Rammstein, die Band vom anderen Stern

Kultur / 23.08.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rammstein: Natürlich bleibt es ein Spiel mit dem Feuer. MAW

Rammstein verwandelte das Happel-Stadion in einen futuristischen Mad-Max-Landeplatz.

Wien Die Bühnen-Gigantomanie à la Pink Floyd feierte fröhliche Urstände. Ein malträtiertes zufriedenes Publikum bekam zu sehen, wofür es bezahlte. Ungeplante Provokationen blieben aus. Zwischen Industrieanlagen und Monolithen ähnlichen Aufbauten, die auch im Publikum standen, trat die Band Rammstein bei ihrem Österreich-Gastspiel vor einem ausverkauften Ernst-Happel-Stadion zur Nachtschicht an. Viel Licht gab nicht nur die Anlage her, sondern auch eine reichhaltige Pyrotechnik-Show. Die Band bat vorab, nicht zu filmen oder zu fotografieren, auch gab es keine für Konzerte in dieser Größenordnung üblichen Video-Walls.

Kunst darf sehr viel

Es ging den Musikern quasi um ein ungestörtes Gesamtkunstwerk ihrer Darbietung, ein legitimer Anspruch. Dieses musste mit Musik gefüllt werden. Hier gaben der „teutonische Hammerbeat“ und die dazu passende E-Gitarre den Takt an. „Was ich liebe“ und „Links 2 3 4“ sollen als Beispiele einer gelungenen Provokation gesehen werden. Natürlich bleibt es ein Spiel mit dem Feuer, sich als deutsche Band mit dem deutschen Kulturgut in einer auffallend direkten Form auseinanderzusetzen. Das Einbinden der germanischen Rituale ist Teil ihres Konzepts, darüber blättert dann der Techno-Rock und die kehlig röchelnde Stimme des Leadsängers Till Lindemann mit dem rollenden R wie Rrrrrammstein. Hier gibt es aber ganz klare Abgrenzungen zu fragwürdigen Bands verwandter Genre à la Viking Metal. Oft genügt auch ein Blick in das Publikum: Wild-gemäßigt bis ins Alter von 50 plus und nicht vordergründig politisch motiviert. Ausgezeichnet und sehr mit Übersicht agierte auch der Veranstalter, alles im Lot. Auf einer kleinen Bühne im Kessel des Stadions wurde der All-Time-Hit „Engel“, in Begleitung zweier Pianistinnen, in einer ruhigen Version gebracht. Für Rock-Konzerte standesgemäß, ließ sich die Band mit Schlauchbooten über die Köpfe der Fans hinweg zurück auf die Hauptbühne hieven, dort wurden sie von einem Bandmitglied mit einem Schild, auf dem das Wort „Willkommen“ stand, begrüßt, als Anspielung auf die Willkommenskultur. Rechts? Wohl kaum, ein ruhiger Moment, um es daraufhin mit den Hits „Sonne“, „Rammstein“ und „Ich will“ krachen zu lassen, mit viel Rauch, Feuer und Licht. Kunst muss Kunst bleiben und Kunst darf sehr viel. Als Kunst erkannt wurde Rammstein bereits in den 1990er-Jahren vom Filmemacher David Lynch in „Lost Highway“. Da war die Aufregung geringer. Martin G. Wanko