Faszination auch für den Kitsch

Kultur / 22.08.2019 • 20:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Melanie Ebenhoch spielt in ihren Selbstporträts mit dem Blick des Betrachters.Rittmannsperger, Ebenhoch
Melanie Ebenhoch spielt in ihren Selbstporträts mit dem Blick des Betrachters.Rittmannsperger, Ebenhoch

Melanie Ebenhoch arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Installation.

Wien, Feldkirch Bunte Farbspuren auf den Wänden, Ton- und Silikonreste auf den Tischen und Böden, auseinandergebaute Kunst­installationen in den Ecken. Die Vorarlberger Künstlerin kreiert hier Installationen, in denen Bilder den Platz der Glut im Feuerraum des Kamins einnehmen, experimentiert dabei mit Materialien und Formen und spielt in ihrer Malerei mit der Perspektive des Betrachters. Erst seit einem Jahr malt Ebenhoch wieder auf Leinwand. Während ihres Studienaufenthalts in Amsterdam und Utrecht hatte sie die Malerei vollständig aufgegeben. „Rückblickend war das eine wichtige Erfahrung für mich, um herauszufinden, welche Materialien und Motive ich überhaupt verwenden und darstellen will“, erzählt Ebenhoch, die sich während ihrer Zeit in den Niederlanden vor allem mit Design und Kunstgeschichte auseinandergesetzt hat. „Nachdem ich wieder in Wien war, habe ich sofort wieder angefangen zu malen.“ Der richtige Schritt, wie unter anderem die Nominierung für den Vorarlberger Kunstpreis, der im November verliehen wird, zeigt.

Den Blick des Betrachters stören

Am Beginn ihres Schaffens steht für die 33-Jährige die Idee von rasterartigen Formen und Gliederungen. Erst bei der Umsetzung entwickelt sich das Bild weiter, Gelesenes und Gesehenes, meist aus der Kunstgeschichte, fließen in das Werk ein. So auch bei ihrem Selbstporträt „Interlude with Sunset“, das von einer Anekdote um den französischen Maler Pierre Bonnard inspiriert ist. Aufgrund eines Waschzwangs verbrachte seine Frau so viel Zeit in der Badewanne, dass Bonnard mehrere Badewannen-Akte von ihr anfertigte. Im Gegensatz zur Frau in Bonnards Bildern blickt Ebenhoch, eingebunden in die haptische Oberfläche des Gemäldes, dem Betrachter direkt und genervt entgegen. Bewusst wird damit der voyeuristische Blick des Betrachters gestört, der sich durch den Blick in die intime Szene ertappt fühlt. Neben den Inspirationsquellen der Kunstgeschichte ist „The Golden Age“ des Hollywood-Kinos ein immer wiederkehrendes Thema in Melanie Ebenhochs Arbeiten.

Rustikales neben Kitschigem

„Mich hat das Hollywood der 50er- und 60er-Jahre, das Künstliche, Aufgesetzte und Kitschige dieser Zeit immer schon fasziniert“, erklärt die Künstlerin. Insbesondere Jane Mansfield, neben Marylin Monroe die Stilikone der amerikanischen Nachkriegszeit, und deren bis ins kleinste Detail durchstilisiertes Leben hat es Ebenhoch angetan: „Mansfield hat ihr Anwesen in Kalifornien zum ultimativen Kitschtempel, dem Pink Palace, ausgebaut. Ein zentrales Element dieses Hauses war der Kamin.“ In auf Bilderrahmen aufgeklebten Styrodurplatten schnitzt die Künstlerin das Relief des Mauerwerks und bemalt es anschließend. Dort, wo sich eigentlich die glühenden Kohlen befinden, geht nun das Bild des pinken Anwesens, Traum und Projektionsfläche von Jane Mansfield, in Rauch auf. „Die Tochter von Jane Mansfield hat, nachdem das Haus 2002 abgerissen wurde, den originalen Kamin extra abtragen und im eigenen Haus einbauen lassen“, erzählt Ebenhoch. Durch die Kombination von Bild und Skulpur in ihren Kamin-Installationen stellt sie Rustikales neben Kitschiges, kombiniert das grobe Mauerwerk mit den glatten und perfektionierten Anwesen, in denen sie sich befinden, oder lässt die Träume einer schlafenden Frau durch den Kaminschacht aufsteigen.

Die Ausstellung als Film

In ihren Ausstellungen versucht die aus Feldkirch stammende Künstlerin, die an der Angewandten studiert hat, eine Geschichte zu erzählen. „Natürlich müssen Kunstwerke auch als Einzelstücke funktionieren. Aber wenn sich in der Ausstellung eine Erzählung ergibt, eine szenische Darstellung wie in einem Film, ist das etwas ganz Besonderes.“ Die nächsten beiden Monate verbringt Melanie Ebenhoch im Rahmen einer Residency der Galerie Krinzinger in Ungarn. Anschließend stellt sie im Februar in Mexico bei der Material Art Fair aus.

„Mich hat das Hollywood der 50er- und 60er-Jahre immer schon fasziniert.“

Zur Person

Melanie Ebenhoch

Geboren 1985 in Feldkirch, lebt und arbeitet in Wien

Ausbildung 2012-2014 MFA, Sandberg Instituut, Amsterdam

2010-2012 BFA, Hoogeschool voor de Kunsten, Utrecht

2006-2010 Universität für Angewandte Kunst Wien

www.melanieebenhoch.com