.