„Es ist wie ein Blick ins Innere der Erde“

Kultur / 22.08.2019 • 19:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorarlberger Künstlerin Miriam Prantl hat eine besondere Licht-Installation am Silvretta-Stausee realisiert.

Christa Dietrich

Bielerhöhe Mit dem Fernrohr die Landschaft heranzoomen, das kann jeder, und das entspricht auch der üblichen Funktion eines solchen Gerätes. Wie funktioniert es, wenn jemand ins Innere der Erde blicken möchte? Geht nicht, würde es heißen. Geht doch, dachte sich die Künstlerin Miriam Prantl. Die Vorarlbergerin (geb. 1965), die unter anderem in London studiert hatte, mit Lichtobjekten und -installationen längst international reüssieren konnte und im In- und Ausland schon so manches Kunst-am-Bau-Projekt umgesetzt hat, trat gerade den Beweis dazu an. Mit „ErdenLicht“ ist die skulpturale audio-visuelle Lichtinstallation betitelt, die nach ihrem Konzept und unterstützt von Künstlerkollegen und dem Expertenteam der Illwerke VKW AG unter der Leitung von Werner Zotter und Gernot Burtscher soeben auf der Bielerhöhe, direkt am Silvretta-Stausee realisiert wurde.

Am Anfang war der Schützenschacht. Das Bauwerk mit einer Tiefe von 45 Metern, an dessen Boden sich die sogenannten Schützen, also das Absperrorgan vom See zum Druckschacht, befinden, in dem das Wasser zum Kraftwerk fließt, lieferte die Inspiration. Er sollte künstlerisch in Szene gesetzt werden, also nahmen die Verantwortlichen Kontakt zu Miriam Prantl auf, einer Künstlerin, mit der schon einmal zusammengearbeitet wurde.

„Die Landschaft bzw. das Panorama sind wunderschön“, schwärmt Prantl im Gespräch mit den VN.  „Wir sind hier auf über 2000 Metern Meereshöhe, ich hatte ein Gesamtkunstwerk vor Augen und nahm mir vor, das Außen und das Innen sowie die Elemente zusammenzubringen. Ich wollte sozusagen ein Fernrohr entwerfen, mit dem man nicht auf die Bergspitzen blickt, sondern in die Tiefe, quasi in den Mittelpunkt der Erde.“

Vier Elemente

Der Ring, der eine Plattform umschließt, spiegelt nun die Landschaft wider, zieht die Bilder aber auch wie durch einen Trichter hinein ins Innere. In der Mitte steht eine Art Fernrohr, mit dem in den Schacht geblickt werden kann. Dort vermittelt die Licht-und-Ton-Installation in wechselnden Sequenzen die vier Elemente Wasser, Luft, Feuer und Erde. Jede dieser Sequenzen dauert zwei Minuten. Gemeinsam mit Christian Enzlmüller, Armin Grün und Jürgen Hirsch hat Miriam Prantl den Sound entwickelt. Im Umgang mit der LED-Technik ist die Vorarlbergerin längst Expertin. Ihre Art und Weise des Malens mit Licht hatte bereits mehrere Ausstellungen ihrer Werke in namhaften Museen zur Folge, einige ihrer Arbeiten befinden sich in renommierten Sammlungen. Bei dieser Arbeit war es Prantl wichtig, die Kräfte, die in der Natur wirken, künstlerisch umzusetzen, zum Ausdruck zu bringen, in der Installation zu bündeln.

„In dieser wunderschönen Landschaft lassen sich Natur und Kunst bestens verbinden.“

Die Lichtsequenzen des Kunstwerks im Schützenschacht thematisieren die vier Elemente. Kothner, Prantl, Murray
Die Lichtsequenzen des Kunstwerks im Schützenschacht thematisieren die vier Elemente. Kothner, Prantl, Murray