Gerald Matt

Kommentar

Gerald Matt

Vienna Contemporary – ein Leuchtturm?

Kultur / 01.10.2019 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kunstmessen sind von existenzieller Bedeutung für Kunststandort und Kunstszene. Sie bilden mit Künstlern, Museen, Kunsträumen, Sammlungen, Akademien, Universitäten, Kritikern, Kuratoren und Galerien jene Kraftfelder, die eine Kunstszene stark und international konkurrenzfähig machen. Wien hat nun seit vielen Jahren eine Kunstmesse, die seit ihren Anfängen ein wahrnehmbares Zeichen für die Vitalität der Wiener Kunst- und Galerienszene setzt. Wer die Vienna Contemporary in der historischen Marxhalle besucht, kann sich in relativ kurzer Zeit in einer wunderschön arrangierten Leistungsschau einen Überblick über die Wiener Galerienszene verschaffen. So weit, so gut. Nein. Denn so außergewöhnlich und architektonisch beeindruckend der Standort und so bemüht sich die neue dynamische Leiterin auch zeigt, die Messe kämpft nach wie vor um die für Reputation und Standing existenzielle Nachfrage international relevanter Galerien und Kunsthändler.

Selbst österreichische Stargaleristen wie Thaddeus Ropac müssen Jahr für Jahr auf ein Neues gebeten werden, auf einer für sie ökonomisch wenig interessanten, nur zusätzlichen Aufwand bedeutenden Messe teilzunehmen. Selbst die wichtigsten Galerien Osteuropas wie Raster oder Foksal kehrten der Messe längst den Rücken und können durch Junggalerien aus dem Osten nur schwerlich ersetzt werden. Auch die bis heute auf die Fahnen geschriebene Idee, eine Brücke zu Osteuropa bilden zu wollen, bedarf der Revitalisierung.  Der eiserne Vorhang existiert längst nicht mehr und die Kunstszene von Städten wie Warschau, Prag oder Budapest floriert. Doch den Künstlern aus den ehemaligen Oststaaten geht das Etikett Ostkünstler längst auf die Nerven. Vielversprechender scheint vielmehr das eingeschlagene Konzept, eine Messe der Entdeckungen zu sein, junge noch erschwingliche Künstler frühzeitig zu zeigen und damit auch Trends vorzuzeichnen. Dem widerspricht jedoch die allzu museale Ausrichtung des „Exploration Programmes“.  Eine Messe muss nicht in den Wettbewerb treten mit Museen und Ausstellungshallen. Ihr Erfolg wird nicht am Lob des Feuilletons und der Kunstkritik gemessen, sondern letztlich ausschließlich an ihren Umsatzzahlen. 

War die Messe als Viennafair anfangs auch mit der Teilnahme von westlichen Topgalerien erfolgreich, so blieben diese zunehmend aus.  Die Hoffnungen, nach der Übernahme durch einen russischen Investor mit einer russischen Großkundenoffensive belohnt zu werden, gingen nicht auf. Ebenso fanden bisher Versuche, die Stadt zu einer über Marxhalle hinausreichenden finanziellen Unterstützung zu bewegen, fehl.  Auch in Paris, London oder Madrid werden Kunstmessen als wichtiger Beitrag zur kulturellen Infrastruktur einer Stadt gefördert. Ja, aber dann mit einem dauerhaften, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten finanziellem Engagement und dies eingebettet in ein städtisches Kulturkonzept, das mit Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt verbunden ist. Ein Kunststandort bedarf einer Messe, eines Leuchtturms für den Kunststandort und -markt. Hier steht nicht das Was zur Disposition, nur das Wie. Dies gilt im Übrigen auch für die Art Bodensee in Dornbirn.