Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 06.09.2019 • 18:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Pittsburgh Symphony Orchestra, Dir. Manfred Honeck
ALBUM Bruckner Symphonie Nr. 9

LABEL Reference Recordings

Eben noch hat der Vorarlberger Dirigent Manfred Honeck gemeinsam mit Weltpianist Lang Lang bei den Salzburger Festspielen Furore gemacht. Parallel dazu kam die neunte Produktion mit seinem Pittsburgh Symphony Orchestra auf den Markt, das er seit 2008/09 als Musikdirektor erfolgreich leitet. Es ist erneut eine spannende Liveproduktion im technischen Höchstmaß des Labels Reference Recordings, dessen musikalische Qualität durchaus den hohen Produktionsvorgaben entspricht. Denn Anton Bruckners gewaltige letzte Symphonie Nr. 9 d-Moll, die er selber „dem lieben Gott“ gewidmet hat, wird damit zu einer Herzensangelegenheit für den tiefgläubigen Maestro. Ohne Pathos legt er sehr persönlich seine ganze Empfindung in diese drei Sätze, besonders das finale Adagio als „Abschied vom Leben“. Das amerikanische Top-Orchester glänzt bei aller gebotenen Ehrfurcht vor Bruckner wie ein frisch polierter Cadillac.

KÜNSTLER Christian Gerhaher, Bariton, Gerold Huber, Klavier
ALBUM Frage – Lieder von Robert Schumann
LABEL SONY Classical

Es ist der Start eines Mammutprojekts. Bis 2020 möchte der seit 1999 bei der Schubertiade geschätzte Münchner Bariton Christian Gerhaher mit seinem getreuen Begleiter Gerold Huber in einer zehn CDs umfassenden Edition sämtliche Lieder Robert Schumanns einspielen. Das ist eine ganze Menge, denn Schumann folgt in seiner Produktivität Schubert als Liederfürst knapp auf den Fersen. Für Gerhaher bedeutet es die Erfüllung eines Traumes, „das wahrscheinlich wichtigste Projekt in meinem Leben“. Der Erstling mit dem Titel „Frage“ stellt mit den zwölf Kerner-Liedern einen zentralen Zyklus vor und gibt dem Sänger Gelegenheit, in seiner packenden, musikalischen Darstellung auch die poetische Idee der Liedtexte auf eine Stufe zu stellen. Er tut dies so, wie man ihn hier kennt: in blendender Form und einem natürlichen Erzählton. Schubertiade-Konzert 20. September, 20 Uhr, Markus-Sittikus Saal Hohenems.

KÜNSTLER Gautier Capuçon, Violoncello, Chamber Orchestra of Europe, Dir. Bernard Haitink
ALBUM Werke für Violoncello von Robert Schumann ABEL ERATO

Der französische Meistercellist Gautier Capuçon steht bereits lange im Rang eines Publikumslieblings bei der Schubertiade. Dieses Album porträtiert ihn mit Robert Schumanns Werken für Violoncello, das mit seinem melancholischen Klang dessen labilem Gemütszustand zwischen Genie und Wahnsinn besonders nahestand. Im Cellokonzert in a-Moll, nach dessen Fertigstellung sich Schumann von einer Brücke stürzte, brilliert Capuçon als Solist in romantischer Sichtweise gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe. Gemeinsam mit der Pianistin Martha Argerich ergibt sich danach die Reduzierung auf ein kammermusikalisch leidenschaftliches Traum-Duo mit Cello und Klavier, bevor die Fantasiestücke op. 88 gemeinsam mit Gautiers Bruder Renaud an der Violine die weiten Klangwelten eines fein differenzierten Klaviertrios eröffnen. Schubertiade-Konzert 21. September, 16 Uhr, Markus-Sittikus-Saal Hohenems.

KÜNSTLER David Helbock, Piano
ALBUM Playing John Williams – Piano Works XIV
LABEL ACT

Wo Helbock draufsteht, ist Helbock drin. Auch diesmal, auch wenn da im Hintergrund ein gewisser John Williams mitmischt, Oscar-verwöhnter US-amerikanischer Kollege, der nichts weiter gemacht hat als den Soundtrack zu fast allen Spielberg-Filmen wie „E. T.“ oder „Star Wars“. Der heimische Jazzpianist David Helbock, der seinen Aktionsradius mittlerweile über Europa bis Israel ausdehnte, hat sich diesmal bei ihm bedient. Aber nicht, weil ihm plötzlich die eigenen Ideen ausgegangen wären. Helbock betrachtet im Gegenteil diese Blockbuster-Themen als Arbeitsmaterial, das er nicht einfach kopiert oder bloß bearbeitet, sondern in seiner Kreativität völlig neu erfindet. Das ergibt selbstbestimmte Eindrücke von starker Wirkkraft, bei denen am Schluss nur noch wie von fern, in einer Übermalung, etwas vom einstigen Original durchschimmert. Faszinierend! CD-Präsentation: 3. Oktober, 20 Uhr, Bregenz, vorarlberg museum.