Ein Aufklärer, Mahner, Brückenbauer und Vermittler

Kultur / 20.09.2019 • 20:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Marko Feingold in „Die letzten Zeugen - 75 Jahre nach dem Novemberpogrom 1938“, einer Produktion im Burgtheater in Wien. Apa, burgtheater/Maximilian
Marko Feingold in „Die letzten Zeugen – 75 Jahre nach dem Novemberpogrom 1938“, einer Produktion im Burgtheater in Wien. Apa, burgtheater/Maximilian

Zeitzeuge und Holocaust-Überlebender Marko Feingold 106-jährig gestorben.

Salzburg, Wien „Er war als Überlebender des Terrors des NS-Regimes ein wichtiger Zeitzeuge und hat sich dieser Aufgabe noch bis ins hohe Alter mit großem Engagement gestellt. Für die Aufklärung und das Anliegen ‚Niemals wieder‘ hat er alles gegeben“, würdigte Bundespräsident Alexander Van der Bellen den ehemaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold. Der wichtige Zeitzeuge ist im Alter von 106 Jahren gestorben.

Feingold hat fünf Jahre in Konzentrationslagern der Nationalsozialisten überlebt. Zeit seines Lebens war er ein Mahner gegen das Vergessen. Noch im Juni hat er die Integrationsfußball-WM in Salzburg angekickt. Er fand dabei erneut Worte der Toleranz. „Die Religionen sind gleich, nur die Feiertage sind verschieden.“ Er hat in unzähligen Veranstaltungen, viele davon in Schulen, aus seinem Leben erzählt: als Warnung davor, was Menschen einander antun können. Feingold wurde 1913 in Besztercebanya/Neusohl (heute Slowakei) geboren und wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf. 1939 wurde er von der Gestapo verhaftet und 1941 ins KZ Auschwitz deportiert. Er überlebte dann auch die Konzentrationslager Neuengamme, Dachau und Buchenwald, wo er im April 1945 von den Amerikanern befreit wurde. Nach 1945 ließ er sich in Salzburg nieder, wo er ein Modegeschäft eröffnete. Feingold war bereits von 1946 bis 1947 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, seit seiner Pensionierung im Jahr 1979 übte er diese Funktion erneut aus. 2018 wurde er mit dem Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste für seine Verdienste um Toleranz und Dialog ausgezeichnet. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Kultusminister Alexander Schallenberg würdigten Feingolds „unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen Faschismus und Antisemitismus“. „Er war ein Brückenbauer und Vermittler, der trotz schlimmster Erfahrungen immer das Menschliche, das Verbindende in den Vordergrund gerückt hat“, betonte Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

„Bildung und das Wissen auch um dunkle Seiten der Vergangenheit sind das Wichtigste.“