Vom Mausbären, der auf Konventionen preift

Kultur / 01.10.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Arbeit aus dieser Reihe von Cäcilia Falk wurde auch im Rahmen des diesjährigen Hypo-Kunstpreises angekauft. VF

Künstlerin Cäcilia Falk bringt ein besonderes Wesen in die Villa Claudia.

Feldkirch „Der Mausbär hat einfach an die Tür geklopft und ist nicht mehr gegangen“, erzählt Cäcilia Falk, die Vorarlberger Künstlerin, geb. 1963, die es aus dem Bregenzerwald zunächst nach Wien, dann nach Italien und Paris und schließlich wieder nach Wien gezogen hat. Zu sehen sind ihre Arbeiten derzeit in einer Ausstellung der Vereinigung Kunst.Vorarlberg in der Feldkircher Villa Claudia. Sie sind sehenswert. Aber zunächst zum Mausbär an sich. Der ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine Mischung aus Bär und Maus. Die lange Schnuppernase hat er eher von der Maus, das runde Gesicht und die knuffigen Ohren vom Bären. Kurzum: Der Mausbär fällt aus allen Gattungen, lässt sich nicht fixieren und pfeift auf jede Konvention. Frech ist er und das ist gut, denn so bewohnt er Arbeiten wie „Freundschaft“, „Babuschka“ oder „Jeder hört seine eigene Symphonie“.

Daneben versammelt Cäcilia Falk eine Reihe weiterer Arbeiten, die ohne Titel der Fantasie und der Kreativität der Betrachtenden freien Lauf lassen. Sie durchbricht die Zeitebenen, versammelt Elemente, Symbole, Zeichen und Ereignisse aus der nahen und fernen Vergangenheit und macht auch vor dem Träumen einer Zukunft nicht halt. Sie mache das, was man – wenn man sich streng an die Regeln der Kunsttheorie halten würde – überhaupt nicht machen darf: Sie mischt. Da ist ein bisschen Aquarell, da wird es abstrakt, dort konkret und dazwischen schiebt sich beispielsweise ein reich bestücktes Blumenornament. Die Berge und die Farben des Hochtannberggebiets und des Bregenzerwaldes, wo sie aufgewachsen ist, waren hier eine zeitlang sehr wichtig.

Aus der Reihe tanzen

Sie blitzen auch heute noch in der einen oder anderen Arbeit durch. Oft sei es so, dass ihre Bilder eine innere Entwicklung und Veränderung schon vorwegnehmen. So erzählt die Arbeit „Jeder hört seine eigene Symphonie“ eben auch davon, wie schön es doch ist, in der Wiese zu liegen und den Himmel über sich zu betrachten. Sie spricht aber auch davon, wie wenig Zeit den meisten heute dafür bleibt. Jeder kennt die Babuschka-Püppchen. Immer noch kleiner werden die Figürchen von Schicht zu Schicht. Cäcilia Falk reiht sie auf, so, dass sie wie die Abfolge verschiedener Generationen wirken. Während die am längsten zurückliegende Generation fast schon ins Geisterhafte abdriftet und dennoch ihren langen Schatten auf die Nachkommenden wirft, schert sich der Kleinste – ein Mausbärchen – nicht um Erwartungen und Ansprüche und tanzt aus der Reihe. Richtig freigestrampelt hat sich der Mausbär dann in den jüngsten Arbeiten Falks, dort springt er nämlich Seil und zwar so hoch und so weit in die Wolken hinein, wie es eben nur geht. Eine Arbeit aus dieser aktuellen Reihe zählt auch zu den Kunstankäufen der Hypo Vorarlberg. Gearbeitet wird übrigens auf Leinwand oder Holz, manchmal auch auf Papier.

Cäcilia Falk hat einmal gesagt, dass es ihr darum gehe, zu entdecken, was schon da ist, was man vielleicht übersieht oder vergessen hat. Das gelingt ihr. Veronika Fehle

Geöffnet bis 27. Oktober, Fr, 16 bis 18 Uhr; Sa, 15 bis 18 Uhr; So, 10 bis 12, 15 bis 18 Uhr; Villa Claudia, Feldkirch (Bahnhofstraße 6) und in der Langen Nacht am 5. Oktober.