Wie ein Schiff zu einem Euter kommt

Kultur / 03.10.2019 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Arbeit von Barbara Anna Husar: Die Postkartenidylle mit Schiff und Ballon schärft den Blick für Themen, die mit der Skulptur der Künstlerin angestoßen werden. HUSAR

Motorschiff Österreich wird ab der Langen Nacht der Museen auch zu einer Ausstellungsplattform.

Christa Dietrich

hard Art déco, also eine in mehrere Bereiche des Lebens hineinreichende Kunstgattung, die sich vor rund 100 Jahren etablierte, mit der Kunst der Gegenwart in Einklang zu bringen, dieses Unterfangen wird nun auf der MS Österreich deutlich werden. Das Motorschiff aus dem Jahr 1928 soll in zeitlich lockerer Abfolge immer wieder einmal als Kunstplattform fungieren. Garant für die Qualität des Vorhabens ist der Vorarlberger Galerist Maximilian Hutz, der bereits am Start beteiligt ist.

Während im Rahmen der Langen Nacht der Museen am 5. Oktober an Bord des am Harder Bodenseeufer verankerten Schiffes Editionen von Gottfried Bechtold und Anna Barbara Husar zu begutachten sind, soll sich auch am Nachthimmel darüber einiges abspielen. Husar, vor Jahren bekannt geworden als Kosmopolitin, die sich in ihren Installationen, Malereien und Zeichnungen etwa mit der Kultur der Beduinen auseinandersetzte und deren Respekt vor der Natur thematisierte, ließ vor rund einem Jahr erstmals einen Euter-Ballon steigen. Gestartet beim von Dietmar Nigsch engagiert konzipierten Festival Walserherbst, ist der Ballon in der Tat bereits zum Signal geworden.

Wichtige Diskussionen befeuern

Offiziell zugelassen und fahrbar grenzt sich diese Skulptur von ähnlichen Objekten ab, die sich bei genauerer Betrachtung meist als reine Werbeflächen entpuppen oder den Spaßfaktor in den Vordergrund stellen. Mit der deutlich erkennbaren Euterform verwies Barbara Anna Husar ursprünglich auf Mechanismen in der Nutztierhaltung. Dass Lebewesen nach dem Grad ihrer Optimierungsmöglichkeiten eingestuft werden, diese Haltung müsse durchbrochen werden, erklärte Husar, die während ihres Kunststudiums in Wien bereits in Berührung mit dem Fachbereich Biologie und Medizin kam. Wertewandel, Nachhaltigkeit, Achtsamkeit sind Begriffe, die im Mittelpunkt jener Diskussionen stehen, die mit dem Auftauchen des Ballons befeuert werden. Dass ihre künstlerischen Arbeiten impulsgebend sind, habe sie konkret erfahren können. Zuletzt sind, wie sie berichtet, einige Organisatoren des Forums Alpbach auf sie zugekommen und haben Interesse an der Skulptur bekundet. Man wird sie demnächst auch in Bern sehen können. Zuletzt war Barbara Anna Husar mit ihrem Anliegen bei der Parallel Vienna, einer Messe für zeitgenössische Kunst in Wien, vertreten. Neben der engagierten Galeristin Lisi Hämmerle sorgte übrigens auch Maximilian Hutz dort für die Präsenz von Arbeiten Vorarlberger Künstler.

MS Österreich, Hafenstraße 15, Hard: Lange Nacht der Museen, 5. Oktober, ab 15 Uhr, Aufbau des Ballons, ab 19 Uhr, je nach Witterlungslage Aufstieg: langenacht.orf.at