Neu im Kino: Gerard Butler wird in „Angel Has Fallen“ zum Gejagten

Kultur / 28.08.2019 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mike Banning ist ein gezeichneter Mann. Tiefe Furchen haben all die Einsätze als Bodyguard des Präsidenten in sein Gesicht geschlagen.

Mike Banning (Butler) muss eine Verschwörung aufdecken, deren Ziel er selbst ist.

Action Auf einem der Plakate zu „Angel Has Fallen“ heißt es: „The Hero Becomes The Fugitive.“ Aus dem Helden wird der Gejagte. Bei dem Helden freilich handelt es sich um Gerard Butler („300“), alias Mike Banning, einen Agenten des amerikanischen Secret Service, der nun sein bereits drittes Kinoabenteuer zu bestehen hat.

Banning wird nun zum Gejagten, zum Flüchtenden; er muss eine Verschwörung aufdecken, deren Ziel er selbst ist. Wie schon in den Vorgängerfilmen von 2013 und 2016, „Olympus Has Fallen“ und „London Has Fallen“, spielt auch diesmal Morgan Freeman an Butlers Seite. Des Weiteren zu sehen sind Jada Pinkett Smith, Nick Nolte und Piper Perabo. An den internationalen Kinokassen konnten die ersten beiden „Has Fallen“-Filme zusammen über 370 Millionen US-Dollar generieren.

Als Agent nicht mehr zu gebrauchen

Mike Banning ist ein gezeichneter Mann. Tiefe Furchen haben all die Einsätze als Bodyguard des Präsidenten in sein Gesicht geschlagen. Darunter etwa der in „London Has Fallen“ rund um einen Terrorakt in der britischen Hauptstadt. Migräne, Schlaflosigkeit, eine Schädigung des Rückenmarks: Eigentlich ist Mike als personenschützender Agent nicht mehr zu gebrauchen. Als Stubenhocker aber sieht sich der Kerl mit der Asphalt-Stimme dann doch noch nicht. Und so kommt es, dass sich Mike schon bald nach Beginn des Films bei einem scheinbar idyllischen Angelausflug an der Seite von Präsident Trumbull (Freeman) wiederfindet.

Die jäh am Himmel auftauchenden Flugobjekte aber (kurz fühlt man sich in Hitchcocks „Die Vögel“ versetzt) bedeuten nichts Gutes: Killerdrohnen ermorden alle Secret-Service-Mitarbeiter vor Ort. Nur Mike und der Präsident überleben. Was Banning prompt verdächtig macht; dazu kommt, dass er kaum erklären kann, wieso er plötzlich 10 Millionen auf dem Konto hat. Banning, der ehemalige Held, wird zum Flüchtenden. Was nun einsetzt, ist eine unbarmherzige Menschenjagd.

Mit Butlers Leistung in den Vorläuferfilmen von 2013 und 2016 waren nicht alle immer einverstanden. Für sein Spiel in „London Has Fallen“ gab’s sogar eine Nominierung als „schlechtester Schauspieler“ für die sogenannte „Goldene Himbeere“. Nun ist das Action-Genre mit all seinen fliegenden Kugeln, Augen und Ohren betäubenden Explosionen und anderen Aufmerksamkeit heischenden Zutaten allerdings ohnehin kaum dafür bekannt, die darstellerischen Fähigkeiten der Schauspieler zu unterstreichen.

Auch von „Angel Has Fallen“ darf man keine Schauspielwunder erwarten. Butlers Performance aber, als an Körper und Seele versehrter Agent und Soldat, die ist fast durchweg stimmig. Und, ja, teils auch anrührend. Der 49-Jährige wird dafür kaum mit einer Oscar-Nominierung bedacht werden. Seine mal an Sylvester Stallone, mal an Mel Gibson erinnernde körperliche Präsenz aber ist beeindruckend. Auch Morgan Freeman als hie und da an einen betagten Obama erinnernden Präsidenten hat seine Momente. Die darstellerischen Höhepunkte des 120-Minüters, die liefert Nick Nolte als Bannings Vater. Sein so vollbärtiger wie entschlossener Eremit ist von (un)freiwilliger und doch ergreifender Komik.

Die Inszenierung des Action-Spektakels kommt von Ric Roman Waugh. In den 1980er- und 90er-Jahren arbeitete er als Stuntman, war in dieser Funktion an Filmen wie „Universal Soldier“ und „Last Action Hero“ beteiligt. Je länger „Angel Has Fallen“ währt, desto skurriler und selbstironischer wird der Action-Thriller (glücklicherweise) auch. Der vor allem in den Kampfszenen angestrebte Realismus – täuschend echte und durchaus erschreckende Soundeffekte und eine Kamera, die immer wieder suggeriert, man sei als Kinobesucher mitten im Kampf-Getümmel – wird zunehmend konterkariert durch einen in einer wunderbaren Rausschmeißer-Szene mit Nolte und Butler kulminierenden Humor. Es hätte ruhig noch mehr an Ironie und Witz sein dürfen; der Humor aber rettet diesen Ein-Mann-allein-gegen-den-Rest-der-Welt-Film vor allzu schnöder, vor allzu vorhersehbarer Action-Durchschnittlichkeit.