Musikalische Einkehr im lauschigen Kirchlein

Kultur / 08.09.2019 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit dem Oboisten Adrian Buzac und dem Feldkircher Domorganisten Johannes Hämmerle waren zwei prominente heimische Interpreten aufgeboten. JU

Oboist Adrian Buzac und Organist Johannes Hämmerle beeindruckten bei den Montafoner Resonanzen.

St. Gallenkirch Der traditionelle Orgelschwerpunkt des Festivals Montafoner Resonanzen beschloss am Wochenende die ambitionierte Konzertreihe, die an sechs thematisch wechselnden Wochenenden auch diesmal die gesamte Talschaft miteinbezogen hat. Der Gaschurner Gastronom Markus Felbermayer, der das Festival zusammen mit seinem Team von Montafon Tourismus liebevoll kuratiert, hat auch heuer mit rund 3000 Besuchern in 20 Konzerten den verdienten künstlerischen und kommerziellen Erfolg einfahren können. 

Auf der Suche nach besonderen Konzertschauplätzen ist er auch im Orgelbereich ein weiteres Mal fündig geworden. Das lauschige Kirchlein von St. Gallenkirch, eine der schönsten Rokokokirchen des Landes, bietet die besten Voraussetzungen für eine stimmungsvolle abendliche Einkehr für Gäste und Einheimische, wie es sich am Freitag ergab: eine angenehm tragende Akustik, ein wertvoll und zugleich heimelig wirkendes Ambiente und vor allem auch eine relativ kleine Orgel, die im erhaltenen Bestand von 1787 gemeinsam mit neu eingebauten Registern besondere klangliche Vorzüge aufweist.

Heimische Interpreten

Mit dem Oboisten Adrian Buzac und dem Feldkircher Domorganisten Johannes Hämmerle waren zwei heimische Interpreten für dieses Konzert aufgeboten. Beide wirken als Dozenten am Landeskonservatorium, sind daneben vielfach in der heimischen Musikszene tätig, aber selten in dieser Besetzung zu hören. Der Reiz ihres Zusammenspiels liegt darin, dass die Orgel gerade in ihrem historischen Bereich auch spezielle Zungenregister wie Krummhorn oder Cornet aufweist, die der Oboe ähneln, die sich damit klanglich wunderbar in das vielfarbige Geschehen integriert. Orgelwerke des großen Johann Sebastian Bach, wie sie sich auf diesem Instrument in ihrer Transparenz und Kompaktheit sehr schön verwirklichen lassen, bildeten das Grundgerüst des Programms. Das mächtige Präludium in G-Dur und die Fantasie g-Moll, jeweils mit angehängter komplexer Fuge, gaben die Zielrichtung vor. Dazu kamen mehrere, in Bachs kunstvoller Rhetorik vielfach ausgezierte und kontrapunktisch ausgereizte Choralvorspiele wie „Nun danket alle Gott“ oder „Schmücke dich, o liebe Seele“. Für Johannes Hämmerle als souveränen Kenner dieser Musik wurde seine Technik auf Manual und Pedal zum Selbstläufer und zur Basis für inhaltlich spannende, exakt exekutierte Ergebnisse.

Adrian Buzac fügte sich mit seiner Oboe mit weichem, warmem, nicht zu sehr näselndem Ton und packender Musikalität in diesen Klangteppich ein. Eine Händel-Sonate mit ihren Tanzsätzen kam in überschäumender Spielfreude daher, reich verzierte Choralvorspiele des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebs wiesen die Richtung der Musik nach Bach. Ein glücklicher Einfall war es, diesen barocken Meistern am Ende jedes Konzertteils mit Werken unbekannter Komponisten stimmungsvoll verträumte Stücke der Spätromantik mit ihrer reichlichen Chromatik und süßlichen Melodiefindung als Kontrast entgegenzusetzen. Und immer kann man den beiden Künstlern durch Video-Übertragung in den Altarraum quasi über die Schulter blicken. Im kleinen Kirchlein herrschte große Begeisterung. Fritz Jurmann

Die nächsten Montafoner Resonanzen finden an sechs Schwerpunkt-Wochenenden vom 30. Juli bis 5. September 2020 statt.