Die große Welt im kleinsten Raum

Kultur / 02.10.2019 • 18:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Neben Heinrich Trixner in der Hauptrolle spielt die Vorarlbergerin Maria Fliri in „Nobadi“. epo Film/Domenigg
Neben Heinrich Trixner in der Hauptrolle spielt die Vorarlbergerin Maria Fliri in „Nobadi“. epo Film/Domenigg

Karl Markovics führt in „Nobadi“ zwei Männer aus verschiedenen Welten zusammen.

Drama Es ist die große Welt im kleinsten Raum, die Karl Markovics aufspannt. In seiner dritten Regiearbeit „Nobadi“ lässt der Filmemacher einen alten Nazi und einen jungen Geflüchteten in einem Kammerspiel aufeinandertreffen. Im Zentrum steht der 90-jährige Heinrich Senft (Heinrich Trixner), der in seiner Gartenlaube lebt und dessen Hund soeben verstorben ist. Und der am Arm seine SS-Blutgruppentätowierung hat. Als er daran scheitert, für seinen letzten Begleiter eine Grube im Garten auszuheben, engagiert er für miserable drei Euro die Stunde den jungen Afghanen Adib Ghubar (Borhanulddin Hassan Zadeh in seiner ersten Filmrolle), der ihn um Arbeit anhaut. „Was kostest du?“, lautet die ein Menschenbild verratende Frage.

Archetypen

Das Reizvolle wie das Irritierende an Markovics‘ Inszenierung ist, dass sie zwischen der beinahe naturalistischen Sozialstudie zweier Männer aus verschiedenen Welten und dem Charakter einer rein symbolbeladenen Parabel changiert. Die Charaktere, die über weite Strecken das Werk alleine tragen, bleiben doch stets Archetypen. Der eine hat die Zukunft hinter sich, der andere wohl keine mehr vor sich. Es geht um Schuld und die Suche nach Erlösung, zwei Antipoden, die zunächst im starren Gut und Böse aufeinandertreffen, eine schematische Struktur, die allerdings im Fortgang der Erzählung aufweicht. Beide waren im Lager, und beide tragen Tätowierungen. Der eine von der SS, ein Trauma, das er sublimiert in sein Verhältnis zum Geflüchteten. Der andere hat „Nobadi“ am Arm stehen – seinen Rufnamen im Nato-Militärlager in Afghanistan, wo er als Übersetzer gearbeitet hat. So entledigen sich die Soldaten der Verantwortung, sollte einer der einheimischen Helfer zu Tode kommen: „Nobody has died“.

Markovics will mit seinem Werk das Kondensat eines Zeitpanoptikums schaffen, das auf den Umgang der westlichen Welt mit der Migrationsbewegung und die verdrängte Nazivergangenheit reflektiert. Dies wird relativ nüchtern durchexerziert, voller Versatzstücke der abendländischen Symbolik wie der Odyssee, verdrängter Schuld, die ausgegraben wird, mit Wurzelwerk, das sich verkeilt.

Nobadi

Regie Karl Markovics

Darsteller Heinz Trixner, Borhanulddin Hassan Zadeh, Maria Fliri, Sven Sorring, Simone Fuith, Konstanze Dutzi, Julia Schranz, Edi Jäger

Start 4. Oktober