Der Popcorn-Duft weist den Weg

Kultur / 02.10.2019 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Museumsmitarbeiter Kurt Moll und Operator Martin Fleisch haben schon einmal auf den nostalgischen Stühlen Platz genommen.VN/Paulitsch
Museumsmitarbeiter Kurt Moll und Operator Martin Fleisch haben schon einmal auf den nostalgischen Stühlen Platz genommen.VN/Paulitsch

So unterhaltend wie anspruchsvoll: Vorarlberger Museumswelt wird um ein Kino erweitert.

Frastanz Blockbuster oder überwiegend unterhaltende und actionreiche Filme werden landläufig als Popcorn-Kino bezeichnet. Wenn im neuen Kinomuseum im Areal der Vorarlberger Museumswelt in Frastanz nun auch ein Gerät steht, das aus harten Maiskörnern fluffiges Knabbergebäck erzeugt, dann heißt das nicht, dass die Betreiber das Anspruchsvolle ausklammern. „Das Popcorn gehört einfach dazu“, erklärt Kurt Moll. Ist der ehrenamtlich tätige Museumsmitarbeiter doch auch stolz darauf, ein nostalgisches Gerät aufgetrieben zu haben. Erst einmal in Gang gesetzt, verströmt der Inhalt jenen angenehmen Duft, der den Besuchern wohl auch den Weg weist. Denn das Areal der Museumswelt ist groß. Obwohl nur an zwei Nachmittagen in der Woche und für jeweils angemeldete Gruppen auch darüber hinaus geöffnet, kommen pro Jahr über 10.000 Besucher. Die Themen Elektrizität, Feuerwehr, Rettung, Jagd und Tabak sind entsprechend attraktiv, in Frastanz wird im Allgemeinen das gezeigt, was über Jahrzehnte von Privatpersonen gesammelt sowie gehegt und gepflegt worden ist.

Zum Ton das Bild

Zuletzt kam ein Grammophonicum hinzu. Der Phonograph oder das Grammophon galten Reinhard Häfele als begehrte Objekte, die er zur Verfügung stellte. Tonaufnahmen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückzudatieren sind, zeugen einerseits vom Erfindergeist und andererseits von der Verbreitung der Pop-Kultur. Nun sind zu den Tönen Bilder hinzugekommen. Im neuen Kinomuseum, das in der Langen Nacht der Museen, also am 5. Oktober, ab 18 Uhr, erstmals öffentlich zugänglich ist, gibt es selbstverständlich nicht nur Mobiliar zu begutachten, das bis in die 1940er-Jahre zurückreicht, es werden neben neu produzierten Streifen auch alte 35-mm-Filme gezeigt. Man habe bereits einen Stapel angehäuft, macht Kurt Moll Lust auf einen Besuch. Dabei ist auch ein Dokumentarfilm über den Bau des Obervermuntwerks. Zudem wird die beliebte Kino-vor-Ort-Reihe, in der die Gemeinde Frastanz Filme zeigt, die im Allgemeinen nur in Programmkinos bzw. von Filmklubs angeboten werden, im neuen Kinomuseum etabliert. Die Räumlichkeiten sollen somit auch ein Ort des Austausches werden. Knapp 30 Personen finden in den Polsterstühlen oder in den Holzklappsesseln

Platz, die aus aufgelassenen

Kinos zusammengetragen

wurden. Filmliebhaber sind außerdem meist recht sportliche Zeitgenossen. Auf Sitzkissen die Treppenstufen so weit zu füllen, wie es die sicherheitstechnischen Auflagen erlauben, das kennen die Besucher ohnehin von verschiedenen Kultur­initiativen, es wird also Platz sein für den Ansturm.

Schmal und hoch

Architektin Ursula Ender stand nämlich vor einer ziemlichen Herausforderung, als klar war, dass ein nur wenige Meter schmaler, dafür aber sechs Meter hoher und relativ langer Raum zur Verfügung steht und somit zu gestalten ist. Das steile Stück, das sie kreiert hat, bietet nicht nur gute Sicht auf die Kinoleinwand, sondern auch eine angenehme Atmosphäre. Je nach Sitzreihe fühlt man sich um Jahrzehnte zurückgebeamt, die Enge hat etwas Heimeliges und nachdem gerade kleine Kinos aufgrund technischer Entwicklungen fast überall nach und nach geschlossen werden, bietet Frastanz auch einen Ort der Erinnerung, an dem je nach Programm die Gegenwart und der Blick in die Zukunft nicht ausgeschlossen sind. Die Errichtung eines Fotomuseums wurde übrigens schon ins Visier genommen.

„Auch einen riesigen Stapel mit 35-mm- Filmen halten wir für die Besucher parat.“

Geöffnet in der Langen Nacht der Museen, 5. Oktober, 18 bis
1 Uhr, am Mittwoch und Samstag, 13 bis 17 Uhr, nach Anmeldung und bei Veranstaltungen: museumswelt.com