Für die Höhepunkte zuständig

Kultur / 13.09.2019 • 18:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jenny absolvierte zahlreiche Auslandsauftritte, mit dem Ensemble Stella Brass war er drei Mal in Russland. Roché Jenny
Jenny absolvierte zahlreiche Auslandsauftritte, mit dem Ensemble Stella Brass war er drei Mal in Russland. Roché Jenny

Solotrompeter Roché Jenny spielt nicht nur beim SOV, sondern auch in anderen Formationen.

Feldkirch Das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) ist ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Musiklebens in unserem Land. Es gibt in seinen Reihen Persönlichkeiten, die auch als Solisten oder in anderen Ensembles auftreten. Ihnen noch mehr Profil zu verleihen, ist das Ziel einer Serie von Gesprächen mit Musikerinnen und Musikern.

Der Solotrompeter Roché Jenny aus Bürserberg studierte nach der Matura am Musikgymnasium Feldkirch vier Jahre lang Trompete am Vorarlberger Landeskonservatorium bei Professor Lothar Hilbrand und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Beim Wettbewerb Prima la musica wurde der in Feldkirch wohnhafte Musiker vier Mal Erster auf Bundesebene. Danach folgte Privatunterricht in Frankfurt und Basel. Zusätzlich besuchte er Meisterkurse bei Bo Nilsson, Edward Tarr, Josef Eidenberger, Bernhard Bär, Klaus Schuhwerk und anderen. Von 2004 bis 2008 unterrichtete er Trompete an der Musikschule Brandnertal, seit 2008 an der Musikschule in Dornbirn und seit 2010 auch in Bludenz. Er absolvierte zahlreiche Auslandsauftritte, mit dem Ensemble Stella Brass war er zum Beispiel drei Mal in Russland.

 

Wie sind Sie zur Trompete gekommen?

Jenny Auf dem direkten Weg. Ich war acht. Der Papa war bei der Musik in Bürserberg und hat eine Trompete nach Hause gebracht. Das hat ziemlich bald funktioniert.

 

Spielen Sie eine deutsche oder eine Périnet-Trompete, und was ist der Unterschied?

Jenny Ich spiele beides. Im deutschsprachigen Raum ist mehr die deutsche Trompete mit Drehventilen im Gebrauch, im englischen, amerikanischen und französischen die Périnet-Trompete mit Pumpventilen. Der Klang ist ähnlich und sie sind gleich schwer zu spielen. Bei einem Probespiel für ein Orchester wird meist die deutsche Trompete verlangt, weil sie den verbreiteten Klangvorstellungen entspricht. Ich spiele auch Piccolotrompete, das wird im Studium verlangt.

 

Welche Rolle spielen die Trompeten im Orchester?

Jenny Das kommt auf die Literatur an: Bis Beethoven gehören sie mit der Pauke zusammen zum rhythmischen Grundgerüst und setzen harmonische Eckpunkte. Ab der Romantik werden es immer mehr melodische Aufgaben.

 

Sie sind Solo-Trompeter. In Mahlers Zweiter Symphonie sind zehn Trompeten im Einsatz. Wie ist die Rangordnung unter den Trompeten und was sind die besonderen Anforderungen für einen Solotrompeter?

Jenny Der Solotrompeter spielt die erste Stimme mit den Solos, die man allein spielt. Das kann auch nervenaufreibend sein. Bei Mahler im Allgemeinen gibt es oft spezielle Aufgaben, z. B. vier Trompeten, die von woanders her spielen (Fernorchester).

 

Was war Ihr spannendster Einsatz?

Jenny Die Fünfte Mahler mit Kirill Petrenko 2017, wo die Trompete ganz allein beginnt, war schon spannend. Schon im Studium wird das thematisiert: „Wenn du da einen Bock schießt, ist die ganze Symphonie im Eimer.“ Wenn man es dann spielt, ist es wirklich spannend, weil man vorher ständig geübt hat wie ein Wahnsinniger und alle einen darauf aufmerksam machen. Durch die Art, wie Kirill Petrenko es dirigiert hat – er hat auch einmal vor der Probe eine halbe Stunde mit mir allein gearbeitet –, hatte ich nie das Gefühl, dass etwas passieren könnte. Er hat mir viel abgenommen.

 

Wie ist es, wenn man einen Fehler macht?

Jenny Ich könnte jetzt sagen: „Ich weiß es nicht, ich habe noch nie einen gemacht.“ (lacht) Man muss sich Fehler zugestehen, denn ohne Fehler wären die richtigen Töne nur halb so schön. Wenn man das nicht kann, wird der Beruf zu einem richtigen Problem.

 

Die Trompete war bis ins 18. Jahrhundert ein sehr angesehenes Musikinstrument, das die Auftritte von Herrschern musikalisch umrahmte. Sie wird im Orchester oft zusammen mit der Pauke für Steigerungen und für festliche Klänge eingesetzt. Wirkt sich das auf die Psyche eines Trompeters aus?

Jenny Es wirkt sich garantiert aus. Man ist für die Höhepunkte zuständig.

Sie spielen im nächsten SOV-Konzert die Solotrompete in Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 1 in c-Moll, op. 35 für Klavier, Trompete und Streichorchester. Was ist Ihr Part?

Jenny Der Trompetenpart ist dem Klavier untergeordnet. Er vermittelt oft die komischen Effekte. Ich finde aber nicht, dass er an manchen Stellen wie Jazz klingt, wie oft behauptet wird. Die Noten sind eigentlich nicht schwierig, das Spielen aber schon. Den Pianisten und Dirigenten Alexander Lonquich kenne ich schon, er hat mit dem SOV schon 2013 ein Konzert gegeben.

 

Spielen Sie auch Jazz oder andere Musikrichtungen?

Jenny Ich spiele Jazz in einer Latin- Jazz-Band, mit der wir einmal im Jahr auftreten und für die ich auch Stücke schreibe. Sie heißt „Guapa loca“ („Verrückte Hübsche“). Außerdem spiele ich bei Stella Brass, wir spielen Barockmusik und Quintettliteratur von Barock bis Modern. Zudem bin ich seit 25 Jahren bei der Blasmusik Bürserberg.

 

Was ist für Sie das Besondere am SOV?

Jenny Früher, im Musikgymnasium, bin ich zuhören gegangen. Da waren das die Stars für uns. Das war sehr beeindruckend, man hat davon geträumt, irgendwann einmal mitmachen zu können. Schließlich wurden aus Vorbildern Kollegen. Irgendwann kam die Frage: „Willst du nicht mitmachen?“ 2007 habe ich das erste Mal mitgespielt.

Roché Jenny spielt bei den SOV-Konzerten am 21. September (Montforthaus Feldkirch) und 22. September (Festspielhaus Bregenz) jeweils um 19.30 Uhr.