Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 03.10.2019 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Daniel Barenboim, Klavier, Michael Barenboim, Violine, Kian Soltani, Violoncello

ALBUM Mozart: Piano Trios

LABEL DG (2 CD)

Mozarts Kammermusik mit Klavier hat der Dirigent Daniel Barenboim in seiner Parallelfunktion als Pianist stets besondere Beachtung zukommen lassen. So ist auch seine CD-Veröffentlichung mit Mozarts Klavierquartetten keine Eintagsfliege geblieben, sondern hat auf einem Doppelalbum mit dessen Klaviertrios nun einen Nachfolger gefunden. Dass bei dieser Einspielung an den weiteren Pulten neben Sohn Michael als Geiger auch unser Vorzeige-Cellist Kian Soltani aus Bregenz erneut seinen Platz gefunden hat, beweist, wie sehr er bereits in Barenboims „Stall“ integriert wurde. Es ist dies eine weitere von vielen anspruchsvollen Aufgaben, mit denen der Maestro seinen Vorarlberger Schützling auf internationalem Terrain fordert und fördert. In dieser Einspielung leuchten die Drei ganz ohne Generationenproblem auf Augenhöhe diese sechs Meisterwerke in einem transparenten Klangbild aus – Mozart vom Allerfeinsten!

KÜNSTLER Francesco Piemontesi, Klavier
ALBUM Schubert: Letzte Sonaten
LABEL PENTATONE (2 CD)

Sie sind ein besonderes Gespann, Schuberts letzte drei Klaviersonaten in c-Moll, A-Dur und B-Dur, unter Klavierkünstlern ebenso gefürchtet wie die „Winterreise“ in Sängerkreisen. Einer, der sich nicht zuletzt bei mehreren Schubertiade-Auftritten für dieses Mammutprojekt qualifiziert hat, ist der Tessiner Francesco Piemontesi – ein Name wie eine italienische Opernarie. Für ihn sind sie das Existenziellste der Klavierliteratur. Er bewegt sich dabei absolut sicher zwischen Intellekt und einer gesunden Naivität, perfekt temperiert aus Leichtigkeit und Tiefgang und mit einer Neugier, als hätte er die Musik eben erst entdeckt. Kenner warten denn auch nicht vergeblich auf das Adagio der ersten Sonate, in der vor lauter Schönheit die Zeit stehenzubleiben scheint, oder auf die bedrohlich tiefen Triller in der B-Dur-Sonate, die deren Gefüge gefährlich ins Wanken bringen. Konzert 7. Oktober, 20 Uhr, Schubertiade Hohenems.

KÜNSTLER Sebastian Manz, Klarinette, Sebastian Studnitzky, Klavier
ALBUM A Bernstein Story
LABEL Berlin Classics/EDEL KULTUR

Sebastian Manz hat sich 2017 bei uns als eloquenter Klarinettenkünstler mit dem Symphonieorchester Vorarlberg eingeführt, bevor er als quirliger Moderator, kluger Arrangeur und überlegener Solist zur künstlerischen Leitfigur des jungen :alpenarte-Festivals in Schwarzenberg wurde. Sein neues Album vermittelt etwas von der genreübergreifenden Ungeniertheit dieses Musikers, wenn er in gemeinsamen Arrangements mit seinem Pianisten Sebastian Studnitzky die weltumspannende Musik Leonard Bernsteins genau dort ansiedelt, wo sie auch herstammt, nämlich bei Klassik und Jazz. Das erschließt ein Spannungsfeld aus vielfältigen Eindrücken auch anderer Komponisten, mit einer Leidenschaft, an denen wohl Lenny himself seinen Spaß gehabt hätte. Im Januar spielt Manz erneut als Solist mit dem SOV. alpenarte-Festival Schwarzenberg: 10. bis 13. Oktober, Angelika-Kauffmann-Saal

KÜNSTLER Marie Spaemann, Cellistin, Singer-Songwriterin
ALBUM GAP

LABEL Anthropoet/Hoanzl

Zur kleinen Sensation beim :alpenarte-Festival dürfte heuer wohl die Wahl der „Intendantin in Residence“ werden, mit der die Veranstalter erstmals in Bereiche der musikalischen Jugendkultur vorpreschen und damit etwas jünger werden. Die 31-jährige attraktive Marie Spaemann, eine Wienerin mit afrikanischen Wurzeln, vereint in ihrer Musik Elemente aus einer klassischen Cello-Ausbildung mit Bach-Bezug und ihrer bluesigen Gospel-Stimme als Singer-Songwriterin, mit klugen Texten und sanfter Elektronik. Eine faszinierende Musikerpersönlichkeit, die aktuelle Strömungen aus der Jazz- und Popwelt sehr individuell behandelt und zu etwas einzigartig Eigenem bündelt, das in seiner Besonderheit nur schwer in unser Schubladendenken einzuordnen ist. Jedenfalls verspricht ihr aktuelles Album „Gap“ (Kluft, Graben) faszinierende Eindrücke für das Festival! Konzert in Schwarzenberg: 12. Oktober, 17 Uhr