Superman am Piano

Kultur / 05.10.2019 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Oscarverdächtig: David Helbock verleiht den Kompositionen von John Williams auf seine eigene Art eine umfassende Präsenz. VN/HF

David Helbock verzaubert das Vorarlberg Museum mit einem Hauch von Hollywood.

Bregenz Steven Spielberg brachte es 1993 auf den Punkt. Als der Regisseur für sein Projekt Schindlers Liste bei seinem langjährigen Stammkomponisten John Williams um die Filmmusik anfragte, sagte dieser zu Spielberg, dass er für diesen Film wohl einen besseren Komponisten als ihn benötigen würde. Darauf antwortete Spielberg: „Ich weiß, aber die sind alle tot.“ Überflüssig zu erwähnen, dass die Filmmusik von Williams im Jahr darauf einen Oscar gewann. Es war bereits sein fünfter, bei bis heute 46 Nominierungen.

Williams Melodien sind Evergreens. Von den Star-Wars-Melodien über die Themen von Indiana Jones, Der weiße Hai und Harry Potter. Sie berühren die Menschen und setzen Assoziationen frei. Das weiß auch David Helbock, der sein viertes Soloalbum exklusiv dem Werk des berühmtesten Filmkomponisten unserer Zeit gewidmet hat.
Der gefeierte Pianist aus Altach ist an diesem Abend im Vorarlberg Museum gut eingespielt. Bereits seit Juli ist er auf einer Art „Never Ending Tour“, die ihn in den kommenden Wochen noch nach Griechenland, London und Israel führen wird. Er beginnt mit einer seiner vier Versionen von Hedwigs Theme (der gedämpften – sprich: Handtuch auf den Seiten), gefolgt von E.T., in einem an Dave Brubeck erinnernden Stil vorgetragen. Schon jetzt wird klar: Wenn Williams beim Komponieren nur halb so viel Spaß hatte wie Helbock beim Interpretieren, dann muss er ein glücklicher Mensch sein.

Beim nächsten Stück, einer Komposition aus „Saving Private Ryan“, kommen das ganze Piano sowie der ganze Pianist zum Einsatz, da werden die Seiten gestrichen, man ist musikalisch beim Blues angekommen. Aber das nur sehr kurz, denn das folgende Thema zu Superman kommt mit einer unwiderstehlichen, von der linken Hand repetierten Popminiatur daher. Wie der Hauptcharakter des Films scheint Helbock nun über sich hinauszuwachsen.

Originell schlägt Original

Den zweiten Teil des Programms startet Helbock wieder mit Harry Potter, fließend übergehend in Jurassic Park. Das Thema zu Schindlers Liste ist Helbocks Lieblingsstück, technisch ist diese Hürde hörbar nicht leicht zu meistern. Beim Block aus Star-Wars-Melodien kommt Tempo ins Spiel, als ob Helbock die Musik zu allen neun Filmen in zehn Minuten unterbringen möchte. Das klingt dann wie Ennio Morricone auf Speed, also sehr gut.

Sich solche Nummern zu eigen zu machen, das schafft nur ein wirklich guter Interpret. Da will man gar nicht mehr wissen, ob es ein Original gibt.
Auch in diesem Teil des Konzerts scheinen immer wieder Brubeck-Momente auf, teils fühlt man sich auch an die Klavierkompositionen von Modest Mussorgsky erinnert. Es ist dann aber doch wieder eine Version von Hedwigs Theme, die dritte, die swingige.

Die heiß erwartete Titelmelodie zu Indiana Jones gibt es erst als Zugabe, praktisch als Belohung fürs Publikum für den tosenden, berechtigten Applaus. Nach so viel Harry Potter ist es kaum verwunderlich, wenn man von dieser Darbietung ein klein wenig verzaubert nach Hause geht.

Nächster Termin für Jazz im Museum: Birds of a Feather, Donnerstag, 4. 11., 20 Uhr