Ja zu Eliten, Nein zu Autoritäten

Kultur / 27.09.2019 • 21:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Philosophin und Laudatorin Barbara Bleisch, Tractatus-Preisträgerin und Philo­sophin Lisa Herzog, Philosophicum-Leiter Konrad Paul Liessmann. florian lechner
Philosophin und Laudatorin Barbara Bleisch, Tractatus-Preisträgerin und Philo­sophin Lisa Herzog, Philosophicum-Leiter Konrad Paul Liessmann. florian lechner

Tractatus-Preis an Sozialwissenschaftlerin Lisa Herzog im Rahmen des Philosophicum Lech verliehen.

Christa Dietrich

Lech Für ihr Buch „Die Rettung der Arbeit“ wurde die deutsche Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Lisa Herzog gestern Abend im Rahmen des Philosophicum Lech mit dem Essay-Preis Tractatus ausgezeichnet, der von einer prominent besetzten Jury erstmals einer Wissenschaftlerin zugesprochen wurde. Im Sinne der zentralen Fragestellung der Philosophie, nämlich was eine gerechte Gesellschaft ausmacht, beschäftigt sie sich mit der Zukunft der Arbeitswelt, wobei sie beispielsweise der Demokratisierung der Arbeitsstrukturen positive Aspekte abgewinnen kann.

Teilhabe verlangt Bildung

In kleineren Unternehmen sowieso, aber auch in größeren Firmen beginne man bereits über solche Strukturen nachzudenken, erläutert sie ihre Untersuchungen im Gespräch mit den VN. Manches sehe vielversprechend aus, durch die neuen Medien bekomme ein Gegenargument, nämlich dass Abstimmungen zu teuer sind, weniger Gewicht. Herzog: „Wir sind nicht kurz davor, aber es ist eine Richtung, in die wir uns bewegen sollten. Wenn diejenigen, die die Arbeit leisten, stärker mitsprechen, können sie sich dafür einsetzen, dass es gute Arbeit ist und dass es nicht nur um Gewinnmaximierung geht.“ Die jüngere Generation fordere solche Strukturen bereits stärker ein, ansonsten gelte es in Machtfragen natürlich noch dicke Bretter zu bohren. Teilhabe verlangt selbstverständlich auch Weiterbildung. Die Bereitschaft sei gegeben, wenn die Menschen erfahren, dass sie sich dann in der Tat einbringen können, hat Lisa Herzog (geb. 1983 in Nürnberg) festgestellt. Man müsse sich jedenfalls bei der Gestaltung der Zukunft der Arbeitswelt Fälle ansehen, wo eine stärkere Demokratisierung bereits funktioniert. In Ländern, in denen vieles der Märktedynamik überlassen wird, entwickelten sich hingegen Strukturen, die mit europäischen Werten nicht mehr zu vereinbaren sind.

Dass etwa die Sozialpartnerschaft auch in Österreich in früheren Jahren bereits stärkere Verankerung erfahren habe als in der Gegenwart, skizzierte Isolde Charim, die letzte Referentin des gestrigen Philosophicum-Tages zum Thema „Eliten und Demokratie“. In ihrer entsprechend differenzierten Darlegung des unterschiedlichen Verhaltens von Eliten, die gegebenenfalls ein Politikerbashing zu verantworten haben und damit selbst das System der Demokratie aushöhlen, kommt die bekannte österreichische Philosophin und Publizistin zum Schluss, dass egalitäre Gesellschaften erfolgreicher sind. Dass der Verzicht auf Autoritäten allerdings einen umfassenden Lernprozess voraussetzt, dem sich alle zu unterziehen haben, steht außer Frage. Die stets eingeforderte Teilhabe ist nichts für Bequeme.

„In Firmen beginnt man über Demokratisierung der Arbeitsstruktur nachzudenken.“