Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 25.09.2019 • 22:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Evgeny Kissin & Emerson String Quartet

ALBUM The New York Concert

LABEL DG (2 CD)

Wenn das großartige amerikanische Emerson String Quartet als eines der Weltbesten in der New Yorker Carnegie Hall auf den russischen Welt-Pianisten Evgeny Kissin (48) trifft, dann übersteigt dies im Wirkungsgrad wohl manche Friedensbemühungen zwischen Ost und West auf politischer Ebene. Gemeinsam kosten sie das Repertoire von Mozart über Fauré bis Dvorák aus, finden sich dabei irgendwo zwischen dem Drängen des Pianisten und der Reife der vier langgedienten Herren von der Streicherabteilung. Das erzeugt eine mitreißende Balance aus Klarheit und Kompetenz, aus Emotionalität und Emphase. Das Doppelalbum davon vermittelt dem Hörer den Eindruck, sich unter Tausenden begeisterter Fans ganz nah am Geschehen zu befinden und ist der Vorbote für den Auftritt der „Emersons“ bei der Schubertiade Hohenems, wo sie bereits im Rang der Legendenhaftigkeit rangieren. Konzert: 2. Oktober, 20 Uhr

KÜNSTLER Renaud Capuçon, Violine, David Fray, Klavier

ALBUM Bach Sonaten

LABEL ERATO

Treffen sich zwei Franzosen zu Bach, kann dabei was Besonders entstehen. David Fray, der gefinkelte Bach-Spezialist am Klavier, und sein brillanter Violin-Partner Renaud Capuçon präsentierten bei ihrem Schubertiade-Konzert im Juni drei von Bachs berühmten sechs Violinsonaten. Für Puristen ein frappanter Eindruck, denn da war nichts mehr zu spüren von Originalklang und authentischer Spielweise. Die beiden verpassten Bach einen „romantischen Heiligenschein“, als ob es nie einen Harnoncourt gegeben hätte, mit sattem Geigen-Vibrato und gefühlvollen Rubati in den langsamen Sätzen. Auf ihrem um eine Sonate erweiterten Album verstärkt sich dieser Eindruck noch, mit dem die beiden in einer substanziellen Auseinandersetzung der Emotionalität in Bachs Musik auf die Spur kommen wollen. Ein Weg, den man in seiner beängstigenden Kompromisslosigkeit gerne mitgeht. Konzerte David Fray 4. und 7. Oktober, jeweils 16 Uhr

KÜNSTLER Bertrand Chamayou, Klavier, Orchestre National de France

ALBUM Saint-Saëns Klavierkonzerte und Solostücke

LABEL ERATO

Seit seinem Debüt 2010 ist der Franzose Bertrand Chamayou immer wieder zur Schubertiade zurückgekehrt, meist als verlässlicher Kammermusiker, der stets etwas im Schatten blieb. Dass er auch ein großer Solopianist ist, erkennt man an seiner im Vorjahr erschienenen CD, mit der er seinem fast vergessenen Landsmann Camille Saint-Saëns etwas auf die Sprünge helfen wollte. Man sagt von diesem Komponisten scherzhaft, er sei 1921 einfach zu spät verstorben und in einer schwülstigen Spätromantik hängen geblieben, als andere längst die Moderne ausgerufen hatten. Gerade im zweiten Klavierkonzert umreißt Chamayou mit dem französischen Nationalorchester in klanggewaltigem Spiel die Klassizistik dieser Musik in ihren weiten Dimensionen, im „ägyptischen“ fünften Konzert spürt er dem damals modernen Exotismus nach. Die „Etüden“ dagegen sind wahre Preziosen, die ebenfalls einen Meister erfordern. Konzert: 5. Oktober, 16 Uhr

KÜNSTLER Daniel Müller-Schott, Violoncello, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

ALBUM Trip to Russia

LABEL ORFEO

Der Münchner Daniel Müller-Schott zählt zu den gefragtesten Cellisten der jüngeren Generation. Auch bei der Schubertiade hat sich der Künstler seit 2009 jährlich als vielseitiger Kammermusiker bewährt, zuvor war er der Lehrer des heutigen Dornbirner Proficellisten Florian Simma. Seine intensive Aufnahmetätigkeit hat Müller-Schott nun durch dieses Album mit Tschaikowskys populären „Rokoko-Variationen“ gekrönt. Er interpretiert dieses Paradestück jedes Cellisten völlig natürlich, schlank und innig, mit wunderbarem Ton und Eleganz. Man spürt auch seine enge Bindung zur russischen Musikkultur, die für ihn als 15-Jährigen bei einer Teilnahme am Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau ihren Anfang nahm. Dementsprechend erfahren in dieser Einspielung auch Werke von Tschaikowskys Zeitgenossen Glasunow und Rimski-Korsakow liebevolle Zuwendung. Konzerte 5. Oktober, 16 Uhr,
6. Oktober, 11 Uhr, 7. Oktober, 20 Uhr