Zwei raffinierte Botschafter klassischer Musik

Kultur / 22.08.2019 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Camerata Salzburg unter dem Dirigenten Manfred Honeck mit dem Pianisten Lang Lang. SALZBURGER FESTSPIELE/M. BORRELLI

Dirigent Manfred Honeck und Pianist Lang Lang mit Beethoven und Schubert gefeiert.

Christa Dietrich

Salzburg, Bregenz Von wegen harmlos, wer bei der Ankündigung der zwar gelegentlich in Konzertprogrammen auftauchenden, aber sicher nicht gängigen Ouvertüre von Franz Schuberts Melodram „Die Zauberharfe“ an den als Bühnenkomponist wenig glücklich gewordenen Künstler dachte, spitzte rasch die Ohren und war augenblicklich hellwach, denn was Manfred Honeck da der Camerata Salzburg entlockte, steht für lebendige Musik an sich. Das ist jene Lockerheit, die zum Hörgenuss wird, wenn sie auf präzise Orchesterarbeit basiert. Wann auch immer Manfred Honeck, der aus Vorarlberg stammende Maestro und Chefdirigent des Pittsburgh Symphony Orchestra, Zeit gefunden hat, mit der Camerata zu arbeiten, die von den Salzburger Festspielen regelmäßig als Lokalmatador engagiert wird und somit den Vergleich mit Philharmonikern und Co. nicht scheuen darf, das Ergebnis war begeisternd. Ein zwischen opern- und liedhaften Passagen dahintänzelnder, in den Bläsergruppen ungemein modern anmutender, junger Schubert ließ den Saal zum spannenden Klangraum werden.

Effektvoll

Dramaturgisch war das Intro gut gewählt für das nachfolgende zweite Klavierkonzert von Beethoven, op. 19, mit dem Lang Lang seinen Ruf als Klaviervirtuose ersten Ranges bestätigte. In der höchstmöglichen Gegensätzlichkeit, die der chinesische Pianist hier zum Ausdruck bringt, hat er in Honeck einen Unterstützer gefunden. Das Orchester ist ihm in diesem feinsinnig ausgeleuchteten Licht-und-Schatten-Ritt, den man bei Lang Lang durchaus so nennen darf, ein guter Partner. Man ist sich spürbar einig darin, wie Lang Lang die kleinen Möglichkeiten der Improvisation in den Kadenzen auf den Effekt hin nutzt. Das hohe Niveau steht außer Diskussion, ob man hingerissen ist oder die Spielart als etwas zu manieriert empfindet, bleibt im Bereich des Subjektiven.

Nun in Vaduz

Im Rahmen der sommerlichen Auftritte macht Lang Lang – quasi in seiner hörbar gern wahrgenommenen Funktion als nahezu weltweit agierender Botschafter der klassischen Musik – zwei Tage nach dem Salzburger Auftritt am Donnerstag, 22. August in Liechtenstein Station. Der Auftakt des Festivals Vaduz Classic ist für eine Open-air-Bühne konzipiert, deren Besucherbereich für einen großen Andrang ausgerichtet ist.

„Fidelio“ in Wien

Manfred Honecks nächster Auftritt in Österreich erfolgt Ende Oktober im Wiener Musikverein. Das Theater an der Wien hat den Dirigenten für eine große Produktion anlässlich des 250. Geburtstages von Beethoven engagiert. Der Schauspieler Christoph Waltz inszeniert die Oper „Fidelio“, was die Produktion in den Fokus rückt, Honeck steht am Pult der Wiener Symphoniker, Mitte März 2020 ist die Premiere angesetzt.

In Salzburg galt es nun der Großen C-Dur-Symphonie von Schubert. Es ist ein Werk zum Mitfiebern, was Honeck mit großer Raffinesse regelrecht herausfordert, wenn er seinem Publikum eine Camerata in Höchstform präsentieren kann, die mit entsprechender Präzision ihrer Holzbläser gefeiert wird.