Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Kultur politisch unwichtig

Kultur / 04.10.2019 • 19:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die neue EU-Kommission ist am Werden, die von den Nationen vorgeschlagenen Kommissarinnen und Kommissare werden derzeit vom EU-Parlament auf ihre Tauglichkeit getestet. Das Problem dabei: Die neue Kommissionspräsidentin, die Deutsche Ursula von der Leyen, hat keinen eigenen Kommissar für Kultur und Bildung mehr vorgesehen. Kultur soll unter dem Sammelbegriff „Innovation und Jugend“ von der Bulgarin Mariya Gabriel vertreten werden. Zu Recht hat das einen Aufschrei unter Kulturgruppen in ganz Europa ausgelöst. Ich fürchte, die Rufe werden verhallen und nichts bewirken.

Auch in Österreich ist eine neue Regierung am Werden. Noch ist nichts verteilt, in den nächsten Tagen werden erst die Gespräche für mögliche Koalitionen beginnen. Die bestimmende Rolle kommt nach dem Wahlsieg der ÖVP zu, sie kann wählen, mit wem sie regieren will. Nach solcher Klärung werden dann die Ministerämter verteilt. Und ich fürchte, dass die Schwarzen – egal, in welcher Koalition – wieder die Kultur für sich reklamieren werden. Gernot Blümel, der ja bereits Kulturminister war, hat trotz anderer zeitaufwendiger Verpflichtungen seine Freude an der Kultur entdeckt und wird wohl wieder am Minoritenplatz einziehen wollen. Als Wiener Vorzugsstimmenkaiser dürfte ihm sein Freund Sebastian Kurz diesen Wunsch sicher erfüllen. Ob sich auch die Kulturszene darüber freut, wage ich zu bezweifeln.

In Sachen Kultur ist auch in Vorarlberg alles unklar. Da hat zwar Landeshauptmann Markus Wallner – interessanterweise noch vor der bevorstehenden Landtagswahl – eine Regierungsumbildung bekannt gegeben, nachdem Karlheinz Rüdisser und Christian Bernhard ausscheiden werden. Bei Bernhard sprach man aber nur vom Gesundheitsressort, für das – wenn das mit der Wahl so ausgeht – in Zukunft Martina Rüscher die Verantwortung übernehmen soll. Vom zweiten Ressort, für das Bernhard zuständig war, von der Kultur, ist mit keinem Wort die Rede. Die Frage ist also: Ist Kultur nicht wichtig? Oder will man sich bedeckt halten über mögliche Veränderungen? Außer Rüscher kommt für die Kultur eigentlich nur noch Barbara Schöbi-Fink infrage. Fürchtet man da frühzeitigen Protest, nachdem Schöbi-Fink schon in ihrer bisherigen Verantwortung für die Bildung nicht gerade durch besondere politische Durchsetzungskraft – siehe Modellregion gemeinsame Schule – aufgefallen ist? Also: Man verschone die Kultur und gebe ihr keinen Notnagel, sondern die beste Referentin oder den besten Referenten, der denkbar ist!

„Man verschone die Kultur und gebe ihr keinen Notnagel, sondern die beste Referentin oder den besten Referenten, der denkbar ist!“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.