Einer, der in Schubert aufgeht

Kultur / 29.08.2019 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Francesco Piemontesi ist drauf und dran, zu einem der wichtigsten Schubertpianisten der jüngeren Generation zu avancieren. Schubertiade
Francesco Piemontesi ist drauf und dran, zu einem der wichtigsten Schubertpianisten der jüngeren Generation zu avancieren. Schubertiade

Der Tessiner Pianist Francesco Piemontesi machte die Vielfalt dieses Komponisten erlebbar.

SCHWARZENBERG Er liebt das Klavier von Jugend auf, angeregt von Alfred Brendel. Noch mehr aber liebt er Schubert, geht im Spiel ganz in dessen Klaviermusik auf: Francesco Piemontesi, der 36-jährige Tessiner, der drauf und dran ist, zu einem der wichtigsten Schubertpianisten der jüngeren Generation zu avancieren. Bei seinem dritten Schubertiade-Konzert im Vorjahr hat ihn Gerd Nachbauer mit einem Schubertzyklus geadelt, der parallel in der Londoner Wigmore Hall aufgeführt und auf CD produziert wird. In dieser Saison setzt Piemontesi diesen Zyklus fort, mit einem ungewöhnlich kontrastreichen Programm.

So gegensätzlich wie diesmal hat man die Musik Franz Schuberts wohl noch nie empfunden. Da steht am Beginn die allbekannte, rasch hingeworfene erste Gruppe von vier Impromptus, D 899, durchwegs kleine Kunstwerke, auch wenn sie manchmal zur Übungsliteratur degradiert werden, und von hohem Stellenwert in der Gunst des Publikums. Nach der Pause dann die andere Seite mit der teils spröden sogenannten „Gasteiner Sonate“, nicht gerade ein Liebkind des Publikums und dementsprechend selten auf dem Programm auch bei der Schubertiade. Dass der Schlussapplaus doch eher verhalten bleibt, ist wohl auch mehr dem Werk als dessen Interpretation geschuldet.

Jugendlicher Überschwang

Denn Piemontesi ist Profi genug, dass er beiden extremen Bereichen sein hohes Maß an künstlerischer Zuneigung zwischen Intellekt und Naivität angedeihen lässt. Die Impromptus geht er beherzt und mit jugendlichem Überschwang an, brillant, aber teils etwas überhastet und damit nicht ganz frei von Unsauberkeiten. Das nimmt vor allem der Nr. 1 in c-Moll etwas von der improvisatorischen Schwerelosigkeit einer Fantasie, dagegen gelingt die erforderliche Sanglichkeit in der besonders populären Nr. 3 in Ges-Dur sehr ausgeprägt.

Und danach also die 1825 entstandene Sonate D-Dur, die bei Schuberts Reise nach Bad Gastein entstanden ist und für viele bis heute wie ein Stiefkind aus seinem Klavierschaffen herausfällt. Analytiker haben festgestellt, dass er anstelle der gewohnten Themenbehandlung hier in einem symphonischen Klavierstil neue Möglichkeiten des Instruments erproben wollte. Das führt zu dem mutigen, aber irgendwie uneinheitlich wirkenden langsamen Satz mit seinen Licht- und Farbwirkungen, der auch harmonisch weit über seine Zeit hinausragt. Piemontesi nähert sich dem Werk neugierig wie ein Kind, hat es dabei längst mit großer Überlegenheit intus und versucht ihm mit langen Fermaten-Pausen Spannung für die Zuhörer einzuhauchen, bis zum fein artikulierten reizenden Rondo-Thema. Die beiden nicht angesagten Zugaben werden für das Publikum zum Ratespiel. Hier kommt die Auflösung: Debussys „Poissons d’or“ und Bachs Siciliano aus der Flötensonate Es-Dur.

Schubertiade Schwarzenberg heute: 16 Uhr Nig Feng, Violine, Igor Levit, Klavier; 20 Uhr Diana Damrau, Sopran, Xavier de Maistre, Harfe. Auf Ö1: 3. September, 14.05 Uhr