Lang Lang in Vaduz: „Hört mir einfach gut zu“

Kultur / 24.08.2019 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Knapp 3000 Musikfreunde versammelten sich zum Auftakt des Festivals mit dem Klaviervirtuosen Lang Lang auf dem Vaduzer Marktplatz. VADUZ CLASSIC/ANDREAS DOMJANIC

Lang Lang zieht die Massen an, fasziniert mit seinem Konzept aber auch Musikerkollegen.

Christa Dietrich

Vaduz Wer Lang Lang vor wenigen Tagen bei den Salzburger Festspielen (unter der Leitung von Manfred Honeck) erlebt hat, für den ist es mehr als nur verständlich, dass er das c-Moll-Konzert von Mozart auf Beethoven folgen lässt. Die Werke stehen einander inhaltlich durchaus nahe. Die Programmierung verdeutlicht auch, dass es dem aus China stammenden Klaviervirtuosen als Botschafter der klassischen Musik vor einem riesigen Publikum nicht einfach um den einnehmenden Effekt geht. Im Klartext: Er hätte es sich auch leichter machen können, das gewählte Stück hat es nämlich in sich, gilt es doch, neben der Dramatik liedhafte Zartheit zu vermitteln.

Die Botschaft dürfte angekommen sein, die Menge auf dem Marktplatz von Liechtensteins Hauptstadt, auf dem sich zum Auftakt des Festivals Vaduz Classic laut Veranstalter knapp 3000 Musikfreunde versammelt hatten, erklatscht sich drei kleine Zugaben und verabschiedet einen lächelnden Künstler mit stehenden Ovationen. Für das begleitende Sinfonieorchester Liechtenstein dürfte der Auftritt die Herausforderung der Saison gewesen sein. „Hört mir einfach gut zu“, lautete die Anweisung des Pianisten bei einer zweistündigen Probe am Vormittag. Die Musiker dürften es so weit es geht verinnerlicht haben, Lang Lang übernahm quasi auch den Part des Dirigenten und hatte das Orchester im Griff. Nicht dass Stefan Sanderling wenig zu tun gehabt hätte. Auch er ging bei der Programmierung ein Risiko ein. Die sieben Variationen über „God save the King“, eine Bearbeitung von Samuel Adler nach Beethoven, haben für Liechtenstein eine besondere Bedeutung, klingt doch auch die eigene Landeshymne durch. Die „Slawischen Tänze“ von Dvorák können rasch langweilig werden, wurden aber so zupackend wie möglich vermittelt, und der „Boléro“ von Ravel ist auch hier, was er ist, nämlich ein Hit. Die Akustik kann bei einem Freiluftkonzert nie einwandfrei sein und variiert je nach Position. Aber, keine Frage, in Vaduz sind an den Schalthebeln wie an den Kameras für die Video-Wall gute Profis am Werk.

Nach einer Gala mit dem Bregenzer Kian Soltani am Freitag im Haus, tritt man am Samstagabend erneut unter freiem Himmel auf. Das Programm des Sinfonieorchesters Liechtenstein reicht von Tschaikowski bis zu den Beatles. Solisten wie der Gitarrist Petrit Ceku, den man auch vom alpenarte-Festival in Schwarzenberg kennt, stehen mit auf der Bühne.

Open-Air-Konzert bei Vaduz Classic am 24. August, ab 21 Uhr, Sinfonieorchester Liechtenstein, Petrit Ceku, Caroline Campbell. Werke von Tschaikowski bis zu den Beatles.