Verantwortung wiederentdecken

Kultur / 26.09.2019 • 21:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das von Konrad Paul Liessmann geleitete Philosophicum Lech findet bereits zum 23. Mal statt und ist auch heuer wieder ausgebucht. VN/Steurer
Das von Konrad Paul Liessmann geleitete Philosophicum Lech findet bereits zum 23. Mal statt und ist auch heuer wieder ausgebucht. VN/Steurer

Philosophicum gestartet: Leiter setzt auf aus Einsicht abgeleitete politische Handlungen.

Lech In einer pluralistischen Gesellschaft sei auch Platz für Eliten im Sinne von Funktionseliten, hielt Konrad Paul Liessmann, Leiter des Philosophicum, am Eröffnungstag im Gespräch mit den VN fest. „Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie“ lautet das diesjährige Thema. Wie schon im Bericht über den Vorabend mit Philosophicums-Mitbegründer Michael Köhlmeier dargelegt, erhält die Thematik nun im Vorfeld der vorgezogenen Nationalratswahl in Österreich besondere Brisanz. Dass die Vorstellung politischer und sozialer Eliten dem Konzept der Demokratie widersprechen könnte, ist dabei ein wesentliches Thema. Liessmann: „Ich denke, dass die politischen Funktionsträger bestimmte Eigenschaften haben sollen, etwa politisches Talent und Gerechtigkeitssinn, aber es sollte in einer Demokratie keine soziale Schicht geben, auf die das politische Amt beschränkt bleibt.“

Demokratische Kontrolle fehlt

Wenn wir es mit dem Phänomen zu tun haben, dass es politische Eliten gibt, die sich herausgebildet haben und immer wieder dieselben Mitglieder rekrutieren, dann wäre, so der Philosoph, Gefahr in Verzug. Er habe den Eindruck, dass sich in letzter Zeit eine Schicht herausgebildet hat, die wesentlichen Einfluss auf die Bevölkerung hat, aber kaum noch einer demokratischen Kontrolle unterliegt, das gelte für mehrere Bereiche und für die Finanzwirtschaft genauso wie für die Wissenschaft. Eine Verantwortung der Wissenschaft der Gesellschaft gegenüber werde erst jetzt wiederentdeckt. „Kritisches Beleuchten und Hinterfragen, das ist Aufgabe der Philosophie. Daraus kann bestenfalls Klarheit entstehen, Einsicht entstehen, und aus der Einsicht folgen Handlungen.“

Referenten sind Philosophen, Publizisten und Schriftsteller wie Alexander Grau, Wolfram Eilenberger, Katja Gentinetta, Isolde Charim, Lisa Herzog, Jan-Werner Müller und Christian Neuhäuser sowie der Soziologe Michael Hartmann. Liessmann: „Ich habe mich bemüht, Referenten einzuladen, die durchaus kontroverse Positionen vertreten, die dadurch ausgewiesen sind, dass es in diesen Debatten um Demokratie, Gerechtigkeitskonzepte oder die Fragen, wie unmoralisch Reichtum ist, geht. Kann es in einer Demokratie eine Herrschaft der Verdienstvollen geben? Was bedeutet die populistische Versuchung für unsere Gesellschaft? Das sind zentrale Fragen.“

Wichtigste Aufgaben

Die Abwesenheit von Bundespolitikern, die in den letzten Jahren als Eröffnungsredner in Lech vertreten waren, aufgrund der innenpolitischen Turbulenzen in den vergangenen Monaten verstand Bürgermeister Ludwig Muxel durchaus positiv zu werten. Er erwartet sich bei diesem 23. Philosophicum einen Diskurs entfernt von der Tages­politik in Vorwahlzeiten.

Im Zusammenhang mit der Elite- und der Populismusdiskussion trat Landesstatthalter und Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser in seiner Ansprache für ein positives Elite-Verständnis ein. Das Bücherregal im Wohnzimmer dürfe, wie es der Schriftsteller Michael Köhlmeier einmal in einem klugen Essay darstellte, nicht zum verspotteten Markenzeichen der Eliten werden. Er warnte angesichts einiger handelnder Protagonisten vor der Aushöhlung der Demokratie. Dieser zu begegnen, sei eine der wichtigsten Aufgaben in der Gegenwart. „Das Philosophicum Lech soll dazu beitragen, dieses Bewusstsein zu schärfen.“

„Problematisch wird es, wenn Einflussreiche ohne demokratische Kontrolle agieren.“

„Das Aushöhlen der Demokratie zu verhindern, zählt zu den wichtigsten Aufgaben.“

Das Philosophicum Lech zum Thema „Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie“ findet noch bis 29. September statt: www.philosophicum.com