Keine Fantasy-Serie, sondern echt

Kultur / 12.09.2019 • 17:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Drohnen gelten als wichtigste Kriegstechnologie seit Erfindung der Atombombe.

Drohnen gelten als wichtigste Kriegstechnologie seit Erfindung der Atombombe.

Das Zeppelin Museum verweist mit „Games of Drones“ auf in der Luft fliegende Tatsachen.

Christa Dietrich

Friedrichshafen, Bregenz Ein paar Fakten in den verkitschten „Sissi“-Filmen stimmen durchaus. Die Habsburger waren bei den Venezianern einst aus nachvollziehbarem Grund alles andere als beliebt. Als die österreichischen Truppen die Stadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts belagerten und feststellten, dass die Reichweite der Geschütze sehr gering ist, griffen sie auch aus der Luft an. Das klingt für die damalige Zeit zwar sonderbar, darf aber, ungeachtet des überschaubaren Effekts, als richtig abgehakt werden. Man ließ nämlich Wasserstoffballone aufsteigen, die mit Sprengladungen versehen waren. Eine langsam abbrennende Zündschnur sollte den Abwurf von Bomben auslösen. Der Angriff war vom Zufall geprägt, am 2. Juli 1849 soll es in Murano zu einem Einschlag gekommen sein. Die Armee hat die Kampfmethode dann jedoch nicht mehr weiterverfolgt. Im Zweiten Weltkrieg brachten die Japaner im Krieg gegen die USA kurzzeitig Ballonbomben zum Einsatz. Von Tausenden erreichten nur einzelne das Ziel. Heutzutage hat der unbemannte Angriff aus der Luft verheerende Folgen.

Umfangreich

Hört sich der von einer Fantasy-Serie abgeleitete Titel „Games of Drones“ auch noch so spielerisch an, steht außer Frage, dass das Zeppelin Museum in Friedrichshafen mit seiner umfangreichen, bis Anfang November laufenden Sonderausstellung ein höchst brisantes Thema behandelt. Wer bei Drohnen (engl.: Drones) in erster Linie an schöne Landschaftsaufnahmen denkt, ist ein ziemlicher Träumer. Die friedliche Nutzung der Technologie nimmt nur einen geringen Teil ein. So dreht die deutsche Künstlerin Raphaela Vogel etwa Videos mit Hilfe von Drohnen, die Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven ermöglichen. Vogels Spiel mit Geschlechterklischees ist im Zeppelin Museum nachvollziehbar und wird in den Arbeiten, die sie demnächst im Kunsthaus Bregenz zeigt, deutlicher zu Tage treten. In einzelnen Gebieten in den USA wie auch in Nordschweden wird die breite Bevölkerung mit Hilfe von Drohnen-bildern darauf aufmerksam gemacht, welche Naturlandschaften durch den Bau von Großprojekten betroffen wären. Der chilenische Künstler Ignacio Acosta hat diesbezüglich eindrückliche Filme produziert.

Während Drohnen in Mitteleuropa zwar im Einsatz, aber kaum sichtbar sind, bedeutet diese Technologie für Millionen von Menschen nichts anderes als Bedrohung bzw. Tod. Um die Präsenz zu vergegenwärtigen, hat der britische Künstler an verschiedenen Plätzen in Großstädten Schatten von Kampfdrohnen nachgezeichnet. Ein solcher befindet sich nun auch am Bodenseeufer vor dem Zeppelin-Museum in Friedrichshafen. Das Fluggerät wirkt klein, doch schon die Gestaltung im Innenraum lässt auf die Auswirkung und Dimension der Technologie schließen: Wenn der Besucher sozusagen durch ein verpixeltes Bild schreitet, wird rasch klar, dass einem Überwachungs- und Suchsystem durch leicht transportierbare und damit überall einsetzbare Aufklärungsdrohnen kaum zu entkommen ist. Selbst die Kleidung, die der amerikanische Künstler Adam Harvey aus Stoffen entworfen hat, die spezielle Metalllegierungen enthalten, damit die menschliche Wärme von den Infrarotkameras nicht erfasst werden kann, dürfte da kaum Abhilfe schaffen. Den Schmerz eines jungen Mädchens, das seine gesamte Familie bei einem Drohnenangriff verloren hat, bringt die britische Musikerin Anohni in einem mit Naomi Campbell gedrehten Video-Clip zum Ausdruck.

Wie ein Mückenstich

In einer vielschichtigen Installation führt die amerikanische Künstlerin Martha Rosler Aspekte der Drohnentechnologie zusammen. Der Einsatz von Minidrohnen, die aus Flugzeugen abgesetzt werden, gehört längst nicht mehr in den Bereich des Utopischen, das US-Militär testet derlei Minifluggeräte bereits. In absehbarer Zeit könnte somit eine Art Insektenschwarm losgeschickt werden, mit Drohnen, die ihre Opfer aufgrund vorprogrammierter Kriterien aufsuchen und deren Stiche tödlich sind. Experten für künstliche Intelligenz warnen bekanntermaßen bereits vor dem Einsatz autonomer Waffensysteme.

Aufnahmen von kleinen, unbemannten Luftschiffen, die nach 1950 für wissenschaftliche Zwecke im Einsatz waren, ergänzen die Ausstellung im Zeppelin-Museum, das mit „Games of Drones“ ein ungemein komplexes Thema bestens bewältigt. Hier die von Omer Fast nachgestellten Interviews mit ehemaligen US-Piloten, die vom Drohnen-Einsatz traumatisiert sind, dort der bequeme Paketzustelldienst durch Drohnen oder die Luftaufnahme von der Bodenseelandschaft. Ob sichtbar oder nicht, verdrängen lässt sich die Präsenz der Technologie so oder so nicht.

Mit „Games of Drones“ bewältigt das Zeppelin-Museum ein höchst komplexes Thema. Museum/Tretter
Mit „Games of Drones“ bewältigt das Zeppelin-Museum ein höchst komplexes Thema. Museum/Tretter

Bis 3. November im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen, täglich, 9 bis 17 Uhr: www.zeppelin-museum.de