Junge Stimme mit Zukunft

Kultur / 08.10.2019 • 20:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das zahlreiche Publikum im Markus-Sittikus-Saal bejubelte einen traumhaften Abend mit David Fray und Fatma Said. schubertiade
Das zahlreiche Publikum im Markus-Sittikus-Saal bejubelte einen traumhaften Abend mit David Fray und Fatma Said. schubertiade

Die ägyptische Sopranistin Fatma Said lieferte ein umwerfendes Schubertiade-Debüt.

HOHENEMS Eigentlich war ja der französische Pianist David Fray als Zentralfigur dieses gemischten Klavier- und Liederabends im Markus-Sittikus-Saal vorgesehen. Der seit 2008 hier vor allem mit fast jährlichen Soloabenden tätige Pianist sollte mit vierhändigen Klavierstücken von Schubert und erstmals bei diesem Festival auch als Liedbegleiter auftreten. Doch da kam nun seine Partnerin ins Spiel, die ägyptische Sopranistin Fatma Said (28), und wurde sofort zum strahlenden Mittelpunkt dieses Konzertes.

Said ist international längst auch auf der Opernbühne angekommen und wurde als „Rising Star“ in die größten Konzertsäle Europas verfrachtet. Bei ihrem Schubertiade-Debüt begeistert sie, wenn sie in perfekter, akzentfreier Diktion vom Geliebten erzählt und dabei jede Menge an Ausdrucksvielfalt und Stimmfarben zu bieten hat. Nach einer etwas vorsichtigen Einleitung sitzt ihre Stimme bereits vom zweiten Stück an perfekt, ihre Schubertlieder werden so zum Kernpunkt dieses Konzerts. Da ist „Viola“, dieses zarte Gebilde vom Schneeglöcklein, das ihr in seiner Zerbrechlichkeit besonders liegt, aber auch die atemlose Dramaturgie der Balladenhandlung erfährt, dann das „Heidenröslein“, das sie ins Publikum schleudert, und „Nacht und Träume“, für dessen endlose Legatobögen ihr noch etwas die letzte Abgebrühtheit fehlt. Eine junge, aufregende Stimme, von der man hier sicher noch mehr hören wird.

David Fray trägt ein Gutteil zum Erfolg bei. Seine Klavierbegleitung ist in höchstem Maße fein ausgeklügelt, nie zu laut und zeigt die Entwicklung, die er im Laufe von elf Schubertiade-Jahren genommen und sich dabei in die erste Reihe der Festival-Pianisten gespielt hat. Von einstigen jugendlichen Manierismen wie einem spinnenfingrigen Spiel à la Glenn Gould hat er sich längst verabschiedet. Der samtweiche Träumer am Klavier von damals musiziert heute weit mehr geerdet, ohne dabei seine Sensibilität geopfert zu haben.

Eingerahmt wird das Programm mit vierhändiger Klaviermusik, wozu Fray sich seinen einstigen Lehrer Jacques Rouvier an Bord geholt hat. Die beiden sind in ihrem Spiel und im Umgang miteinander ein Herz und eine Seele. Während die einleitenden acht Variationen in As-Dur mit ihren Tonleiterübungen ohne viel Tiefgang noch über weite Strecken eher den Eindruck erwecken, als hätte Schubert sich bei der „Schule der Geläufigkeit“ seines Zeitgenossen Karl Czerny bedient, erweist sich die 1828 entstandene Fantasie in f-Moll mit ihrem immer wieder wie aus dem Nichts auftauchenden sehnsüchtigen Thema als ein Stück großer Schubert’scher Klaviermusik.

Schubertiade heute, 20 Uhr, Markus-Sittikus-Saal Hohenems: Festkonzert zum 400. Todestag von Markus Sittikus (Solisten, Kammerchor Feldkirch, Leitung Benjamin Lack)