„Frauen stehen Männern in nichts nach“

Kultur / 08.10.2019 • 23:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Premiere der Operette „Die Fledermaus“ findet am Freitag in Götzis statt. Die musikalische Leitung hat Nikolaus Netzer inne. Barbara Herold inszeniert im Bühnenbild von Hartmut Holz. MTVO/LAMPELMAYER

Bei der „Fledermaus“ des Musiktheaters Vorarlberg ist der Frosch ganz selbstverständlich weiblich.

Christa Dietrich

Götzis In vielen Opern – Mozart bildet da mitunter eine Ausnahme – steigen die Frauen schlecht aus, sind am Ende tot, opfern sich oder werden verlassen. Die Hosen haben sie meist nur dann an, wenn es die Stimmlage erfordert, wenn sie also einen Mann verkörpern. In den Operetten verhalten sie sich in etwa gleich ungeschickt wie die Männer. Offenbach hat ihnen aber beispielsweise etwas mehr Grips zugemutet und auch Johann Strauß bzw. seine Librettisten. Wenn Barbara Herold, bekannt von anspruchsvollen, aber durchaus auch witzigen Theaterproduktionen, in denen es gelegentlich um althergebrachte Rollenbilder und deren Korrektur geht, nach „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach beim Musiktheater Vorarlberg nun „Die Fledermaus“ von Johann Strauß inszeniert, darf man sich derlei Fakten vor Augen halten. Amüsant wird die Produktion, die am kommenden Wochenende präsentiert wird, aber auf jeden Fall, denn im Gespräch mit den VN schickt die erfahrene Theatermacherin gleich einmal voraus, dass das Stück auf der spielerischen Ebene bleibt, dass „Die Fledermaus“ mit ihrer „großartigen Musik, mit der sich Strauß mitunter selbst parodiert“ eine Komödie ist. „Es ist keine Satire, die mit Konsequenzen der Doppelmoral droht.“

Warum Doppelmoral? In Österreich, wo das 1874 uraufgeführte Werk nicht nur zum Standardrepertoire vieler Bühnen zählt, sondern oft Teil eines traditionell gestalteten Jahreswechsels ist, hat man die Handlung so weit intus. In einem gut situierten Haushalt muss ein Mann (Eisenstein) wegen Amtsbeleidigung ins Gefängnis, während die Frau (Rosalinde) vorhat, sich derweil mit einem Gesangslehrer zu vergnügen. Weil ein reicher Lebemann (Orlofsky) gleichzeitig zum Fest lädt, die Vollzugsbeamten zu früh auftauchen und zudem reichlich Alkohol im Spiel ist, gerät die Situation etwas aus dem Ruder.

Aktives Verdrängen

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, lautet eine der bekanntesten Passagen, und das „Chacun à son goût“ (jeder nach seinem Geschmack) des Prinzen Orlofsky ist zum geflügelten Wort geworden. Das Verdrängen von Problemen sieht Barbara Herold hier nicht als Prinzip, als Flucht oder Gewissenlosigkeit. Es sei ein aktives, bewusstes, kurzzeitiges Verdrängen von Dingen, die die Wirklichkeit bedrohen, um den Moment überhaupt genießen zu können. Diese Art des Verdrängens verleihe den Menschen Kraft, um auch die Angst vor der Endlichkeit zu bewältigen.

„Die Frau steht nur unter größerem gesellschaftlichen Druck, den Schein zu wahren.“

Barbara Herold, Regisseurin

Zurück zu den Hosenrollen. Beim Musiktheater Vorarlberg, das seit Jahren von Nikolaus Netzer geleitet ist, singt die Mezzosopranistin Mirjam Fässler die Partie des Orlofsky, die gelegentlich auch von einem Countertenor übernommen wird. Dass nahezu jeder danach fragt, wer denn den Gefängniswärter Frosch spielt, hat die Regisseurin etwas erstaunt. Na ja, der alkoholisierte Typ, der bei dieser Gelegenheit gerne ein paar Seitenhiebe in Richtung Politik verteilen darf, wird gern mit namhaften Schauspielern besetzt. In Götzis dreht man einfach den Spieß um, es gibt eine Frau Frosch und die spielt mit Adelheid Bräu eine bekannte Künstlerin, die man von einigen Auftritten im Vorarlberger Landestheater bestens in Erinnerung hat. Was sie zur Politik zu sagen hat, soll bis zur Premiere unter Verschluss bleiben. Außer Frage steht, dass die Frauen in der „Fledermaus“, den Männern in nichts nachstehen. Und das gilt bekanntermaßen auch für die erotischen Bedürfnisse.

Premiere am 11. Oktober. Weitere Aufführungen am 13., 15., 17., 19. Oktober, 19 Uhr, AmBach in Götzis; 22. Oktober, 20 Uhr, Reichshofsaal Lustenau: www.mtvo.at