Schubert auf dem Experimentierteller

Kultur / 20.09.2019 • 19:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die „Pforte“ präsentierte eine Klaviersonate und „Die schöne Müllerin“ in Streicherversionen.

Feldkirch Darf man eigentlich auch scheinbar unantastbare Klassiker etwa von Schubert einfach in ein neues Gewand stecken? Man darf, mit oftmals interessanten neuen Sichtweisen. Schubert auf dem Experimentierteller, sozusagen. Solches versuchte nun auch die „Musik in der Pforte“ bei der Generalprobe ihres aktuellen Projektes „Schubert Reloaded“ mit der Übertragung einer Klaviersonate und der Begleitung zur „Schönen Müllerin“ vom Klaviersatz auf ein Streichensemble – mit unterschiedlichen, jedoch nicht durchwegs überzeugenden Ergebnissen.

Mastermind des ambitionierten Unterfangens war der französische Musiker François Poly, seit Jahren als Cellist eine feste Größe in der „Pforte“. Daneben gilt seine Leidenschaft der Transkription bestehender Werke, die ihn auch zu diesem Projekt inspiriert hatte. Seine Aufgabe ging allerdings über eine bloße Übertragung des Klaviersatzes auf die Streicherstimmen weit hinaus. Die Kunst bestand darin, die Stimmen unter den fünf bis sechs Instrumenten so zu verteilen, dass sich daraus ein anderer Charakter in den Werken ergibt.

Frappant neuer Eindruck

Die erste Vorlage dazu bildet die ihrer Sanglichkeit wegen ideale späte Schubert-Klaviersonate G-Dur. Poly, der sich als eigentliche Zentralfigur des Abends bescheiden zurückzieht, ist hier selbst Mitglied eines mit internationalen Solisten besetzten Sextetts aus zwei Violinen, zwei Bratschen, Cello und Kontrabass. Die tieferen Streicher sind dabei in der Überzahl, was vielleicht auch auf Polys Vorliebe als Cellist für dunkle Töne zurückgeht. Das führt von Beginn an auch zu einem düsteren, schweren Klangbild, das vor allem durch die Verdopplung im Kontrabass eine deutliche Basslastigkeit erhält und damit nicht dem heiteren Anstrich dieser Klaviersonate entspricht. Die Besetzung mit einem Streichquartett wäre dafür wohl die bessere Lösung gewesen. Ungeachtet dessen verpasst das neue Streichergewand der Klaviersonate einen so frappant neuen Eindruck, dass man oftmals meint, nicht nur ein anderes Arrangement, sondern ein anderes Stück zu hören. Dazu trägt auch die inspirierte, gute geprobte Spielweise des Sextetts mit der Betonung des wienerisch-tänzerischen Elementes bei. Unter keinem guten Stern stand zunächst die Aufführung einer ebenfalls adaptierten Fassung von Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“, weil der Tenor Rainer Trost bei den Proben an Stimmbandentzündung erkrankt war und eine Absage im Raum stand. Mit Hilfe ärztlicher Kunst und eisernem Willen bringt er dann die 20 Lieder, zur Schonung der Stimme allerdings in teils gekürzten Versionen, doch sehr ansprechend und routiniert über die Runden. Er führt in den lyrischen Passagen seine fein kultivierte Ausdrucksweise und die Schönheit seiner Stimme ins Treffen, stemmt die Spitzentöne makellos, nur das Falsett klingt klarerweise etwas angestrengt.

„Müllerin“ mit zusätzlichen Texten

Polys Arrangement des Klaviersatzes enthält hier im Quintett nur noch eine Violine, entsprechend weiter abgedunkelt wirkt der Klang. Das nutzt der findige Bearbeiter bei verhaltenen Liedern wie „Pause“ oder „Trockne Blumen“ zu wunderschön verklärten Momenten, die sich wie ein milder Heiligenschein um die Figur des Müllerburschen legen, wobei die Violine pausiert. Bei raschen, dramatischen Gesängen wie „Am Feierabend“ oder dem Schnellsprech-Wettbewerb „Der Jäger“ dagegen geht in dieser Version einiges von der Schärfe und rhythmischen Klarheit verloren, die man gerade an der originalen Klavierbegleitung schätzt. Besondere Beachtung verdient die selten zu hörende Version der „Müllerin“ mit fünf zusätzlichen, von Schubert nicht vertonten Texten von Wilhelm Müller, die in ihrer liebenswerten Naivität von Evelyne Kelner-Fuchs mit gepflegter Sprache rezitiert werden.

Die gut geprobte Spielweise der Musiker mit der Betonung des wienerisch-tänzerischen Elementes überzeugte letztendlich. JU
Die gut geprobte Spielweise der Musiker mit der Betonung des wienerisch-tänzerischen Elementes überzeugte letztendlich. JU

Wiederholung dieses Programms: 21. September, 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau