Musiktipps. Von Fritz Jurmann zur Schubertiade

Kultur / 19.08.2019 • 21:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Jerusalem Quartet

ALBUM Debussy/Ravel Streichquartette

LABEL harmonia mundi

Der 1913 erbaute Markus-Sittikus-Saal in Hohenems ist nach seiner Adaptierung für die Schubertiade 2005 ein von Künstlern und Publikum hoch geschätzter Konzertsaal, der zunehmend auch für CD-Produktionen Verwendung findet. Auch das renommierte „Jerusalem Quartet“ produzierte hier sein Album zum Gedenken an den 100. Todestag von Claude Debussy im Jahr 2018, versehen mit einem Clamshell-Cover im Jugendstil. Der Meister des Impressionismus hat mit seinem Streichquartett op. 10 bereits 1893 für diese Gattung das Tor zum 20. Jahrhundert aufgestoßen. Die „Jerusalems“ geben mit innigem Ausdruck dem Werk etwas von dieser Weitsicht mit auf den Weg und klingen dabei dank Saal­akustik und Aufnahmetechnik kristallklar. Als beliebte Paarung kommt Ravels ähnlich konzipiertes, ebenfalls einziges Streichquartett op. 35 von 1903 ins Spiel, leidenschaftlich aufgeraut in einer fabelhaften Ausführung. Konzert: 24. August, 16 Uhr.

KÜNSTLER Ian Bostridge, Tenor, Antonio Pappano, Klavier

ALBUM Requiem – The Pity Of War

LABEL WARNER CLASSICS

Der seit 20 Jahren bei der Schubertiade tätige englische Tenor Ian Bostridge gilt nach wie vor als einer der aufregendsten Liedgestalter unserer Zeit, der auch mit seinem aktuellen Album für Aufsehen sorgt. Mit seinem „Requiem“ aus Liedern, die während des Ersten Weltkriegs von damals gefallenen Komponisten entstanden sind, hat er sich einen schweren Brocken vorgenommen. Er setzt sich mit der ihm eigenen Ernsthaftigkeit mit diesem Thema auseinander, versteht das Lied in jener Zeit als eine Art Seismograf dieses schrecklichen Krieges und bezieht auch Mahlers „Wunderhorn-Lieder“ mit ein, die sich schon um die Jahrhundertwende mit ihren vielfältigen Anklängen an die Militärmusik bereits wie ein Wetterleuchten am Welthorizont ausnehmen. Die Ausführung dieser genialen Idee gemeinsam mit dem Pianisten Antonio Pappano ist so grandios beklemmend und exzentrisch wie das Vorhaben selbst.
Konzert: 24. August, 20 Uhr.

KÜNSTLER Antoine Tamestit, Viola, Signum Quartett

ALBUM Widmann

LABEL harmonia mundi

Es geschieht selten, dass bei der Schubertiade Neue Musik erklingt. In der kommenden Saison wird dem Schubert-Oktett von 1824 das als Weiterentwicklung gedachte Oktett des deutschen Komponisten Jörg Widmann von 2004 gegenübergestellt, der bei beiden auch als Klarinettist mitwirkt. Der 1973 geborene Münchner ist heute als Solist und mit Kompositionsaufträgen für die weltbesten Orchester eine internationale Größe. Zum Einhören in seine besondere Klangwelt gibt es ein Komponistenporträt auf CD, das als Hauptwerk sein Violakonzert von 2015 sowie frühere Kammermusik enthält, durchwegs spannende Musik in hochkarätiger Ausführung. Wer der Musik Widmanns zum ersten Mal begegnet, ist von ihrer Intensität und Unmittelbarkeit zunächst überrascht, erkennt aber bald auch ihre ergreifende Schönheit, die sich über neuartige instrumentale Mischungen und eine spezielle Klangdramaturgie entfaltet. Konzert: 25. August, 11 Uhr.

KÜNSTLER Xavier de Maistre, Harfe

ALBUM Serenata Española

LABEL SONY Classical

Beim Hinweis auf den Liederabend von Diana Damrau soll in dieser Kolumne einmal nicht die Sängerin selbst, sondern ihr Begleiter im Mittelpunkt stehen. Vor allem, weil es ausnahmsweise kein Pianist ist, sondern wie schon vor Jahren ein Harfenist: der heute weltweit gefragte Franzose Xavier de Maistre. Er hat schon seit langem seine Position bei den Wiener Philharmonikern aufgegeben, um sich ganz seiner Solokarriere zu widmen. Dazu gehört auch die Liedbegleitung, mit einem genau auf sein Engelsinstrument übertragenen Klaviersatz, wie man das auch in Schwarzenberg erleben wird. Seine CD, die er dem Konzert vorausschickt, bringt das Ergebnis von Maistres Annäherung an die traditionelle Gitarrenmusik Spaniens, die verblüffende Ähnlichkeiten zwischen beiden Saiteninstrumenten eröffnet. Der Kastagnetten-Virtuose und Tänzer Lucero Tena assistiert ihm dabei mit Feingefühl und Präzision. Konzert: 30. August, 20 Uhr.