Eine fantastische Doppelbegabung

Kultur / 23.09.2019 • 14:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alexander Lonquich beim ersten Abo-Konzert der Saison mit dem Symphonieorchester Vorarlberg. SOV/DIETMAR MATHIS

Das SOV startete mit Alexander Lonquich als Klaviersolist und Dirigent in die neue Saison.

FELDKIRCH Zum Start der neuen Konzertsaison gab es beim Symphonieorchester Vorarlberg ein Wiedersehen mit dem renommierten Deutschen Alexander Lonquich (59), einer fantastischen Doppelbegabung als Pianist und Dirigent. Man hatte ihn bereits 2012 in dieser Funktion im Saal des Konservatoriums bewundert. Nun eröffnete Lonquich als ausgeprägte Musikerpersönlichkeit die Reihe „Play and Conduct“, mit der der neue SOV-Geschäftsführer Sebastian Hazod in dieser Saison die Distanz zwischen Maestro und Musikern verkürzen und das „Spiel unter Kollegen“ intensivieren möchte. Es scheint, als wäre das Energiebündel noch an seinen Aufgaben gewachsen, so wie er sich mit einer gehörigen Portion an Risikofreude und Selbstvertrauen in dieses Abenteuer stürzt. Die Musiker begrüßen ihn wie einen lieben alten Bekannten und unterstützen ihn mit größter Einsatzfreude und Disziplin. Dass das SOV diesmal in schlanker Kammerorchester-Besetzung mit 36 Musikern angetreten ist, erleichtert die Aufgabe des Pianisten.

Am Beginn dirigiert er Dvoráks Streicherserenade noch konventionell vom Pult aus, doch hätte das Stück gerne etwas mehr slawische Leidenschaft und Pep vertragen. Dafür kommt der Abend mit dem Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll von Schostakowitsch in seiner gesunden Schärfe, seinem ironischen Übermut in Fahrt. Dass mit Roché Jenny für den Solopart ein seit 2007 im Orchester und in der Szene geschätzter Musiker verpflichtet wurde, unterstreicht die engen Bindungen. Im dichten Dialog mit seinen Kollegen und dem unglaublich brillanten Pianisten entsteht eine packende Werkdeutung. Später offenbart sich Alexander Lonquich ebenso als feinsinniger, sensibler Mozart-Interpret. Dessen etwas sperriges Adagio und Fuge c-Moll macht er als Dirigent mit Fingerspitzengefühl zur gehaltvollen Ouvertüre für das folgende Klavierkonzert Nr. 9 in der Paralleltonart Es-Dur, das ihn erneut in seiner Doppelfunktion herausfordert.

Transparenter Mozartklang

Das bedeutet hier, dass er von diesem Werk nicht nur seinen Klavierpart, sondern auch den des Orchesters im Kopf haben muss, für einen Blick in die Partitur bleibt keine Zeit: Ein großer Meister im virtuosen Ineinandergreifen seines perlenden Klavierspiels und der Führung des Orchesters, dem er den typisch kostbaren, transparenten Mozartklang entlockt. Allerdings leidet, wie schon zuvor Schostakowitsch, auch dieses Werk an der mangelnden Präzision im Zusammenspiel. Der seitlich platzierte Flügel ist für die Korrespondenz mit dem Orchester weniger ideal als die beim ersten Auftreten gewählte traditionelle Position mit dem Rücken zum Publikum. Da hilft auch die bemühte Assistenz des erfahrenen Konzertmeisters Hans-Peter Hofmann wenig – allein die Schlussakkorde sind fast immer verwackelt.

Für Feinspitze sei’s gesagt, dass es sich bei dem hier als „Jenamy“-Konzert bezeichneten Werk um das früher unter dem Namen „Jeunehomme“-Konzert bekannte Werk handelt. Das neuerdings mit Arbeiten von Harald Gfader bereicherte Abendprogramm klärt über einen Irrtum der Musikgeschichte auf, dem der Musikwissenschaftler Michael Lorenz nun auf die Spur kam. Wie es auch immer heißen mag, es ist ein ebenso packendes wie berührendes Stück Mozart, das auch heute niemanden kalt lässt. Dafür spricht auch der begeisterte Schlussapplaus. Fritz Jurmann

Rundfunkwiedergabe: 11. und 17. November, 21.05 Uhr, Radio Vorarlberg