Philosophicum Lech: Lisa Herzog erhält Tractatus-Preis

Kultur / 04.09.2019 • 12:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Herzog stellt in ihrem Buch elementare Fragen zur Gestaltung der öffentlichen Arbeitswelt angesichts der durch die digitale Transformation anstehenden Umbrüche.

Die Autorin wird für ihr richtungsweisendes Buch „Die Rettung der Arbeit. Ein politischer Aufruf“ ausgezeichnet.

Lech 2009 ins Leben gerufen, versteht sich der Tractatus als Beitrag zur Standortbestimmung in philosophischen wie gesellschaftlichen Diskursen und gibt zugleich verlässliche Auskunft über höchste Qualität im Bereich der einschlägigen Essayistik. Der renommierte und mit 25.000 Euro hoch dotierte Essaypreis des Philosophicum Lech wird 2019 Lisa Herzog verliehen. Prämiert wird exemplarisch ihr viel diskutiertes, aktuelles Buch „Die Rettung der Arbeit“, in dem die Philosophin und Sozialwissenschaftlerin wegweisende Perspektiven entwickelt, „wohin es im Interesse des Gemeinwohls mit der digitalen Transformation der Arbeitswelt gehen könnte“.

Preisverleihung als Höhepunkt

Die feierliche Preisverleihung erfolgt am 27. September 2019 im Rahmen des 23. Philosophicum Lech, das den Titel „Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie“ trägt.  Die Verleihung des Tractatus zählt zu den alljährlichen Höhepunkten des Philosophicum Lech. Intention des dank großzügiger Unterstützung privater Sponsoren hoch dotierten Essaypreises ist die Würdigung herausragender Publikationen auf dem immer wichtiger werdenden Feld geistiger Auseinandersetzung und Standortbestimmungen. Die Liste der prämierten Werke seit 2009 spiegelt sowohl diesen Anspruch als auch die beachtliche thematische Bandbreite philosophisch-kulturwissenschaftlicher Essayistik wider. Mit dem Tractatus bedachte Werke sind als wertvoller Beitrag zu einer nicht nur fachspezifischen, niveauvollen Debatte von öffentlichem Interesse zu verstehen. Bei der Juryentscheidung besonders ins Gewicht fallen die Originalität des Denkansatzes, die Gelungenheit der sprachlichen Gestaltung und die Relevanz des Themas. Gemäß dieser Kriterien wurde auch dieses Jahr wieder eine Shortlist mit sechs preiswürdigen Publikationen erstellt.

Die Nominierung für die Shortlist wie auch die Zuerkennung des Preises erfolgt durch eine dreiköpfige Jury unter Vorsitz von Konrad Paul Liessmann (nicht stimmberechtigt), wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum Lech. Diese setzt sich aus der Philosophin Barbara Bleisch (CH), dem Schriftsteller und ehemaligen Verleger Michael Krüger (D) sowie dem Autor und Journalisten Thomas Vašek(A) zusammen. Nach eingehender Diskussion fiel die Wahl dieses Jahr auf das Werk „Die Rettung der Arbeit. Ein politischer Aufruf“ von Lisa Herzog. Im Februar 2019 bei Hanser Berlin erschienen, erhält das Buch der Professorin für Politische Philosophie und Theorie an der Hochschule für Politik an der Technischen Universität Münchenviel Aufmerksamkeit und Anerkennung. Lisa Herzog stellt darin elementare Fragen zur Gestaltung der öffentlichen Arbeitswelt angesichts der durch die digitale Transformation anstehenden Umbrüche. „Bei diesen Veränderungen der Arbeitswelt geht es letztlich um nicht weniger als um die Grundfragen der politischen Philosophie: Wie wird menschliches Zusammenleben organisiert, was macht eine gute und gerechte Gesellschaft aus, und wie können wir unsere Institutionen und sozialen Praktiken entsprechend gestalten?“, so die politische Philosophin im einleitenden Kapitel.

Herausforderungen

Nachdem Lisa Herzog zunächst ideen- und kulturgeschichtliche Hintergründe beleuchtet und dabei die soziale Dimension von Arbeit in den Mittelpunkt rückt, kommt sie auf die Herausforderungen wie auch Möglichkeiten einer solidarischen Arbeitswelt zu sprechen und entwickelt Lösungsvorschläge in Bezug auf die digitale Transformation. Letztere eröffne die Möglichkeit, die Wirtschafts- und Arbeitswelt menschlicher und gerechter zu gestalten, indem diese viel stärker als bisher „von innen“ demokratisiert werden könnte. Die Philosophin plädiert dafür, dementsprechend die Weichen zu stellen. Dazu Barbara Bleisch in der Jury-Begründung: „Die Philosophin Lisa Herzog nimmt sich in ihrem Buch der Bedeutung der Arbeit im digitalen Zeitalter an. Sie zeigt überzeugend auf, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dieser sozialen Grundkategorie weder den Unkenrufen Glauben schenken darf, dass uns die Arbeit ausgehe, weil die Roboter sie uns wegnähmen, noch den Lockrufen aufsitzen, die vom goldenen Zeitalter erzählen, in dem niemand mehr arbeiten muss. Denn Arbeit ist weit mehr als Lohnerwerb. Arbeit kann Sinn stiften, Respekt verschaffen, Zugehörigkeit vermitteln und ist damit zutiefst menschlich. Die so verstandene Arbeit will Lisa Herzog retten. Dabei erinnert die Philosophin subkutan an etwas, was wir eigentlich wissen und dennoch gern verdrängen: Dass unsere Zukunft weder Verheißung noch Verhängnis ist, sondern ein Gestaltungsspielraum, den es jetzt einzurichten gilt.“