In Italiens Museen wird das Rad zurückgedreht

Kultur / 22.08.2019 • 20:15 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Wurde umsorgt: Michelangelos David-Skulptur. ap
Wurde umsorgt: Michelangelos David-Skulptur. ap

Direktoren sorgten für mehr Besucher und werden heim­geschickt.

Florenz Cecilie Hollberg hat Michelangelos David-Skulptur umsorgt und umhegt. Sie hat das Museum, in dem eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt steht, ins 21. Jahrhundert befördert und gegen lähmende Bürokratie gekämpft. In die Galleria Dell‘Accademia in Florenz kamen in den vergangenen vier Jahren wesentlich mehr Besucher als zuvor. Doch der scheidenden populistischen Regierung in Rom gefiel ihr Vorgehen offenbar nicht. Nun wurde Hollberg entlassen. Kulturminister Alberto Bonisoli von der Fünf-Sterne-Bewegung hielt nichts von der Reform seines sozialdemokratischen Vorgängers. Mit dieser wurden vor vier Jahren erstmals ausländische Direktoren in Italiens größten staatlichen Museen zugelassen. „Wir sind nicht mehr erwünscht“, sagte der Österreicher Peter Assmann, der das Museum im Palazzo Ducale in Mantua leitete. Er geht im November nach Innsbruck.

Hollberg sieht keine Ausländerfeindlichkeit als Grund für ihre Entlassung. Ihr Museum sei erfolgreich gewesen und sie habe dort „aufgeräumt“. „Vielleicht hat das nicht allen gefallen.“ Und klar ist nun, was mit der „Gegenreform“ von Kulturminister Bonisoli passiert: Italien steckt in einer Krise. Die Allianz aus Sternen und Lega ist geplatzt. Eine neue Regierung ist noch nicht in Sicht. Hollberg vermutet, dass die scheidende Regierung noch schnell das Werk der Vorgängerregierung zunichte machen wollte.