Aus Liebe zur literarischen Gattung

Kultur / 27.09.2019 • 18:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die MärchenMichael KöhlmeierBilder von Nikolaus HeidelbachVerlag Hanser816 Seiten

Die Märchen

Michael Köhlmeier

Bilder von Nikolaus Heidelbach

Verlag Hanser

816 Seiten

Michael Köhlmeier reichert den Bücherherbst mit Besonderem an.

Märchen Deutungen von Märchen würden wohl mehr über den Menschen aussagen, der sie erstellt als über die Märchen selbst. Das hat der Schriftsteller Michael Köhl­meier einmal so festgehalten und an das hält man sich gerne beim Lesen eines Buches, das eine Besonderheit in der Reihe der Neuerscheinungen darstellt. „Die Märchen“, herausgebracht vom Verlag Hanser, enthält nämlich insgesamt 151 der so bezeichneten Texte, Erzählungen oder auch Nacherzählungen aus subjektiver Perspektive. Über 800 Seiten hat der Band. Die dunklere Jahreszeit mit ihren längeren Abenden darf kommen. Wer lehnt sich in unserer schnelllebigen Zeit nicht gern zurück, kann sich angesichts der Abgeschlossenheit der einzelnen Märchen sicher sein, dass er niemals den Faden verliert und kann somit auch getrost den Lesegenuss vor jegliche Deutungsabsicht stellen. Dem moralisierenden Gehalt mancher Volksmärchen trachtet der Schriftsteller nicht nachzuahmen. Er ahmt überhaupt nichts nach, zügelt bei diesem Teil seines umfangreichen OEuvres, zu dem große, auf die europäische Geschichte oder die griechische Mythologie basierende Romane zählen, bloß seine Fabulierlust nicht. Gottlob tut er das nicht. Die Märchen – und seien sie zum Teil noch so dunkel gefärbt oder hebeln sie auch noch so viele Naturgesetze aus – bieten das, was Lesern selten zuteil wird, nämlich Spaß.

Natürlich geht es bei Köhlmeier auch ab und zu um Gut und Böse und natürlich gewinnt Letzteres nicht wirklich Oberhand, der Fabulierer ist kein Fantast, er erfindet gerne Geschichten. Er habe schon als Kind immer gerne Märchen gehört und gelesen und an dieser Leidenschaft lässt er die Leser nun teilhaben. Ja, viele dieser Geschichten haben sich in Österreich zugetragen und dass die Lecher alle einer ganz besonders wilden Nacht entstammen, in der die Feen vom Omeshorn herabgestiegen sind und den Männern den Kopf verdrehten, auch das wird man gerade im Ort, wo sich auch aufgrund seiner Initiative nun jährlich hochrangige Geisteswissenschaftler beim Philosophicum treffen, höchstwahrscheinlich gerne lesen. Letztlich ist der Mensch ein kommunikatives Wesen und die Sprache das wichtigste Ausdrucksmittel. Nikolaus Heidelbach hat die Märchen tiefgründig illustriert. Unheimliches scheut Köhlmeier nicht, aber wie viele Geister hier auch immer ihr Unwesen treiben mögen, Humanität und Empathie sind Begriffe, die dabei nie aus den Augen verloren werden. VN-cd