Café Fuerte begeistert das Premierenpublikum mit „Das letzte Haus“

Kultur / 08.09.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Das letzte Haus“ des Café Fuerte sorgte bei den Premierengästen trotz Regens für Begeisterung. CAFE FUERTE

Die Theatertruppe erhielt von einem dem Regen trotzenden und hörbar amüsierten Publikum zu recht begeisterten Applaus.

Bregenz „Was auch immer kommen mag, mit Theater geht´s ein bisschen besser“, heißt es im Programm von Café Fuerte. Beim Premierenabend von „Das letzte Haus“ löste das Ensemble sein Versprechen voll ein. In der aktuellen Produktion nutzt die Gruppe drei Häuser, die eine lange Geschichte zwischen Nutzung, Leerstand und Wiederbelebung haben. Für den Auftakt der Tour in Bregenz wählten sie das Palmenhaus im Klostergarten Marienberg. Nach langem Leerstand wird das Gebäude seit fünf Jahren von einem Gemüsebauern bewirtschaftet, zusätzlich bietet es einer Bürogemeinschaft Platz. Im Stück wird die Fassade zum Schauplatz einer Farce, die das Ringen eines jungen Paares um ein Einfamilienhaus anschaulich macht. Tom und Eleonora hoffen, auf dem Anwesen von Toms Tante Lala den letzten für einen Neubau verfügbaren Baugrund nutzen zu können. Der Abriss des alten Hauses ist für die jungen Leute kein Problem, wohl aber für die Tante, die auf das Drängen ihres Neffen mit dem Auszug aus der Altersresidenz reagiert und kurzerhand ihr Haus einer Genossenschaft für gemeinschaftliches Wohnen überschreibt. Außerdem geistert auch noch der verstorbene Onkel John im Haus herum.

Die Handlung nimmt immer mehr an Fahrt auf, überraschende Wendungen geben dem Spiel des Ensembles unter freiem Himmel und im Gebäude jenen bewegten Anstrich, den die Fassade des Hauses dringend nötig hätte. „Das letzte Haus“ ist Musical, Drama und Lustspiel in einem und wird von dem so hochprofessionellen wie unterhaltsamen Schauspiel-Ensemble um Meda Banciu als Eleonora, Danielle Green als Tante Lala und Tobias Fend in der Rolle des Tom getragen. Der britische Tänzer John Kendall als Onkel John kommentiert in Mimik und Körperausdruck den ob des um Wohnraum verzweifelten Tuns sichtlich erstaunten Onkel John. Er schafft tänzerisch Verbindungen zwischen Publikum, Schauspiel und den Szenen, in denen er elegant über Fenstersimse klettert, im Teppich eingerollt vergraben werden soll oder schließlich behände das Dach erklimmt. Derweil liefert sich das Schauspieltrio einen Schlagabtausch in Dialogen, die die Brillanz des von Tobias Fend geschriebenen Stücks offenbaren. Viel Recherche steckt in dem Material, das neben dem Umgang mit kostbarem Grund und Boden auch ein zunehmend kapitalistisches Immobiliengeschäft, das Anhaften konventioneller Rollenbilder, den Umgang mit neuen Wohn- und Lebensformen und das Loslassen von verstorbenen Menschen und fixen Vorstellungen beleuchtet. Klangreich unterstützt wird das von den Kompositionen Tobias Wagners, der gleich zu Beginn Banjo-spielend die Sehnsucht nach einem Eigenheim spürbar macht. Wagner und seine eigens für das Stück zusammengestellte Brass-Band, zu der auch Tubistin Emma Riemer, Posaunist Andreas Hofer und Trompeter Benedikt Bär gehören, machen mit Balkan-Sounds und höchster Mobilität den Reigen komplett.

Wie Danielle Fend-Strahm das Publikum durch diese bunte Vielfalt der menschlichen Wohn- und Verpartnerungsmöglichkeiten führt, ist geradezu genial. Der Kunstgriff der Inszenierung mit einer derart sinnlichen Verquickung von Sprache, Tanz und Musik besteht vor allem darin, dass sie den moralisch erhobenen Zeigefinger zugunsten einer breiten Informations-Palette zum Thema Wohnen, Bauen und Leben auslässt. Materiell erfahrbar wird dieses Spektrum auch durch die farbenreichen Kostüme des Ausstatters Matthias Strahm. Lailas Kleidung gleicht einer Diskokugel, die bunte Farbpunkte an die Wand projiziert und genau das entspricht dem Charakter der geistig wie körperlich agil gebliebenen alten Dame. Der Erfahrung und dem Mut älterer Menschen wird mit diesem Stück also auch noch der Teppich ausgerollt. Eine insgesamt tolle Produktion, die von einem dem Regen trotzenden und hörbar amüsierten Publikum zu recht begeisternden Applaus erhielt. Mirjam Steinbock

Weitere Spieltermine: 12. – 14. September, Altes Bezirksgericht Schruns, jeweils 19.00 Uhr und 19. – 21. September, jeweils19.30 Uhr in der Werkstatt Saienbrücke Urnäsch. Infos auf www.cafefuerte.ch