Wozu also noch warten?

Kultur / 18.09.2019 • 18:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im „Warteraum“, dem Mini-Kino im Palais Lichtenstein, ist auch eine Videoarbeit des Ensembles Tanzufer zu sehen. Melanie Büchel
Im „Warteraum“, dem Mini-Kino im Palais Lichtenstein, ist auch eine Videoarbeit des Ensembles Tanzufer zu sehen. Melanie Büchel

Die Montforter Zwischentöne laden im Herbst zum Warten und blicken auch über den Tellerrand hinaus.

Feldkirch Wie wichtig ist Warten? Wann ist der richtige Moment, zu entscheiden? Kann das Warten uns Geduld lehren? Und kann es uns auch lehren, Bestehendes wertzuschätzen? Diesen Fragen und ihren möglichen Bedeutungen für die Gegenwart widmen sich die Montforter Zwischentöne in der diesjährigen Herbstreihe. „Das Thema Warten ist in den Zeiten, in denen wir leben, sehr relevant. Wir sollten uns manchmal ausbremsen und nicht dem Aktionismus verfallen“, sagt Montforthaus-Geschäftsführer Edgar Eller.

Die Montforter Zwischentöne finden als Veranstaltungsreihe drei Mal im Jahr statt und sind jeweils einem Hauptthema gewidmet. In diesem Herbst stehen vier Formate auf dem Programm, das die künstlerischen Leiter Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde erstellt haben. „Bei den Zwischentönen geht es darum, in verschiedenen Ebenen Nähe im künstlerischen Sinn herzustellen und mit dem Raum sowie der eigenen Stadt in Kontakt zu treten. Außerdem ist es uns wichtig, mit herausragenden internationalen und regionalen Künstlern zusammenzuarbeiten“, sagt Hans-Joachim Gögl.

Minikino

Mit dem „Warteraum“ schaffen die beiden Architekten Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr vom „Studio Saal“ im Palais Liechtenstein einen Ort der Begegnung: Ein Pop-Up-Kino mitten in der Stadt. Zu sehen sind Videoarbeiten von Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Gottfried Bechtold, Rose Breuss, Marbod Fritsch, Claudia Larcher, Angelo Roventa oder dem Ensemble Tanzufer.

Ohne Musik geht bei den Zwischentönen freilich nichts. Ein musikalischer Höhepunkt ist das Konzertformat „Tobu – Trio für sechs“, bei dem ein klassisches Jazztrio mit zwei Pianisten, zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern doppelt besetzt wird. Dazu wurden drei Meister und drei Meisterschüler eingeladen. Der eine spielt, der andere wartet jeweils auf seinen Einsatz und übernimmt im Flug. Pierre Favre interagiert mit Chris Jaeger, Pianist Peter Madsen mit David Helbock und Bassist Heiri Känzig mit Georg Breinschmid. Die künstlerischen Leiter bezeichnen dieses Konzertformat als „Experiment“, das sich nicht proben lässt und daher besondere Spannung verspricht.

Über den Tellerrand

Auch in der Klassik wird im Herbst ein Schwerpunkt gesetzt. Inmitten der Bewerbung für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 blicken die Zwischentöne über den Tellerrand hinaus und kooperieren für das Konzert „Orgelduell – Hinspiel Rückspiel – Warten auf den Sieger“ mit der Stadt Dornbirn. Die unterschiedlichen Klangwelten der Orgel im Feldkircher Dom und jener in der Kirche St. Martin in Dornbirn werden einander in einem besonderen Format gegenübergestellt. Die international renommierten Organisten Laszlo Fassang und Martin Sturm werden in ihrer Kreativität dahingehend herausgefordert, als sie spontane Aufgaben gestellt bekommen, durch die die ganze Originalität, Ausdruckskraft, der Einfallsreichtum und die Virtuosität der Musiker erlebbar gemacht wird. Die Aufgaben stellt Musikwissenschaftler Bernhard Schrammek, moderiert wird das Event von Annekatrin Hentschel. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt. „Egal, wie die Bewerbung um die Kulturhauptstadt ausgeht, dieses Orgelduell wird entweder der musikalische Auftakt oder die große Abschlussveranstaltung“, sagt Edgar Eller schmunzelnd.

Einen weiteren und durchaus meditativer Aspekt des Wartes bringt der vorweihnachtliche Pilgerweg „Wozu noch warten?“ Elf Fragen zum eigenen Leben konfrontieren den Besucher mit sich selbst, mit seinen Wünschen, noch nicht gelebten Fähigkeiten, Berufungen oder Veränderungsplänen. Dazu wurden elf besondere Orte in der Stadt ausgewählt, die es im Laufe des Rundgangs zu entdecken gilt. Startpunkt ist die Rezeption des Hotels Gutwinski. Dort ist der Besucher aufgerufen zu fragen, ob eine Nachricht für ihn hinterlassen wurde. „An jeder der Stationen gibt es eine persönliche Nachricht und der Hinweis zur nächsten Station. Es wurden Plätze ausgewählt, die den Besucher unterstützten, sich über diese Fragen des Lebens Gedanken zu machen“, erklärt Gögl.

Adventkonzert zum Finale

Mit dem Adventkonzert „Immer warte ich auf Wunder“ gehen die Zwischentöne im Montforthaus ins Finale. Die deutsche Schauspielerin Martina Gedeck liest, die Sopranistin Dorothee Mields singt. Auf dem Programm stehen Lieder zum Advent sowie Arien von Johann Sebastian Bach und das Concerto Köln musiziert vorweihnachtliche Stücke zum Thema Erwartung. Dabei spannen die „Zwischentöne“ den Bogen zwischen der Meditation über das Warten und großer festlicher Orchestermusik. VN-TAS

„Es ist uns wichtig, mit internationalen und regionalen Künstlern zusammenzuarbeiten.“

Montforter Zwischentöne zum Thema „Warten“: 7. November bis 19. Dezember, Feldkirch. Programm: montforter-zwischentoene.at; Tickets: Montforthaus, V-Ticket etc.