Roché Jenny hat seine Leidenschaft für die Musik zum Beruf gemacht

Kultur / 14.09.2019 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Roché Jenny spielt beim SOV. JENNY

Roché Jenny spielt bei den nächsten SOV-Konzerten die Solotrompete.

Feldkirch Das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) ist ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Musiklebens in unserem Land. Es gibt in seinen Reihen Persönlichkeiten, die auch als Solisten oder in anderen Ensembles auftreten. Einer davon ist Roché Jenny. Der Solotrompeter aus Bürserberg studierte nach der Matura am Musikgymnasium Feldkirch vier Jahre lang Trompete am Vorarlberger Landeskonservatorium bei Professor Lothar Hilbrand und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Beim Wettbewerb Prima la musica wurde der in Feldkirch wohnhafte Musiker viermal Erster auf Bundesebene. Danach folgte Privatunterricht in Frankfurt und Basel. Zusätzlich besuchte er Meisterkurse bei Bo Nilsson, Edward Tarr, Josef Eidenberger, Bernhard Bär, Klaus Schuhwerk und anderen. Von 2004 bis 2008 unterrichtete Jenny Trompete an der Musikschule Brandnertal, seit 2008 an der Musikschule in Dornbirn und seit 2010 auch in Bludenz. Er absolvierte zahlreiche Auslandsauftritte, mit dem Ensemble Stella Brass war er dreimal in Russland.

Wie sind Sie zur Trompete gekommen?

Auf dem direkten Weg. Ich war acht. Der Papa war bei der Musik in Bürserberg und hat eine Trompete nach Hause gebracht und das hat ziemlich schnell funktioniert.

Spielen Sie eine deutsche oder eine Périnet-Trompete, und was ist der Unterschied?

Ich spiele beides. Im deutschsprachigen Raum ist mehr die deutsche Trompete mit Drehventilen im Gebrauch. Im englischen, amerikanischen und französischen die Périnet-Trompete mit Pumpventilen. Der Klang ist ähnlich, sie sind gleich schwer zu spielen. Bei einem Probespiel für ein Orchester wird meist die deutsche Trompete verlangt, weil sie den verbreiteten Klangvorstellungen entspricht. Ich spiele auch Piccolotrompete, das wird im Studium verlangt.

Welche Rolle spielen Trompeten im Orchester?

Das kommt auf die Literatur an: Bis Beethoven gehören sie mit der Pauke zusammen zum rhythmischen Grundgerüst und setzen harmonische Eckpunkte. Ab der Romantik werden es immer mehr melodische Aufgaben.

Sie sind Solo-Trompeter. In Mahlers Zweiter Symphonie sind zehn Trompeten im Einsatz. Wie ist die Rangordnung unter den Trompeten und was sind die besonderen Anforderungen an einen Solo-Trompeter?

Der Solo-Trompeter spielt die erste Stimme mit den Solos. Das kann auch nervenaufreibend sein. Bei Mahler im Allgemeinen gibt es oft spezielle Aufgaben, z. B. vier Trompeten, die von woanders her spielen (Fernorchester).

Was war Ihr spannendster Einsatz?

Die Fünfte Mahler mit Kirill Petrenko 2017, wo die Trompete ganz allein beginnt, war schon spannend. Schon im Studium wird das thematisiert: „Wenn du da einen Bock schießt, ist die ganze Symphonie im Eimer.“ Wenn man es dann spielt, ist es wirklich spannend, weil man vorher ständig geübt hat wie ein Wahnsinniger und alle einen darauf aufmerksam machen. Durch die Art, wie Kirill Petrenko es dirigiert hat – er hat auch einmal vor der Probe eine halbe Stunde mit mir allein gearbeitet –, hatte ich nie das Gefühl, dass etwas passieren könnte. Er hat mir viel abgenommen.

Wie ist es, wenn man einen Fehler macht?

Ich könnte jetzt sagen: „Ich weiß es nicht, ich habe noch nie einen gemacht.“ (lacht) Man muss sich Fehler zugestehen, denn ohne Fehler wären die richtigen Töne nur halb so schön. Wenn man das nicht kann, wird der Beruf zu einem richtigen Problem.

Sie spielen im nächsten SOV-Konzert die Solotrompete in Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 1 in c-Moll, op. 35 für Klavier, Trompete und Streichorchester. Was ist Ihr Part?

Der Trompetenpart ist dem Klavier untergeordnet. Er vermittelt oft die komischen Effekte. Ich finde aber nicht, dass er an manchen Stellen wie Jazz klingt, wie oft behauptet wird. Die Noten sind eigentlich nicht schwierig, das Spielen aber schon. Den Pianisten und Dirigenten Alexander Lonquich kenne ich schon, er hat mit dem SOV schon 2013 ein Konzert gegeben.

Spielen Sie auch Jazz oder andere Musikrichtungen?

Ich spiele Jazz in einer Latin-Jazz-Band, mit der wir einmal im Jahr auftreten und für die ich auch Stücke schreibe. Sie heißt „Guapa loca“ („Verrückte Hübsche“). Außerdem spiele ich bei Stella Brass, wo wir auch Barockmusik machen und Quintettliteratur von Barock bis Modern. Und bei der Blasmusik Bürserberg bin ich schon seit 25 Jahren.

Was ist für Sie das Besondere am Symphonierochester Vorarlberg?

Früher, im Musikgymnasium, bin ich zuhören gegangen. Da waren das die Stars für uns. Das war sehr beeindruckend, man hat davon geträumt, irgendwann einmal mitmachen zu können. Dann wurden aus Vorbildern Kollegen. Irgendwann kam die Frage: „Willst Du nicht mitmachen?“ 2007 habe ich das erste Mal mitgespielt. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Ulrike Längle

Jenny spielt in den SOV-Konzerten am 21.9. (Feldkirch) und 22. 9. (Bregenz) Solotrompete im Konzert für Klavier, Solotrompete und Streichorchester von Schostakowitsch.