Spieglein an der Wand

Kultur / 24.08.2019 • 10:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Julia Fuchs

Julia Fuchs feiert im Bregenzer Kollektiv die Vielfalt des menschlichen Körpers.

Bregenz „Mit dem nackten Körper stets den Begriff der Erotik zu verbinden, das ist ungefähr so intelligent, wie beim Mund stets ans Essen zu denken.“ Diesen Satz schrieb Kurt Tucholsky vor 90 Jahren. Er könnte aber auch genauso gut aus der Gegenwart und der Feder der aus Bregenz stammenden und in Wien wirkenden Künstlerin Julia Fuchs stammen. Die Fotografien ihrer Ausstellung „your body is yours. take it” im Kollektiv zeigen nackte Menschen, und zwar so, wie sie sind, ohne Filter, ohne Nachbearbeitung. „Wir sind täglich mit sexuell aufgeladener Nacktheit konfrontiert. Gerade in unserer Selfie-Kultur, bei der sich doch oft die Frage stellt: Warum sehe ich nicht so aus?“

Für Fuchs hat der Begriff „nackt“ aber eine andere Realität. Das mag auch ihrem Steckenpferd, dem Interesse für Kunstgeschichte, geschuldet sein. „Erst 1920 wurden Frauen an die Akademie der bildenden Künste zugelassen. Sie wurden allerdings angehalten, sich in ihrem Schaffen auf Stilleben und Porträts zu beschränken. Da fragt man sich schon: Was macht das mit uns, wenn das Frauenbild von einem männlichen Maler für einen männlichen Betrachter gemacht wurde?“

Wohlgefühl statt Vouge-Gefühl

Auf ihre eigenen Fragen hat die Künstlerin aber auch Antworten parat. Diese hängen an den Ausstellungswänden. Fotografien mit einem Twist – auch Fuchs ist auf allen Bildern zu sehen. Das ist Spiegelfotografie in Vollendung. „Die Fotos entstehen durch Zusammenarbeit, durch ein beinahe tänzerisches Miteinander. Für mich sind die Modelle kein Klumpen Ton, den ich formen kann. Sie sollen sich zeigen, wie sie sind, wie sie sich wohlfühlen. Zudem dürfen sie über mich bestimmen, was ich anhabe, in welcher Pose alles stattfinden soll.“

Das ist überaus sehenswert, witzig, hintersinnig und sprengt nebenbei auch noch die Geschlechterfrage. „Jede Epoche hat ihre Körperkultur. Schon die Griechen stellen Hermaphroditen-Statuen her und wenn man sich das maskuline Frauenbild von Michelangelo ansieht, dann zieht sich die Gender-Frage wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte.“ An eben diesen Faden knüpft Fuchs geschickt an, fügt der Kunstgeschichte ein weiteres Kapitel hinzu.

ZUR PERSON

Julia Fuchs

Fotografin und Performance-Künstlerin

Jahrgang 1978

Ausbildung Studium der Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften in Wien/Berlin, Schule für künstlerische Fotografie Friedl Kubelka in Wien, Akademie der bildenden Künste in Wien

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. August, Do-Sa, 11-14 Uhr, in Bregenz, Maurachgasse 1, zu sehen. https://www.kollektiv-raum.org