Kunstpreis des Landes Vorarlberg geht an „tOmi“ Scheiderbauer

Kultur / 27.09.2019 • 20:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Thomas „tOmi“ Scheiderbauer mit Arbeiten seines Vaters Curt im Künstlerhaus in Bregenz.M. Gmeiner
Thomas „tOmi“ Scheiderbauer mit Arbeiten seines Vaters Curt im Künstlerhaus in Bregenz.M. Gmeiner

Ein wichtiger Beitrag für Auseinandersetzung und Dialog.

Bregenz Die Jury hat dem 58 Jahre alten Künstler Thomas (tOmi) Scheiderbauer aus Hard den Internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg zugesprochen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Landesrat Christian Bernhard betont, dass der Preisträger „in seinem Lebenswerk konsequent brisante Themen wie beispielsweise Flucht- und Armutsmigration aufgreift: ein wichtiger Beitrag für Auseinandersetzung, Dialog und gesellschaftliche Entwicklung.“

Die international besetzte Jury, besetzt mit Carina Jielg (A), Ulrike Shepherd (D), Ursula Badrutt-Schoch (CH), Friedemann Malsch (FL), Maria Simma-Keller (A) und Winfried Nußbaummüller (A), hat sich einstimmig für den Vorarlberger Künstler ausgesprochen. Jurymitglied Carina Jielg hob hervor: „tOmi Scheiderbauer ist ein Künstler, den die Welt zutiefst interessiert und für den die Kunst Mittel ist, um diese Welt und was sie im Inneren zusammenhält zu verstehen. Um Visionen, Vorstellungen, Fragen zu visualisieren oder zum ‚Laufen‘ zu bringen, um zu interagieren, um zu kommunizieren, um zu existieren. Das war so, als er mit der Künstlergruppe c a l c ein spanisches Dorf vor dem Verfall rettete oder als er ein interaktives Spiel für Israel und Palästina entwickelte, und das ist heute so, wenn er die süditalienische Stadt Lecce gemeinsam mit Geflüchteten künstlerisch neu vermisst.“

„Durch den Preis sollen die Fülle und die Bedeutung des Kunstschaffens im Bodenseeraum und den Nachbarländern Vorarlbergs vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht und die Bildende Kunst gefördert werden“, erklärte Winfried Nußbaummüller, Kulturabteilungsvorstand im Amt der Vorarlberger Landesregierung. Die letzten Kunstpreise gingen 2017 an die Schweizerin Loredana Sperini, 2015 an Maria Anwander und 2013 an Ingo Springenschmid (beide aus Vorarlberg).

Künstler ohne Grenzen

Thomas bzw. „tOmi“ Scheiderbauer wurde 1961 in Hard geboren und wuchs in Bregenz und Kennelbach auf. Nach einer Ausbildung zum Fotografen besuchte er die Meisterklasse der Höheren Technischen Lehranstalt in Wien sowie die Audiovisuelle-Kunst-Klasse an der Universität Basel. Scheiderbauer war Initiator und Gründungsmitglied des Atelierkollektivs VIA in Basel (1989 zusammen mit Muda Mathis, Pipilotti Rist, Käthe Walser u. a.). Anschließend arbeitete er, gemeinsam mit Teresa Alonso Novo, Adel Hozayin sowie Maria und Sharif al Ghamrawy in Kairo und auf der Halbinsel Sinai am Konzept und an der Realisierung von Atelierhäusern. 1991 kam es zur Gründung des Künstlerkollektivs „c a l c“ (zusammen mit Teresa Alonso Novo, Lux Brunner und Malex Spiegel) und zur Realisierung einer interaktiven Infraskulptur während zwölf Jahren in Las Aceñas an der nordwestspanischen Atlantikküste. In Sevilla arbeitete er fünf Jahre mit Teresa Alonso Novo und dem Architektenkollektiv lapanaderia zusammen. 1998 begann eine intensive siebenjährige Kooperation mit Michelangelo Pistoletto: Konzeption und Realisierung der Cittadellarte sowie der UNIDEE (Università delle Idee, gemeinsam mit Teresa Alonso Novo) in Biella. Scheiderbauer lebt und arbeitet seit zehn Jahren im süditalienischen Lecce. Als Künstler ohne Grenzen, setzt er sich dabei intensiv mit der Flucht- und Armutsmigration auseinander. Es kommt dabei zu diversen Gemeinschaftsprojekten mit und für Geflüchtete, wie z. B. NessunConfine, LECCEBILITÀ oder Cucina Cosmoculinaria. MUTTERMUSTER nennt Scheiderbauer seine jüngste Arbeit im neuen Eingangsbereich im LKH Feldkirch.

„Scheiderbauer ist ein Künstler, für den die Kunst Mittel ist, um diese Welt zu verstehen.“