Ein Gewaltakt der Verzweiflung

Kultur / 09.10.2019 • 19:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Werk lebt ungeachtet einer dunklen Optik beinahe ausschließlich von Joaquin Phoenix.  Warner Bros
Das Werk lebt ungeachtet einer dunklen Optik beinahe ausschließlich von Joaquin Phoenix.  Warner Bros

„Joker“ von Todd Phillips hat in Venedig den Hauptpreis eingefahren.

drama Die Welt von Gotham City zerfällt, ist geteilt in eine abgehobene kleine Geldelite und den breiten Rest, der in einer kalten, harten Realität existieren muss, darunter auch Arthur Fleck (Phoenix), der mit seiner labilen Mutter (Frances Conroy) in einem heruntergekommenen Apartment lebt und sich als Partyclown verdingt. Seine Mutter bombardiert den reichen Bürgermeisterkandidaten Thomas Wayne (Vater des späteren Batman) mit Bittbriefen, während Arthur sich mit Psychopharmaka durch den Tag schleppt und dennoch in den unmöglichsten Situationen von einem dämonischen Lachen übermannt wird. Ein Lichtpunkt in diesem traurigen Alltag ist die tägliche Late-Night-Show von Murray Franklin (Robert De Niro). Das Fernsehen ist für Arthur jedoch weit, stattdessen versucht er sich erfolglos im Stand-Up-Comedy-Format. Als ein Kollege ihm eine Waffe gibt, kommt es zu einer ersten Bluttat. Dies ist der Auftakt zur Geburt des Jokers – und der Beginn eines Aufstands der Unterdrückten.

Packendes Männerporträt

Joaquin Phoenix stellt sich mit seiner Darstellung des Batman-Pendants in eine Reihe mit Vorgängern wie Jack Nicholson, Jared Leto und Heath Ledger – und zeigt eine Leistung, die diesen nicht nur ebenbürtig ist. Phoenix hat schließlich seine Position als beinahe fanatischer Darsteller kultiviert, der seine Figuren mit ganzem Körper und Seele durchdringt. So ist er für den Part des Arthur Fleck auf die Knochen abgemagert, eine sich krümmende Gestalt, ein ungelenker Mensch – mit seinem Körper und im Umgang mit anderen. Und mit einem immer wieder explosiv aus ihm herausbrechenden Lachen, das einem kalt den Rücken hinunterläuft. Er vermisst den Weg eines Opfers, das zum Täter wird – und dessen Leidensweg zugleich ein Selbstfindungsprozess ist. Arthur Fleck ist ein Vulkan, der jederzeit ausbrechen kann. Überraschender als die gewohnt außergewöhnliche Leistung von Phoenix ist dabei wohl die von Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips, der ein vielschichtiges, ebenso ruhiges wie packendes Männerporträt abliefert.

Joker

USA 2019, Thriller, Drama
Regie
Todd Phillips

Darsteller Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Frances Conroy, Marc Maron

Start gerade in den Kinos angelaufen