Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein neuer Hans Trippolt

Kultur / 08.09.2019 • 10:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor Kurzem wurde im und vom vorarlberg museum das Buch „Erinnerungen – Hans Trippolt 1919 – 2012) präsentiert, am vergangenen Wochenende wurden im Heimatmuseum Schruns und in der MAP Galerie in Schruns die zugehörigen Ausstellungen eröffnet. Anlass: Der hundertste Geburtstag, den der Bregenzer Maler Hans Trippolt heuer gefeiert hätte.

Erhart Kreutziger, der Lebensfreund von Trippolt, Lehrer wie er und zudem noch Dichter, hat den Maler vor Jahrzehnten schon trefflich beschrieben.

„Er sah ihn als einen, der sich‚ entführen, verführen lässt von der Stimmung‘, als harmonischen Menschen.“

Er sah ihn als Mensch, dem „das Glück des Schaffens beschert ist“, als einen, der sich „entführen, verführen lässt von der Stimmung“, als „harmonischen Menschen, als Optimist, der sich abzuschirmen weiß von allem, das nichts bringt“, als einen, der „den Pausen der Stille nachlauscht“. Die Ausstellungen in Schruns, in denen vor allem bisher kaum bekannte Arbeiten zu sehen sind, bestätigen Kreutziger.

Hans Trippolt wollte Maler werden, er bereitete sich auf ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München vor, doch daraus wurde nichts. In seinem Tagebuch schreibt er: „Zum Studium wurde ich nicht mehr zugelassen. Der ‚Führer‘ brauchte Soldaten.“ Also Kriegseinsatz, dann russische Gefangenschaft. In der Gefangenschaft entstanden Zeichnungen und Aquarelle. Als er sie nach der Freilassung – Trippolt kam erst 1949 zurück – mitnehmen wollte, wurden sie ihm abgenommen. Doch kaum war er zu Hause, zeichnete und malte er diese Bilder aus der Erinnerung nach. Jetzt hängt dieser Zyklus „So sah ich Russland“ – erstmals zu sehen – im Museum in Schruns.

Es sind beeindruckende Bilder, die uns den Künstler von einer Seite zeigen, die wir bisher nicht kannten. Auch in der MAP Galerie von Trippolts Sohn Johann werden vor allem Arbeiten präsentiert, die bisher nie zu sehen waren.

Darunter Blätter aus den siebziger Jahren, die den sonst doch eher naturalistischen Aquarellisten auch als nahezu gegenstandslosen Maler ausweisen. Spannende Blätter, von denen man gerne mehr von ihm gesehen hätte. Es ist höchst interessant, einen Künstler, den man eigentlich zu kennen glaubte, Jahre nach seinem Tod in nicht gewohnten Arbeiten zu sehen.

Diese neue Auseinandersetzung wird nicht zuletzt durch das Buch, in dem viel Biografisches, durch Tagebuchaufzeichnungen auch viel Autobiografisches zu finden ist, angeregt.

Wir haben die Möglichkeit, in diesen Ausstellungen und mit dieser Publikation einen neuen Hans Trippolt zu erleben. Das macht Freude.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.