Alles Gute, liebe Schurken

Kultur / 07.10.2019 • 20:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Demnächst ist das Ensemble Die Schurken aus Vorarlberg in Deutschland unterwegs, dabei sind Konzerte in der Elbphilharmonie in Hamburg. behrens
Demnächst ist das Ensemble Die Schurken aus Vorarlberg in Deutschland unterwegs, dabei sind Konzerte in der Elbphilharmonie in Hamburg. behrens

Wie Schurken Geburtstag feiern? Mit einem Konzert natürlich und viel Musik.

Götzis 15 Jahre ist es her, dass „Die Schurken“ – alias Stefan Dünser, Martin Schelling, Goran Kovacevic und Martin Deuring – als Musikvermittler und Ensemble durch die Lande ziehen. Ihre Markenzeichen dabei sind einerseits die mit Kontrabass, Klarinette, Trompete und Akkordeon doch etwas ungewöhnliche Besetzung, ihr Händchen dafür, wie Musik es schaffen kann, kindliche Ohren zu erreichen und vor allem zu begeistern, und natürlich ihr Sinn für Witz und Humor. Das durchzieht übrigens alle ihre Projekte, egal ob für Kinderohren oder für das ganz konventionelle Konzertpublikum. Und genau das ist es eben: Konventionell ist bei den Schurken gar nichts.

Ihren 15. feiern sie deshalb natürlich mit einem Konzert, aber eben nicht alleine, sondern sie haben sich Garufa, eine Tangoformation aus Südamerika, zum Fest eingeladen. „Wir sind ein bisschen wie ein Teenager. Wir sind ein Ensemble in der Pubertät“, eröffnete Stefan Dünser, seines Zeichens Schurken-Trompeter, den Konzertabend und erklärte dann auch gleich, dass sie sich entschieden hätten, nicht – wie angekündigt – ihr inszeniertes Konzert „Die Probe“ auf die Bühne zu bringen, sondern heute mit einem Best of der vergangenen 15 Jahre da seien. Auch bestens. Das war Musik in top Schurkenmanier, zu der man die vergangenen 15 Jahre einmal im Schnelldurchlauf wiedererleben konnte. Da hatte ein Purcell mit seiner „Fairy Queen“ genauso Platz wie Schostakowitschs Walzer aus der Jazz-Suite Nr. 2. Daneben stieß man auf Komponisten wie Murat Üstün oder auch Markus Nigsch. Und mittendrin, in den Logenplätzen quasi, hatten es sich die Herren Schurken mit ihren eigenen Arrangements gemütlich gemacht.

Drei Zugaben

Ein typisches Schurken-Konzert mit viel Humor und noch mehr Qualität. Denn eines muss man einfach sagen, die Herren beherrschen ihr Handwerk ausgezeichnet. Deshalb darf es auch nicht verwundern, dass das begeisterte Publikum die Musiker erst nach drei Zugaben in die Pause entließ.

Und danach, als wäre es kaum möglich, stand quasi mit Garufa der südamerikanische Cousin der Schurken auf der Bühne. Auch sie – Oscar Moreira, Ignacio Giovanetti, Felipe Medina und Alejandro Loguerico – Musiker bis in die Haarspitzen. Auch sie echte Stimmungskanonen, die sich nicht davor scheuen, wirklich gute Musik mit einem schelmischen Blick anzugehen, und auch sie musikalisch einfach eine Klasse für sich. Nach Götzis kam das Ensemble aus Richtung Wien. Deshalb hatten sie auch ein echtes Wienerlied im Gepäck – das herrlich die Sprachmelodie aus der Hauptstadt nachahmte, ohne auch nur den geringsten Sinn zu ergeben. Dann kam ein Tango, Astor Piazzolla durfte auch nicht fehlen, genauso wie ein Walzer im kreolischen Stil. Und zum großen Finale führten die vier Musiker, die manchmal auch ganz gern in die Rolle eines Sängers schlüpften, die beste Tangorette auf, die ihnen in ihrer Laufbahn begegnet war. Tangorette? Ja, das sei, so Garufa, eine Mischung aus Tango und Operette. Und so skurril wie sich das anhört, war es dann auch: herzhaft komisch!

Man solle die Feste ja feiern, wie sie gerade fallen. Das haben die Schurken mit Garufa beherzigt und gemeinsam in die Tat umgesetzt. Und wenn das der 15. Geburtstag war, dann darf man sich schon auf alle weiteren Anlässe freuen.

Die Schurken sind am 22. November mit „Satisfraktion“ in der Kulturbühne Schruns, am 13. Dezember geben sie mit Gabi Fleisch ein Weihnachtskonzert in Lauterach.